Anleihen-ETFs: Weder günstig noch echte Tracker - ETF-News


05.12.17 09:42
Kames Capital

London (www.fondscheck.de) - Rentenindex-ETFs werden in keiner Weise dem Anspruch gerecht, ein kostengünstiges Engagement am Gesamtmarkt zu ermöglichen. Einige der beliebtesten Fonds bemühen sich dabei nicht einmal, den von Anlegern vermuteten Index nachzubilden, stellt David Ennett, Leiter des High-Yield-Teams von Kames Capital, fest.

David Ennett, Leiter des High-Yield-Teams, verwalte mit seinem Kollegen Jack Holmes den Kames High Yield Global Bond Fund (ISIN IE00B2496081 / WKN A0N9XU). Ihrer Meinung nach seien in den letzten zwölf Monaten zwar umfangreiche Mittel in Anleihen-ETFs geflossen. Doch möglicherweise würden Anleger nicht wirklich wissen, was sie kaufen und wie diese ETFs gemessen an den eigenen Benchmarks abschneiden würden.

"Gut möglich, dass Anleihen-ETFs immer beliebter werden, den Anlegern scheint ihr wahres Wesen jedoch nicht ganz klar zu sein", sage Ennett. "Tracker, also Instrumente, von denen Anleger annehmen, dass sie Indices getreu abbilden, schreiben sich mitunter auf die Fahnen, dass sie ein günstiges Engagement ermöglichen. In Wahrheit ist dies aber nicht der Fall. Denn Rentenindices bestehen aus Tausenden von Indexwerten, sodass eine wirklich vollständige Nachbildung des Marktes unmöglich ist. Auch beim Versuch, den Index zu kopieren, fallen bei den passiv gemanagten Fonds hohe Handelskosten an, die die Renditen aufzehren. Denn die Kosten sind deutlich, als die niedrigen Managementgebühren suggerieren. Und ohne erfahrene Manager am Steuer können ETFs in Phasen von Marktstress angesichts der Liquidität im Hochzinsbereich mit erheblichen Abweichungen gegenüber ihrem Nettoinventarwert gehandelt werden."

Daher, so Holmes, würden sich viele passiv gemanagte Fonds nicht einmal bemühen, den Markt nachzubilden. Der iShares USD High Yield Corp Bond ETF verwende als Referenzindex beispielsweise den iBoxx USD Liquid High Yield Index, der einen Teilbereich des gesamten Hochzinsuniversums abdecke. "Die Zahl der Bonds in diesem Segment ist (laut Angaben von Merrill Lynch) mit 1.000 nur etwa halb so hoch wie am USD-Hochzinsmarkt, der etwa 2.000 Titel zählt. Gleichzeitig unterscheidet er sich mit Blick auf die Ausrichtung auf bestimmte Ratings, Sektoren und Länder", sage Jack Holmes. Und weiter: "Diese Unterschiede werden deutlich, wenn man sich die Wertentwicklung des Index gegenüber dem tatsächlichen Markt vor Augen führt. Abgesehen davon, dass der ETF gar nicht das nachbildet, was Anleger vermuten, scheitert er auch an seiner eigenen Benchmark."

Das seien nach Meinung der Fondsmanager jedoch nicht die einzigen Fallen bei Anlagen in ETFs im Festzinssegment. "Diese Fonds zielen darauf ab, sich bei besonders hoch verschuldeten Emittenten zu engagieren, bieten kein Durationsmanagement (und stattdessen eine eher ungünstige Durationsverlängerung), weisen ein hohes Konzentrationsrisiko bei nur geringem Liquiditätsmanagement auf und können nicht die Ineffizienzen und Chancen am Anleihemarkt nutzen", warne Ennett.

"Wenn Anleger beurteilen, ob ein Fonds besser abschneidet als der Markt, müssen sie sich überlegen, was sie unter "Markt" verstehen. Ein Index genießt sofortige, unendliche und kostenfreie Liquidität in der theoretischen Welt. Allerdings müssen ETFs, die dem Index am nächsten kommen, wie wir in der realen Welt operieren, und in diesem Bereich ist aktives Management nach wie vor der effektivste und beste Weg, um diese Anlageklasse abzudecken."

Der Kames High Yield Global Bond Fund habe seit seiner Auflegung vor zehn Jahren eine jährliche Rendite von 7,29% erzielt. Demgegenüber hätten der Lipper Global Bond Global High Yield eine mittlere Rendite von 5,31% p.a. und der iShares USD High Yield ETF +5,68% erwirtschaftet. (News vom 04.12.2017) (05.12.2017/fc/n/e)





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