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Was der Brexit für Fondsanleger bedeutet - Fondsnews


27.02.19 10:00
BVI

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der Countdown zum Brexit läuft, berichten die Experten vom BVI.

Nachdem die Mehrheit der Briten für den Austritt aus der EU gestimmt habe, würden die EU und UK Trennungsgespräche führen. Ob und auf welche Art und Weise Großbritannien im März 2019 die EU verlassen werde, sei offen. Seit dem Referendum würden sich Anleger von britischen Fonds fragen, ob sich mit einem Brexit rechtlich etwas für sie ändere. Für deutsche Anleger, die in Fonds investiert seien, die in Großbritannien aufgelegt worden seien, würden sich keine Änderungen abzeichnen. Darauf weise die Aktion "Finanzwissen für alle" der im BVI organisierten Fondsgesellschaften hin.

Was bedeute der Brexit für Neuanleger? Bei Neuanlagen in britische Fonds - auch im Rahmen laufender Sparpläne - seien je nach Ausgang der Verhandlungen künftig Änderungen möglich. Diese würden konkret vom rechtlichen Status abhängen, den Großbritannien aushandeln werde. Bei einer Mitgliedschaft im europäischen Wirtschaftsraum bliebe alles beim Alten. Als "Drittstaat" wie die USA und die Schweiz müssten UK-Fonds ein aufwändiges Anzeigeverfahren bei der nationalen Aufsichtsbehörde BaFin durchlaufen. Im Falle einer Einigung auf diesen Status würden sich Äderungen aber voraussichtlich erst nach dem Jahr 2020 ergeben.

Könnten sich EU und Großbritannien nicht einigen, hätten danach britische Fonds ebenfalls den gleichen Status wie Fonds aus anderen Drittstaaten, beispielsweise den USA - dies aber unmittelbar mit dem Brexit. Die Zulassung obliege dann in beiden Fällen den jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörden. Der Prozess sei aufwändiger und komplexer als derzeit im europäischen Binnenmarkt, aber nicht unmöglich.

Eine Einschränkung des Vertriebs britischer Fonds sollte die Auswahlmöglichkeiten für deutsche Anleger kaum beeinträchtigen, denn in Großbritannien domizilierte Fonds würden in Deutschland derzeit nur eine geringe Rolle spielen. Lediglich 209 der rund 10.622 EU-(Teil-)Fonds, die in Deutschland zum öffentlichen Vertrieb zugelassen seien, würden aus Großbritannien stammen. Zudem könnten britische Anbieter auch Niederlassungen in der EU nutzen oder gründen und dann deren Produkte mit einem "EU-Pass" verkaufen. Nach dem Brexit würden sich auch steuerlich weder für Alt- noch für Neuanleger Änderungen ergeben.

Auch für britische Anleger, die bereits in Fonds investiert seien, die in einem europäischen Land (außer UK) aufgelegt worden seien, würden sich nach dem Austrittsvotum keine Änderungen abzeichnen. Im Fondsvertrieb von EU-Fonds in Großbritannien seien im Falle von Neuanlagen für britische Anleger abhängig von dem rechtlichen Status, den Großbritannien aushandeln werde, Änderungen möglich. Bei einer Mitgliedschaft Großbritannien im europäischen Wirtschaftsraum bliebe beispielsweise alles beim Alten. Würde UK allerdings ein "Drittstaat" wie die USA und die Schweiz, gäbe es für das Land zunächst einmal keine Verpflichtung, den Vertrieb von EU-Fonds zuzulassen. Vorstellbar wären Abkommen zwischen England und EU-Staaten, die den gegenseitigen Marktzutritt für Fondsprodukte individuell regeln würden.

Könnten sich EU und Großbritannien nicht einigen, müsste künftig die britische Aufsichtsbehörde über die Vertriebszulassung von EU-Fonds entscheiden. Mit dem "Temporary Permissions Regime" bereite das Vereinigte Königreich bereits den Weg dafür. Um eine Einigung zu erreichen, könnten EU und Briten allerdings die Verhandlungsfrist aber immer noch verlängern. (27.02.2019/fc/n/s)