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EU will Fondsvertrieb über Ländergrenzen erleichtern - Fondsnews


13.03.18 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die EU-Kommission hat einen Gesetzentwurf veröffentlicht, der Hürden im grenzüberschreitenden Vertrieb von Investmentfonds abbauen soll, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Entwurf sei Teil des größeren Plans einer europäischen Kapitalmarktunion. Ziel dieses vor rund drei Jahren angestoßenen Projektes sei eine engere Verzahnung der Finanzmärkte Europas, um letztlich einen gesamteuropäischen Markt für Finanzprodukte zu schaffen.

Mit dem aktuellen Entwurf für einen einfacheren Vertrieb von Fonds über Staatengrenzen hinweg möchte die Kommission nicht zuletzt die Kosten der Fonds auf breiter Front senken. Der Gedanke: Durch den europaweiten Verkauf der Portfolios sollten insbesondere kleinere Fonds mehr Anleger gewinnen, sodass sich die Fixkosten auf mehrere Schultern verteilen würden. Zudem sollten Grenzöffnungen den nationalen Wettbewerb zwischen den Asset Managern fördern - zum Wohl der Investoren.

Die Pläne der Kommission würden darauf abzielen, eine Reihe an regulatorischen Vorschriften zu ändern oder zu streichen, die die Anzeige des Vertriebs eines Fonds bei der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde behandeln würden. Ein Beispiel aus der Fülle der sehr technischen Details sei, dass Vermögensverwalter nicht mehr, wie einige Staaten derzeit fordern würden, eine Geschäftsstelle oder Niederlassung vor Ort unterhalten müssten, um Kunden alle relevanten Informationen für die Anlage in das Produkt zu liefern oder die Ausgabe oder Annahmen von Fondsanteilen sicherzustellen.

Der deutsche Fondsverband BVI werte den Gesetzentwurf der EU-Kommission in einer ersten Reaktion als enttäuschend. "Statt Barrieren abzubauen, schafft die Kommission mit dem Gesetzesvorschlag neue", heiße es in einer Pressemitteilung.

Bestes Beispiel dafür seien die geplanten Voraussetzungen für die De-Registrierung eines Fonds in einem EU-Land. Demnach solle ein Asset Manager einen Fonds erst wieder vom Markt nehmen können, wenn dieser in dem betreffenden Land maximal zehn Anleger habe, die insgesamt weniger als ein Prozent des verwalteten Vermögens halten würden. "Wenn es wirklich darum geht, Hürden für den grenzüberschreitenden Vertrieb abzubauen, sollte dem Asset Manager die Entscheidung, sich aus einem Land zurückzuziehen, nicht erschwert werden", schreibe der BVI.

"Statt die Hürden im grenzüberschreitenden Vertrieb zu beseitigen, will die EU-Kommission im Rahmen der ESA-Reform lieber die ESMA mit mehr Kompetenzen ausstatten und die nationalen Aufsichtsbehörden entmachten", ergänze Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI.

Nach Angaben des Verbandes plane die EU-Kommission demnach, die Fondsaufsicht schrittweise auf die EU-Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA zu verlagern: Zunächst nur für europäische langfristige Investmentfonds (ELTIFs), Fonds für soziales Unternehmertum (EuSEFs) und Risikokapitalfonds (EuVECAs). Damit drohe eine Doppelaufsicht, denn die Fondsgesellschaften selbst würden weiter von den nationalen Behörden kontrolliert. "In einem zweiten Schritt könnten gar OGAWs und AIFs unter die Aufsicht der Esma fallen", mutmaße der BVI. (13.03.2018/fc/n/s)