Öl- und Gasinvestments im Fokus
10.03.10 12:20
Erste Bank
Wien (aktiencheck.de AG) - Das Chance-/Risikoprofil für Ölinvestments ist derzeit nicht attraktiv, so die Analysten der Erste Bank.
Der Glaube an ewig steigende Ölpreise müsse (vorerst) begraben werden. Die OPEC habe mehrmals signalisiert, mit einem Preisband von USD 70 bis 80 zufrieden zu sein. Die Analysten würden nicht glauben, dass die OPEC bald von dieser Vorstellung abrücken werde. Der Preisverfall von USD 150 auf knapp USD 30 sei eine Übertreibung nach unten gewesen, die aktuellen Preise würden nach Meinung der Analysten jedoch nicht das niedrige Nachfrageniveau widerspiegeln.
Stark gestiegener Risikoappetit, Überschussliquidität und optimistische Erwartungen einer signifikanten konjunkturellen Erholung seien nach Meinung der Analysten hauptverantwortlich für die Kursavancen gewesen. Auch der unerschütterliche Glaube an das vermeintliche chinesische Wirtschaftswunder nähre die Hoffnung auf einen weiteren Preisanstieg. Deshalb gehe man davon aus, dass jeder weitere Preisaufschwung letztendlich auf einem wackligen Fundament basiere und nicht nachhaltig sein werde.
Die konjunkturelle Entwicklung dürfte weiterhin holprig verlaufen. Die Analysten würden nach wie vor an der Lebensfähigkeit der "Green Shoots" zweifeln und glauben, dass zu viel konjunktureller Optimismus am Ölsektor eingepreist werde. Raum für positive Überraschungen scheine es kaum zu geben, sobald die weltweiten Stimuli auslaufen (und nicht ersetzt würden), dürfte die Ölnachfrage wieder nachlassen. Die künstlich herbeigeführte Prosperität sollte nicht mit gesundem, realem Wachstum verwechselt werden. Die Diskussion werde sich deshalb zunehmend auf die latent schwächelnde Nachfrage konzentrieren.
Am besten lasse sich die niedrige Ölnachfrage an den schwächelnden crack-spreads und der geringen Kapazitätsauslastung der Raffinerien ablesen. Die hohen Lagerbestände dürften die Achilles-Ferse für den Ölpreis bedeuten, das aktuelle Überangebot werde Druck auf den Ölpreis ausüben. Sobald die Nachfrage zunehmend aus den Lagern gedeckt werde, dürfte das Abwärtsmomentum wieder rapide steigen.
Derzeit sei mehr als genügend Öl vorhanden, die Struktur des Angebots spreche langfristig jedoch für deutlich höhere Notierungen. Nachdem die Öl-Notierungen im Vorjahr teilweise weit unter den Grenzkosten der Produktion gelegen hätten und zahlreiche Ölnationen vor tiefgreifende finanzielle Nöte gestellt hätten, seien Investitionen in Exploration um knapp USD 100 Mrd. gestrichen worden. Dies könnte die Basis für einen 4. Ölschock 2012 oder 2013 bedeuten, im heurigen Jahr sehe man jedoch nur noch wenig Aufwärtspotenzial.
Geopolitische Probleme und Militärkonflikte würden nach Meinung der Analysten, derzeit zu wenig eingepreist und würden eine massive Gefahr darstellen. In Nigeria würden die Attacken auf Pipelines seit Dezember dramatisch zunehmen. Nachdem Präsident Yar A'duas's Gesundheitszustand weiterhin kritisch sei, dürfte die Situation weiterhin instabil bleiben. Auch der Iran-Konflikt dürfte sich weiter zuspitzen. Im Zuge einer militärischen Konfrontation würde die Straße von Hormuz und somit die wichtigste Handelsroute für Öl aus der Golfregion blockiert werden. Des Weiteren dürften im Irak die Parlamentswahlen im März und der Truppenabzug des US-Militärs im August für Spannungen sorgen.
Die Analysten würden sich im Hinblick auf Erdgas - und hier insbesondere unkonventionellen Erdgasressourcen - langfristig klar bullish zeigen. Auf Sicht der nächsten drei bis fünf Jahre würden sie Preise im Bereich von mindestens USD 7 bis 10 erwarten, dies sollte attraktive Margen für alternative Erdgasproduzenten gewährleisten. Eine alte Daumenregel besage, dass der Ölpreis dividiert durch 6, den Gaspreis ergeben sollte. Dies beruhe auf der Tatsache, dass man in etwa 6x so viele Einheiten Gas benötige, um die Energie einer Einheit Öl zu erhalten. Dies bedeute, dass entweder Öl zu teuer oder Gas zu billig - oder beides zugleich - sei.
Auch im Hinblick auf Umweltverschmutzung sollte alternatives Erdgas zukünftig eine größere Rolle spielen, nachdem es deutlich sauberer verbrenne als Kohle und Erdöl. Dies dürfte auch in Hinblick auf CO2-Obergrenzen zusätzliche Unterstützung für Shale Gas bedeuten. Einzig der hohe Wasserverbrauch und die neu zu errichtenden Pipelines seien häufig geäußerte Kritikpunkte, im Vergleich zu konventionellen Energiequellen seien die ökologischen Schäden jedoch gering.
Besonders im Vergleich zu unkonventionellem Öl (z.B. Ölsand) sei Shale Gas ökologisch sauber und zudem energieeffizient. Die Analysten würden sich somit zuversichtlich zeigen, dass der Abbau von Schiefergasvorkommen in Europa massiv an Bedeutung gewinnen werde. Insbesondere in Polen und in der Ukraine erwarte man rege Explorations- und Akquisitionstätigkeiten. Insofern würden die Analysten unkonventionelles Gas - und hier insbesondere Shale Gas - als eine der interessantesten Investmentopportunitäten im Energiebereich betrachten.
Dass der Ölpreis trotz der saisonalen Schwächephase sowie des wiedererstarkten US-Dollars nach oben tendiere, würden die Analysten als klares Zeichen der Stärke interpretieren. Auch das Sentiment sei aktuell neutral und weit von jeder Kaufpanik oder Euphorie entfernt. Die CoT-Daten würden dies ebenso belegen. Laut Ratio-Analyse sei Öl im Vergleich zu anderen Assetklassen aktuell in etwa im Rahmen der langfristigen Historie bewertet.
Aus technischen und taktischen Überlegungen rechne man somit mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends - bei geringem Momentum - im 1. Halbjahr in die Region von maximal USD 90 bis 100. Nachdem aktuell ein Überangebot an Öl bestehe, rechne man jedoch nicht mit einem nachhaltigen Überschreiten der "magischen" USD 100/Barrel.
Aufgrund der negativen Divergenzen und der trüben fundamentalen Aussichten würden die Analysten spätestens in der 2. Jahreshälfte eine Trendumkehr erwarten. In deren Zuge sollte der Ölpreis im Bereich von USD 60 oder tiefer notieren. Für das Gesamtjahr 2010 rechne man mit einem durchschnittlichen Ölpreis für WTI in Höhe von USD 72. (Ausgabe März 2010) (10.03.2010/ac/a/m)
Der Glaube an ewig steigende Ölpreise müsse (vorerst) begraben werden. Die OPEC habe mehrmals signalisiert, mit einem Preisband von USD 70 bis 80 zufrieden zu sein. Die Analysten würden nicht glauben, dass die OPEC bald von dieser Vorstellung abrücken werde. Der Preisverfall von USD 150 auf knapp USD 30 sei eine Übertreibung nach unten gewesen, die aktuellen Preise würden nach Meinung der Analysten jedoch nicht das niedrige Nachfrageniveau widerspiegeln.
Stark gestiegener Risikoappetit, Überschussliquidität und optimistische Erwartungen einer signifikanten konjunkturellen Erholung seien nach Meinung der Analysten hauptverantwortlich für die Kursavancen gewesen. Auch der unerschütterliche Glaube an das vermeintliche chinesische Wirtschaftswunder nähre die Hoffnung auf einen weiteren Preisanstieg. Deshalb gehe man davon aus, dass jeder weitere Preisaufschwung letztendlich auf einem wackligen Fundament basiere und nicht nachhaltig sein werde.
Die konjunkturelle Entwicklung dürfte weiterhin holprig verlaufen. Die Analysten würden nach wie vor an der Lebensfähigkeit der "Green Shoots" zweifeln und glauben, dass zu viel konjunktureller Optimismus am Ölsektor eingepreist werde. Raum für positive Überraschungen scheine es kaum zu geben, sobald die weltweiten Stimuli auslaufen (und nicht ersetzt würden), dürfte die Ölnachfrage wieder nachlassen. Die künstlich herbeigeführte Prosperität sollte nicht mit gesundem, realem Wachstum verwechselt werden. Die Diskussion werde sich deshalb zunehmend auf die latent schwächelnde Nachfrage konzentrieren.
Am besten lasse sich die niedrige Ölnachfrage an den schwächelnden crack-spreads und der geringen Kapazitätsauslastung der Raffinerien ablesen. Die hohen Lagerbestände dürften die Achilles-Ferse für den Ölpreis bedeuten, das aktuelle Überangebot werde Druck auf den Ölpreis ausüben. Sobald die Nachfrage zunehmend aus den Lagern gedeckt werde, dürfte das Abwärtsmomentum wieder rapide steigen.
Derzeit sei mehr als genügend Öl vorhanden, die Struktur des Angebots spreche langfristig jedoch für deutlich höhere Notierungen. Nachdem die Öl-Notierungen im Vorjahr teilweise weit unter den Grenzkosten der Produktion gelegen hätten und zahlreiche Ölnationen vor tiefgreifende finanzielle Nöte gestellt hätten, seien Investitionen in Exploration um knapp USD 100 Mrd. gestrichen worden. Dies könnte die Basis für einen 4. Ölschock 2012 oder 2013 bedeuten, im heurigen Jahr sehe man jedoch nur noch wenig Aufwärtspotenzial.
Die Analysten würden sich im Hinblick auf Erdgas - und hier insbesondere unkonventionellen Erdgasressourcen - langfristig klar bullish zeigen. Auf Sicht der nächsten drei bis fünf Jahre würden sie Preise im Bereich von mindestens USD 7 bis 10 erwarten, dies sollte attraktive Margen für alternative Erdgasproduzenten gewährleisten. Eine alte Daumenregel besage, dass der Ölpreis dividiert durch 6, den Gaspreis ergeben sollte. Dies beruhe auf der Tatsache, dass man in etwa 6x so viele Einheiten Gas benötige, um die Energie einer Einheit Öl zu erhalten. Dies bedeute, dass entweder Öl zu teuer oder Gas zu billig - oder beides zugleich - sei.
Auch im Hinblick auf Umweltverschmutzung sollte alternatives Erdgas zukünftig eine größere Rolle spielen, nachdem es deutlich sauberer verbrenne als Kohle und Erdöl. Dies dürfte auch in Hinblick auf CO2-Obergrenzen zusätzliche Unterstützung für Shale Gas bedeuten. Einzig der hohe Wasserverbrauch und die neu zu errichtenden Pipelines seien häufig geäußerte Kritikpunkte, im Vergleich zu konventionellen Energiequellen seien die ökologischen Schäden jedoch gering.
Besonders im Vergleich zu unkonventionellem Öl (z.B. Ölsand) sei Shale Gas ökologisch sauber und zudem energieeffizient. Die Analysten würden sich somit zuversichtlich zeigen, dass der Abbau von Schiefergasvorkommen in Europa massiv an Bedeutung gewinnen werde. Insbesondere in Polen und in der Ukraine erwarte man rege Explorations- und Akquisitionstätigkeiten. Insofern würden die Analysten unkonventionelles Gas - und hier insbesondere Shale Gas - als eine der interessantesten Investmentopportunitäten im Energiebereich betrachten.
Dass der Ölpreis trotz der saisonalen Schwächephase sowie des wiedererstarkten US-Dollars nach oben tendiere, würden die Analysten als klares Zeichen der Stärke interpretieren. Auch das Sentiment sei aktuell neutral und weit von jeder Kaufpanik oder Euphorie entfernt. Die CoT-Daten würden dies ebenso belegen. Laut Ratio-Analyse sei Öl im Vergleich zu anderen Assetklassen aktuell in etwa im Rahmen der langfristigen Historie bewertet.
Aus technischen und taktischen Überlegungen rechne man somit mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends - bei geringem Momentum - im 1. Halbjahr in die Region von maximal USD 90 bis 100. Nachdem aktuell ein Überangebot an Öl bestehe, rechne man jedoch nicht mit einem nachhaltigen Überschreiten der "magischen" USD 100/Barrel.
Aufgrund der negativen Divergenzen und der trüben fundamentalen Aussichten würden die Analysten spätestens in der 2. Jahreshälfte eine Trendumkehr erwarten. In deren Zuge sollte der Ölpreis im Bereich von USD 60 oder tiefer notieren. Für das Gesamtjahr 2010 rechne man mit einem durchschnittlichen Ölpreis für WTI in Höhe von USD 72. (Ausgabe März 2010) (10.03.2010/ac/a/m)
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