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Anleger verschenken Millionen durch die falsche Auswahl von ETF-Angeboten - ETF-News


06.11.18 11:10
quirin bank

Berlin (www.fondscheck.de) - Schon mehr als 20 Milliarden Euro haben Privatanleger in Deutschland in ETFs (Exchange Traded Funds) investiert, so die Analysten der quirin bank.

Allein im vergangenen Jahr sei das Volumen um mehr als ein Drittel gestiegen. "Doch bei der Auswahl der besonders beliebten ETF-Aktienfonds machen Anleger regelmäßig Fehler", erkläre Kai Hattwich, Portfolio Manager und ETF-Experte der Quirin Privatbank: "Die Anleger verschenken auf diese Weise jährlich Erträge in Millionenhöhe."

So würden viele bei der ETF-Auswahl davon ausgehen, dass bei mehreren Angeboten für den gleichen Aktien-Index derjenige ETF mit der günstigsten Kostenquote (so genannte TER, Total Expense Ratio) am lukrativsten sei. "Doch bei diesem Vergleich wird viel zu kurz gesprungen", wisse Experte Kai Hattwich, "denn die TER-Kostenquote bildet nur etwa ein Drittel der Kriterien ab, welche für die Höhe der ETF-Renditen entscheidend sind." Nach Experten-Berechnungen habe die TER auf die Wertentwicklung von Aktien-ETFs so auch nur einen Einfluss von rund 50 Prozent.

Tatsächlich erfasse die TER nicht alle Kostenfaktoren eines ETF. "Nur die Vergütung für die Depotbank sowie Verwaltungsgebühren sind bei diesem Wert berücksichtigt, nicht aber die ebenfalls wichtigen Transaktionskosten im ETF", erläutere Hattwich. Die Rendite eines ETF werde außerdem stark beeinflusst durch die Erträge aus Tauschgeschäften (Swaps) sowie aus der Verleihung von Wertpapieren, die ETFs häufig mit ihrem Aktienbestand praktizieren würden. Ebenso sei zu berücksichtigen, ob es Maßnahmen des ETF zur Optimierung der Dividenden-Einnahmen gebe und wie erfolgreich diese seien.

Um all diese Einflussfaktoren zu erfassen, ermittle die Quirin Privatbank bei der Auswahl von ETFs regelmäßig die Renditedifferenz, die sie gegenüber ihrem jeweiligen Index hätten. Dies reiche vom DAX über europäische und US-amerikanische Indices bis hin zum weltweiten Index MSCI World. "Diese so genannte Tracking Difference offenbart, wie gut oder schlecht ein ETF im Verhältnis zu seinem Referenzindex läuft", erkläre Hattwich: "Wenn ein ETF bislang gut abgeschnitten hat, kann er auch für aktuelle Anlageentscheidungen in die engere Wahl kommen. Denn es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich die bisherige "Index-Treue" des ETF auch in Zukunft fortsetzen wird."

Anschaulich werde das an den Ertrags-Unterschieden bei DAX-ETFs. Hier hätten sich in den vergangenen zehn Jahren Rendite-Unterschiede von 6,6 Prozentpunkten zwischen dem besten und dem schlechtesten ETF ergeben. "Schon bei einer Anlage von 50.000 Euro im besten DAX-ETF hätten Anleger demnach 3.300 Euro mehr Ertrag als beim Angebot mit der schlechtesten Wertentwicklung bekommen", erkläre Hattwich. Bei ETFs auf den EURO STOXX 50 liege die Differenz der Anlegerrendite zwischen dem besten und dem schlechtesten ETF bei 2.300 Euro in zehn Jahren. (06.11.2018/fc/n/e)