Eingefrorene H2O-Fonds: Soviel Geld steckt in illiquiden Papieren - Fondsnews


07.09.20 13:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Fondsboutique H2O hat in einem Schreiben an ihre Kunden erstmals öffentlich dargelegt, wie hoch der Anteil der illiquiden Wertpapiere in jenen Fonds ist, welche die Gesellschaft vor kurzem eingefroren hat, so die Experten von "FONDS professionell".

Demnach rangiere die Spanne der schwer verkäuflichen Papiere beim H2O Adagio und dem H2O Moderato zwischen sieben und neun Prozent. Der Anteil variiere je nach Fonds und erreiche bis zu 30 Prozent beim H2O Multibonds und sogar bis zu 35 Prozent beim H2O Allegro.

Die Gesellschaft habe vor einer Woche auf Geheiß der französischen Finanzaufsicht die Anteilsausgabe und -rücknahme bei insgesamt drei Fonds ausgesetzt. Darüber hinaus habe sich die Boutique dazu entschlossen, vier weitere Publikumsfonds sowie einen Spezialfonds zuzusperren. Hintergrund des Schritts seien illiquide Papiere, die dem Umfeld des Finanziers Lars Windhorst zuzurechnen seien. H2O habe per Ende Juni 2020 ein Vermögen von rund 22 Milliarden Euro verwaltet.

Als das Engagement des H2O-Gründers und Frontmanns Bruno Crastes bei den Windhorst-Unternehmen im Sommer 2019 bekannt geworden sei, hätten Anleger bis zu acht Milliarden Euro von dem Haus abgezogen, das zum französischen Boutiquendach Natixis Investment Managers gehöre. Crastes habe daraufhin mitgeteilt, die illiquiden Papiere würden teilweise verkauft und somit ihr Anteil in den Portfolios gesenkt. Daraufhin habe sich die Lage beruhigt.

Doch im Zuge des pandemiebedingten Kursverfalls an den Börsen hätten die H2O-Portfolios zum Teil deutlich an Wert verloren. Im Zuge der Wertminderungen im liquiden Teil sei auch der Anteil der illiquiden Papiere in den H2O-Fonds geklettert. Aufgrund der Unsicherheiten bei der Bewertung dieser Papiere habe die französische Finanzaufsicht dann vergangene Woche H2O aufgefordert, die Fonds zeitweilig zu schließen.

Formal gesehen liege der Anteil der illiquiden Papiere bei allen Fonds allerdings unter der Zehn-Prozent-Schwelle. Diese stelle EU-Regeln zufolge die Obergrenze für illiquide Investments in Publikumsfonds dar. Denn H2O habe einen erheblichen Teil des Engagements über temporäre Kauf- und Rückkaufvereinbarungen ("buy and sell back") ausgegliedert. Der Grund: Die im Sommer 2019 von H2O angekündigten Wertpapierverkäufe hätten nie abgeschlossen werden können, wie die Boutique in ihrem Schreiben nun einräume. Stattdessen seien diese in zeitweilige Kauf- und Rückkaufgeschäfte umgewandelt worden.

Mit dem zeitweiligen Einfrieren der Fonds würden die direkten Engagements in illiquide Wertpapiere sowie die "buy and sell back"-Geschäfte in sogenannten "Seitentaschen" der betroffenen Fonds ausgegliedert. Diese "Seitentaschen" seien ein erst kürzlich eingeführtes Instrument, das Anbieter von offenen Publikumsfonds zur Liquiditätssteuerung nutzen dürften. In der Schließungsphase wolle H2O die liquiden Teile der Portfolios in neue Fonds überführen, während die nur schwer verkäuflichen Papiere sowie die Kauf- und Rückkaufgeschäfte in den alten Fonds verbleiben und Zug um Zug abgestoßen werden sollten.

H2O habe im Frühjahr mit Windhorst vereinbart, dass dieser seine Papiere zurückkaufe. Dies sollte in zwei Schritten zum Juni 2020 sowie zum Juni 2021 erfolgen. Der Abschluss dieser Transaktion sei jedoch zum Teil "wegen Anforderungen an die Compliance und Due Diligence" verzögert worden, heiße es in dem Schreiben. Medienberichten zufolge habe Windhorst mehrere Großinvestoren gefunden, darunter angeblich namhafte deutsche Unternehmer, die den Rückkauf der Papiere finanzieren würden. (07.09.2020/fc/n/s)






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