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Union Investment: Insiderskandal - Prozess gegen Ex-Manager startet - Fondsnews


23.09.21 15:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Im vergangenen Jahr wurde eine Reihe von Skandalen in der Finanzbranche bekannt, so die Experten von "FONDS professionell".

Dazu zähle der aufgeflogene Insiderhandel eines Ex-Portfoliomanagers von Union Investment. Nun habe der Prozess gegen ihn und einen mutmaßlichen Komplizen begonnen.

In der Insider-Affäre um einen ehemaligen Fondsmanager von Union Investment habe am Mittwoch (22.09.) vor dem Landgericht Frankfurt am Main der Prozess begonnen. Das berichte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die Staatsanwaltschaft werfe dem Portfoliomanager sowie einem ehemaligen Angestellten einer Investmentbank Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz vor. Die beiden Männer sollten in insgesamt 55 Fällen über Insidergeschäfte rechtswidrig Gewinne in Höhe von mehr als elf Millionen Euro erzielt haben.

Der Manager, der bei Union Investment einen großen, milliardenschweren Publikumsfonds verantwortet habe, habe die Transaktionen auf Basis von bei der Arbeit erworbenen Informationen zugegeben: Er habe sich "komplett überschätzt" und unter einer extrem hohen Stressbelastung gestanden, habe er laut der Zeitung erklärt. Auch der Mitangeklagte habe die in der umfangreichen Anklage vorgeworfenen Insidergeschäfte eingeräumt. Er habe drei Monate in Untersuchungshaft gesessen und schon ein Geständnis abgelegt. Beide Männer dürfte im Fall eines Urteils eine längere Haftstrafe erwarten.

Die Masche, mit dem Wissen von künftigen Kursbewegungen an der Börse zu profitieren, werde der FAZ zufolge als "Frontrunning" bezeichnet. Die Grundform des Insiderhandels sei in der Marktmissbrauchsverordnung definiert: Der Täter mache sich für seine Eigenaufträge Informationen zunutze, die er aus schon erteilten Kundenaufträgen erlangt habe, schreibe die Zeitung. Fondsmanager dürften zwar privaten Wertpapierhandel betreiben, müssten sich diesen aber vorab von der Compliance-Abteilung genehmigen lassen.

Der Skandal sei Ende August 2020 bekannt geworden, nachdem die Finanzaufsicht Bafin Anzeige bei den Frankfurter Ermittlungsbehörden erstattet habe. Die Geschäfte seien so auffällig gewesen, dass mehrere Institute die Transaktionen bei der Behörde Bafin angezeigt hätten. Nachdem sie die Staatsanwaltschaft informiert habe, hätten die Ermittler dann Büroräume in der Union-Investment-Zentrale und private Räumlichkeiten des Beschuldigten durchsucht. Zwischenzeitlich habe er auch in Untersuchungshaft gesessen. Union Investment habe den betreffenden Mitarbeiter daraufhin freigestellt. (23.09.2021/fc/n/s)