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Fonds- und Versicherungsbranche fordern Preiskontrollen bei Ratings - Fondsnews


08.09.20 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der deutsche Fondsverband BVI und der Versicherungsverband GDV richten einen gemeinsamen Appell an die EU-Kommission, so die Experten von "FONDS professionell".

Diese solle die Gebührensätze amerikanischer Ratingagenturen strikter reglementieren und genauer überwachen. "Die großen US-Ratingagenturen nutzen ihre marktbeherrschende Stellung für ihre Preisgestaltung aus, aber der EU-Wertpapierbehörde ESMA fehlt es an regulatorischer Handhabe, diesen missbräuchlichen Nutzungslizenz- und Gebührenforderungen ein Ende zu setzen", sage BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter einer Mitteilung zufolge. "Den Schaden haben die Anleger. Das kann so nicht weitergehen."

Investmenthäuser ebenso wie Versicherungsgesellschaften würden ihre Anlageentscheidungen zum Teil auf die Urteile der großen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch stützen. So würden etwa die Anlagerichtlinien vieler Publikumsfonds wie auch institutioneller Investoren vorsehen, dass nur Engagements in Staats- oder Unternehmensanleihen solider Bonität zulässig seien. Zwar würden die Emittenten von Wertpapieren meist für die Ausstellung einer Bewertung bezahlen. Für den Bezug und die Nutzung von Daten seien den Branchenverbänden zufolge jedoch weitere Gebühren fällig.

Investoren würden tiefergehende Ratinginformationen und -daten für das Portfolio- und Risikomanagement, für Compliance- und Rechnungslegungszwecke und für das regulatorische Meldewesen benötigen, würden BVI und GDV in der Mitteilung erläutern. Die Branchenvertreter würden konkret fordern, die Ratinganbieter zu mehr Preis- und Kostentransparenz zu verpflichten. Zusätzlich müsse sichergestellt werden, dass sämtliche Datenanbieter in einem Ratingkonzern von der Regulierung für Ratingagenturen erfasst würden. Als dritte Maßnahme würden der BVI und der GDV für eine Stärkung der Aufsichtskompetenz der ESMA in diesem Bereich plädieren.

Die Verbände wollten ihren Brandbrief als Schritt "im Kampf der institutionellen Anleger und der Asset Manager für angemessene Konditionen beim Bezug von Finanzmarktdaten aller Art" verstanden wissen. Denn Daten würden zunehmend zum Wettbewerbsfaktor für europäische Asset Manager. Die gesamte Marktdateninfrastruktur sei dabei "von Monopolen und Oligopolen geprägt", heiße es in dem Schreiben weiter. Daneben würden beispielsweise auch Indexanbieter Gebühren für die Verwendung ihrer Daten verlangen.

Die Kosten dafür würden laut BVI und GDV deutlich steigen. Die Branchenverbände würden auf eine Aussage der ESMA verweisen, wonach sich die Lizenzkosten für Marktdaten an europäischen Börsen seit 2017 um rund 400 Prozent verteuert hätten. Aus der Finanzbranche sei wiederum zu hören gewesen, dass sich die Preissteigerungen für Indexdaten im Schnitt auf rund 15 Prozent pro Jahr beziffern würden. (08.09.2020/fc/n/s)