ETFs sind die wahren Mischfonds-Meister, meint Morningstar - ETF-News


04.10.19 15:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Meist zu schlecht und obendrein zu teuer: So lautet das Urteil der Ratinggesellschaft Morningstar zu aktiven Mischfonds, so die Experten von "FONDS professionell".

Besser würden Anleger mit Portfolios fahren, die auf Indexfolger gesetzt hätten, so die Analysten - und würden einige Beispiele anführen.

Eigentlich würden sie als Alleskönner gelten: Durch den geschickten Wechsel zwischen Aktien, Anleihen und anderen Anlageklassen sollten Mischfonds optimal durchs Auf und Ab der Märkte navigieren. Doch die Bilanz aktiver Mischfondsmanager falle häufig ernüchternd aus, habe jüngst einmal mehr die Fondsratinggesellschaft Morningstar festgehalten. Ein paar Meister ihres Metiers hätten die Analysten zwar gefunden, doch das breite Feld enttäusche, so das harte Urteil der Experten.

Lichtblicke würden die Morningstar-Analysten bei Konzepten sehen, die auf börsengehandelte Indexfonds (ETFs) zurückgreifen würden. Dies sei die "einfache, luftige Seite des ansonsten gruselig komplizierten Mischfondsdschungels", formuliere es Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah. "Auch wenn es nur eine Handvoll dieser Produkte im deutschsprachigen Raum gibt, so haben die meisten über die Jahre eine ordentliche Performance-Historie aufgebaut", laute sein Urteil.

Diese Vehikel würden alle Vorzüge von ETFs vereinen, führe Masarwah aus. Sie würden günstige Kosten mit regelbasierten, zumeist diversifizierten Strategien oder eingebauten Rebalancing-Mechanismen sowie mit der allgemeinen Verfügbarkeit durch das Börsennotierung kombinieren. "Diese scheinbar banalen Eigenschaften bergen das Zeug, aus dem Outperformer gemacht werden", meine Masarwah.

Gemischte Indexfonds würden Aktien, Anleihen oder Rohstoffe meist strikt nach einem systematischen Ansatz gewichten. Damit würden Anleger oft erstaunlich gut fahren, beobachte die Fondsratinggesellschaft Morningstar. Welche ETF-Mischfonds seien am Markt?

Arero - Der Weltfonds
Der Arero Weltfonds (stehe für Aktien-Renten-Rohstoffe) sei der Pionier unter den Index-Mischfonds. Auch wenn er zumeist weniger als 60 Prozent seiner Mittel in Aktien investiere, gelte er als aggressiver Mischfonds, erläutere Ali Masarwah von Morningstar. Denn er investiere 15 Prozent der Mittel in volatile Rohstoffe. Das Konzept fuße auf den Kapitalmarktstudien des Fondsberaters Martin Weber von der Uni Mannheim. "Der Arero hat in den vergangenen fünf Jahren regelmäßig den Durchschnitt der Vergleichsfonds aus der Kategorie der aggressiv investierenden EUR-Mischfonds übertroffen", resümiere Masarwah. Das sei insofern beachtlich, als er wegen seiner hohen Rohstoffkomponente, der signifikanten Investments in Schwellenländern und der Begrenzung auf Staatsanleihen auf der Bond-Seite zeitweilig einige Performance-Bremsen im Portfolio gehabt habe.

Comstage Vermögensstrategie Offensiv ETF
Das Aktiengewicht des Comstage Vermögensstrategie Offensiv liege bei 80 Prozent, Renten-ETF und Rohstoff-ETCs seien mit jeweils zehn Prozent gewichtet. Einmal im Jahr werde das Portfolio wieder auf die Ausgangslage zurückgeführt. "Der ETF ähnelt dem Arero, hebt sich aber in einigen Punkten von ihm ab", erläutere Masarwah. Die Aktiengewichtung folge nicht der globalen BIP-Quote, sondern gewichte recht starr Europa - und dabei vor allem Deutschland - relativ hoch. Zudem seien Agrargüter wegen ethischer Bedenken ausgeschlossen worden. Gestartet worden sei der Comstage Vermögensstrategie Offensiv erst im März 2018. "Das ist angesichts der klaren Systematik kein Problem: Wer diversifiziert und aktienorientiert und passiv investieren will, weiß, was er hier bekommt", so das Urteil von Masarwah. Bedenklich erscheine ihm allenfalls das geringe Volumen von gut fünf Millionen Euro.

Comstage Vermögensstrategie ETF (ISIN DE000ETF7011 / WKN ETF701)
Der Comstage Vermögensstrategie sei der älteste der drei Comstage-Vermögensverwaltungs-ETFs. Aktien-ETFs würden 60 Prozent des Fondsvermögens ausmachen, Renten-ETFs 30 Prozent und Rohstoffe zehn Prozent. Auch dieser ETF werde einmal pro Jahr jeweils im März auf seine Ausgangslage zurückgeführt. "Mit einer Dreijahres-Sharpe Ratio von 0,45 hat er die zweitbeste risikoadjustierte Performance der gemischten ETFs aufzuweisen, was sich auch im hervorragenden Fünf-Sterne-Rating manifestiert", halte der Morningstar-Experte fest. "Mit einem Vermögen von rund 90 Millionen Euro ist der Fonds zwar klein, aber beruhigend größer als seine kleineren Brüder."

Comstage Vermögensstrategie Defensiv ETF
"Der Comstage Vermögensstrategie Defensiv ist für defensive Mischfonds recht sportlich aufgestellt", stelle der Morningstar-Experte fest. Der Aktien-Anteil belaufe sich 40 Prozent des Fondsvermögens. Renten- und Geldmarkt-ETFs würden zusammenaddiert 50 Prozent und Rohstoff-ETCs zehn Prozent ausmachen. Auch dieser Fonds sei erst Anfang 2018 aufgelegt worden und sei mit einem Vermögen von rund zwölf Millionen Euro klein. Der überdurchschnittliche Aktien- sowie der höhere Gold-Anteil lasse ihn gegenüber der klassischen Mischfonds-Konkurrenz gut aussehen.

Ossiam Global Multi-Asset Risk-Control ETF
"Im Gegensatz zu den anderen ETFs dieser Auswahl, die recht robuste, einfache Ansätze implementieren, ist der Ossiam Global Multi-Asset Risk-Control ETF ein komplexes Gebilde", meine Masarwah. Der ETF steuere die Asset Allocation anhand statistischer Verfahren, welche unter anderem historische Aktien-, Bond- und Rohstoffrenditen, Volatilitäts-Schätzungen und Korrelations-Analysen kombinieren würden. In Summe solle die erwartete Rendite maximiert und die erwartete Volatilität minimiert werden. "Da der Fonds erst Ende 2016 aufgelegt wurde, ist die Performance-Historie nicht aufschlussreich", erkläre der Experte. In den vergangenen zwei Jahren sei die Performance mit 1,6 Prozent pro Jahr etwas hinter der Performance des durchschnittlichen ausgewogenen Mischfonds hinterhergehinkt. "Das ist keine beeindruckende Bilanz", urteile Masarwah.

SPDR Morningstar Multi-Asset Global Infrastructure
Ebenfalls zu den Exoten-Produkten zähle der SPDR Morningstar Multi-Asset Global Infrastructure ETF. "Er sollte als thematischer ETF behandelt werden und nicht als ausgewogenes, diversifiziertes Produkt", halte Masarwah fest. Er setze sich jeweils hälftig aus dem Morningstar Global Equity Infrastructure Index und dem Morningstar Global Bond Infrastructure Index zusammen und sei also sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite auf internationale Infrastruktur-Investments ausgerichtet. Wegen seiner Anleihen-Beimischung zähle Morningstar den Fonds zu der Misch-Kategorie.

"Ungeachtet der eher thematischen Ausrichtung ist das Risiko dieses ETFs nur durchschnittlich, bei einer überdurchschnittlichen Rendite im Vergleich zur Gruppe der US-Dollar Mischfonds", so der Experte. Der Anleihen-Teil des Portfolios sei nicht gegen Währungsschwankungen abgesichert. "Das kann wie in den vergangenen Jahren gut gehen", so Masarwah. "Aber wenn es auf der Währungsseite in die andere Richtung geht, können Fremdwährungsbonds zum Rendite-Killer avancieren."

Xtrackers Portfolio ETF
Der Xtrackers Portfolio ETF sei nur wenige Wochen jünger als der Arero Weltfonds. Er sei im November 2008 aufgelegt worden. Der Xtrackers Portfolio ETF werde von Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau (IVA) in München verantwortet. Hier komme ein Multifaktor-Ansatz zum Tragen, der mit ETFs der Deutschen Bank abgebildet werde. Aktuell belaufe sich der Aktienanteil auf 59 Prozent des Fondsvermögens, Bonds würden gut 41 Prozent ausmachen, Rohstoffe seien derzeit nicht vertreten. Seit 2014 habe der ETF eine Mehrrendite von zwei Prozentpunkten pro Jahr gegenüber dem Durchschnitt der ausgewogenen Mischfonds erzielt. "Allerdings müssen Anleger berücksichtigen, dass die Asset Allocation der beiden Xtrackers Portfolio ETFs von den Einschätzungen des Fondsberaters Beck abhängt", schränke Masarwah ein. (04.10.2019/fc/n/e)





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