Wie sicher sind Aktien deutscher Autobauer im Hinblick auf Dieselgate?


12.06.19 16:00
fondscheck.de

Bad Marienberg (www.fondscheck.de) - Die Zukunft der Aktiengesellschaften wird an der Börse gehandelt. An steigenden und fallenden Kursen erkennt man, ob das Unternehmen positive oder negative Erwartungen hat. Viele Experten halten die Kursentwicklungen nach dem Dieselgate-Skandal jedoch für vollkommen übertrieben. Die europäischen Automobilhersteller, vor allem die deutschen Branchenriesen VW, Daimler und BMW, haben in den letzten Jahren gute Umsätze und stabile Gewinne erzielt. Der Skandal rund um die Abgaswerte der Dieselautos brachte die Kurse um über zwanzig Prozent gen Boden.

Vor allem der größte deutsche Automobilhersteller VW steht deshalb seit einigen Jahren im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Wie genau sich die aktuellen Entwicklungen auf die Aktie von Volkswagen auswirken, können Sie unter https://www.aktien.net/vw-aktie/ in Erfahrung bringen.

Die Gewinne der Konzerne


Die drei deutschen Konzerne konnten im letzten Jahr einen Rekordgewinn von insgesamt 30,5 Milliarden Euro für sich verbuchen. Das ist etwa ein Drittel des Gesamtgewinns aller 30 DAX-Konzerne. Der amerikanische Elektroautoproduzent Tesla, unter der Leitung von Elon Musk, erwirtschaftet hingegen nur minimale Gewinne und schreibt aktuell keine schwarzen Zahlen. Die Aktie steigt dennoch unaufhörlich an, obwohl der Gewinn wesentlich geringer ist. Der Kurs von Tesla ist in den letzten fünf Jahren um 150 Prozent gestiegen, damit ist das Unternehmen aktuell mehr wert als der gestandene deutsche Hersteller BMW - obwohl Tesla bisher keine schwarzen Zahlen schreibt.

Messung mit zweierlei Maß


Die europäischen Autohersteller werden sehr stark an dem zu erwartenden Gewinn bemessen. Der Wert des Unternehmens beträgt dann das Siebenfache des zu erwartenden Gewinns, so niedrig war dieses Verhältnis seit Jahren nicht mehr. Es fällt auf, dass der Buchwert der Unternehmen über der Marktkapitalisierung liegt. Das Vermögen des Unternehmens liegt also höher als der Wert aller Aktien zusammengenommen, der wahre Wert des Unternehmens wird also unterschätzt. Anders ist die Lage beim US-Unternehmen Tesla, dort ist der Wert aller Aktien elfmal höher als die tatsächlich vorhandenen Kapitalwerte. Ein Verhältnis aus Aktienkurs und Gewinn lässt sich hier nicht herstellen, weil Tesla keinen Gewinn abwirft.

Die Zukunft ist entscheidend


Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die deutschen Automobilaktien eher günstig sind, die vom Konkurrenten Tesla jedoch übertrieben teuer sind. Die vergangene Entwicklung und der aktuelle Wert der Kapitalanlagen ist für diesen Vergleich jedoch eher zweitrangig. Letztendlich geht es vielmehr darum, wie sich ein Unternehmen in der Zukunft entwickeln wird. In der Automobilbranche wird natürlich vor allem betrachtet, wie lange der Verbrennungsmotor noch den Markt dominiert. Elektroantriebe und autonomes Fahren sind nur zwei Punkte, die in Zukunft den Markt für Autos bestimmen werden. Die Unternehmen müssen hier zweistellige Milliardenbeträge investieren, damit sie weiterhin konkurrenzfähig blieben können. Derzeit ist allerdings noch unklar, wann diese Technologien den Durchbruch auf dem internationalen Markt schaffen werden, deshalb ist die Zukunft der Automobilbauer weiter unvorhersehbar. Der Vertrieb der herkömmlich motorisierten Wagen gilt derzeit als goldenes Kalb der Autohersteller und dieses fehlt den Amerikanern.

Die weltweite Situation


Grundsätzlich sind alle Autohersteller von diesem Wandel betroffen. Sowohl die großen US-Konzerne General Motors und Ford als auch Toyota. Die Aktien dieser Konzerne sind gleichzeitig Gefallen, die deutschen Fabrikanten stehen allerdings unter einem besonderen Druck. Die Schwierigkeiten bei den Abgasprüfungen, der Dieselskandal und die möglichen Fahrverbote für Diesel belasten die deutschen Konzerne zusätzlich. Außerdem exportieren die deutschen Automobilhersteller sehr viele Fahrzeuge ins Ausland und sind von Einfuhrzöllen und Handelsstreitigkeiten demnach besonders betroffen. Insbesondere Daimler und BMW leiden unter dem jüngsten Handelsstreit zwischen China und den Vereinigten Staaten, weil sie mehrere hunderttausend Autos pro Jahr von Amerika nach China verschiffen. Der Brexit stellt für BMW ein enormes Risiko dar, denn durch die Tochterfirmen Rolls Royce und Mini liegen Teile der Produktionskette in Großbritannien. Möglicherweise führt die amerikanische Regierung unter Präsident Donald Trump Strafzölle für Produkte aus Deutschland ein, vom Tisch ist die Debatte jedenfalls noch nicht. (12.06.2019/fc/n/s)