Strategiefonds: Kaum Performance in 2016


13.03.17 10:30
Asset Standard

Arnsberg (www.fondscheck.de) - Nur einige wenige Strategiefonds konnten 2016 gute Renditen erzielen, vor allem im Bereich der Assetklasse Rohstoffe, so die Experten von Asset Standard

Als Gegenleistung dafür hätten sie aber starke Schwankungen in Kauf nehmen müssen. Das sei Kernergebnis einer Auswertung des Arnsberger Analyse- und Advisoryhauses MMD GmbH, das dafür insgesamt 304 alternative Strategiefonds (kurz Strategiefonds) ausgewertet habe. Diese würden sich durch den Einsatz derivativer Instrumente und einer von allgemeinen Marktindices möglichst unabhängig gemanagten Strategie auszeichnen. Insgesamt zehn solcher Strategien unterscheide MMD.

Über das gesamte Jahr 2016 hätten die Analysten von MMD eine große Spannbreite der Renditen und Volatilitäten verzeichnet, sowohl im Gesamtuniversum als auch innerhalb der einzelnen Kategorien. So habe der beste alternative Strategiefonds mit einer Jahresperformance von +35,08% abgeschnitten, der schwächste habe -16,86% erreicht. Die Volatilitäten hätten von 0,39% bis hin zu 33,59% gereicht. Diese Entwicklungen seien zwar nicht ungewöhnlich für Strategiefonds, doch 2016 seien mehr Fonds im negativen Bereich angesiedelt gewesen als noch in den Vorjahren.

Besonders signifikant sei die relative Anzahl der Strategiefonds im Performancebereich zwischen -2% und -10% gestiegen. In diesem Bereich hätten sich ca. 31% der Fonds und damit fast 14 Prozentpunkte mehr als 2015 befunden (2015: 17%; 2014: 13%; 2013: 12%; 2012: 9%). Es liege nahe, dass die unvorhersehbaren politischen Entscheidungen im Jahr 2016 und die daraus resultierenden Unsicherheiten auf den Finanzmärkten dem jeweiligen Fondsmanagement die aktive Steuerung erschwert und daher vermutlich vermehrt zu Fehleinschätzungen geführt hätten, was die deutliche Verschiebung der Renditen größtenteils erklären würde. Dabei müsse zudem der kontinuierliche Anstieg in dem abgesteckten Bereich über die vorherigen Jahre mit in die Analyse einfließen.

Die (wirtschafts-)politischen Ereignisse, die zum großen Teil für die starken Schwankungen auf den Finanzmärkten verantwortlich gewesen seien, hätten sich aber nur teilweise in den Verläufen der Strategiefonds wieder erkennen lassen. Infolge der Anpassungen an den chinesischen Märkten sei zu Beginn des Jahres fast jeder Strategiefonds und insbesondere die Strategie 130/30 mit Verlusten gestartet (-9,69%). Ausnahmen hätten die Marktneutrale (+0,17%) und die Managed-Futures-Strategie (+0,52%) gebildet. Im Juni, nach der Brexit-Entscheidung, habe man weltweit fallende Kurse beobachtet.

Diese hätten sich auch bei knapp zwei Drittel der Strategien verfolgen lassen, ausgenommen gewesen seien davon wiederum die Managed-Futures- (+1,22%) und die Marktneutrale Strategie (+0,15%), sowie die Alternative-Beta-Strategie (+0,71%). Auch diesmal habe die 130/30-Strategie mit -4,25% am schlechtesten abgeschnitten. Die negativen Auswirkungen der US-Präsidentschaftswahl auf die verschiedenen Strategien seien deutlich schwächer als beim Brexit-Votum gewesen. So hätten alle Strategien - bis auf die Marktneutralen (-0,16%), die Managed-Futures (-0,57%), die Event-Driven (-0,81%) und die Multi-Strategie (-0,91%) - positive Renditen nach der Wahl von Donald Trump erzielt. Am besten habe dabei die 130/30-Strategie mit +2,95% Performance abgeschnitten.

Die Managed-Futures und die Marktneutralen Strategien seien damit zu jedem beobachteten Ereignis antizyklisch verlaufen. Bei der genaueren Betrachtung der einzelnen Fonds dieser Strategien sei aufgefallen, dass jeweils immer die Mehrheit der Fonds den gleichen Trend wie die Strategiekategorie aufgewiesen habe, unabhängig von der zugrunde liegenden Assetklasse. Dies lasse eine strategiesystematische Abweichung vermuten und bedürfe einer tiefer gehenden Analyse über die allgemeine Jahresanalyse hinaus. Zudem sei die 130/30-Strategie deutlich durch die jeweils stärksten Ausschläge bei den beschriebenen Ereignissen aufgefallen. Dies sei möglicherweise dadurch bedingt, dass sowohl die Long- als auch die Short-Positionen negative Beiträge zu den entsprechenden Renditen geleistet hätten.

Auf Jahressicht habe die 130/30-Strategie bei Betrachtung der Performance jedoch am besten abschneiden können und dabei +4,14% erzielt. Diese Leistung habe auch weit über der Rendite der Options-Strategie gelegen, die mit +1,32% die zweitbeste Leistung erbracht habe. Die drittbeste Performance sei von der Marktneutralen Strategie (+0,04%) erwirtschaftet worden. Die restlichen Strategien hätten alle im negativen Bereich gelegen. Dabei habe sich die Event-Driven-Strategie mit -4,10% am unteren Rand befunden. Unter Berücksichtigung des Risikos hätten sich die Top 3 nur dadurch geändert, dass die Options- und die 130/30-Strategie ihre Plätze getauscht hätten.

Bei der Analyse der Einzeltitel der verschiedenen Strategien hätten sich insbesondere die in der Assetklasse Rohstoffe investierten Strategiefonds herauskristallisiert. Diese hätten mit dem Investec GSF Enhanced Natural Resources (+35,08%), dem Parvest World Commodities (ISIN LU0823450514 / WKN A1T82X) (+19,64%) und dem Vontobel Belvista Commodity (+19,41%) die Plätze eins, vier und fünf der nach Performance am besten abschneidenden Fonds des Strategiefondsuniversums belegt. Auch unter der Berücksichtigung der verschiedenen Währungen hätten sich diese Platzierungen ergeben.

Die genannten Fonds seien mit Verlusten ins neue Jahr gestartet und sich zu Jahresbeginn zunächst etwas schwächer entwickelt. Dabei sei der Investec GSF Enhanced Natural Resources mit -4,85% am stärksten im negativen Bereich gewesen. Im anschließenden Jahresverlauf seien die Fonds aber deutlich angestiegen und hätten ihre anfänglichen Verluste ins Positive umkehren können. Grund dafür seien vor allem die positiven Entwicklungen der Rohstoffmärkte gewesen, da die Fonds jeweils voneinander abweichende Strategien umgesetzt hätten. Der Investec GSF Enhanced Natural Resources habe die Long/Short-Strategie, der Parvest World Commodities die Alternative-Beta-Strategie und der Vontobel Belvista Commodity die Long/Short-Strategie verwendet.

Da die Rohstoffmärkte 2016 sehr volatil gewesen seien, hätten die oben genannten Fonds ihre starken Performanceleistungen unter enormen Schwankungen erzielt. Über das Gesamtjahr gesehen hätten der GSF Enhanced Natural Resources eine Volatilität in Höhe von 17,57% aufgewiesen, der Parvest World Commodities von 13,11% und der Vontobel Belvista Commodity von 11,93%. Daraus resultierend habe sich unter Berücksichtigung der Sharpe Ratio, also der Überrendite einer Geldanlage pro Risikoeinheit, die Spitzenplatzierung der genannten Fonds nicht mehr aufrechterhalten lassen. Mit einer Sharpe Ratio von 2,04 (Investec GSF Enhanced Natural Resources), 1,69 (Vontobel Belvista Commodity) und 1,55 (Parvest World Commodities) hätten diese zwar weiterhin Plätze innerhalb der Top 10 belegt, sich dort aber im Mittelfeld befunden.

Die Gewinner, gemessen an der Sharpe Ratio, seien der OAKS Emerg Frontier Opportunities (+3,82) gewesen, gefolgt von dem XAIA Credit Debt Capital (+3,69) und dem Montlake Pegasus UCITS Fund - Euro R (ISIN IE00B3N9LL24 / WKN A1JWNW) (+2,86). Die jeweils angewandten Strategien seien die Aktien Long/Short Strategie, Anleihen Multi-Strategien sowie die Aktien Long/Short Strategie gewesen.

Ein Beispiel für die starke Diskrepanz innerhalb einer Strategie sei die Options-Strategie: Deren Renditen hätten 2016 im Bereich von -16,86% bis 14,39% bei einer Volatilität von 0,53% bis 33,59% gelegen. "Diese Extreme sind ein Hinweis darauf, dass eine Auswahl nach Strategien nicht zielführend ist und eine fundierte Analyse und ein gutes Marktverständnis, auch im Hinblick auf die Assetklassen, unerlässlich für erfolgreiches Investieren in Strategiefonds sind", so Simon Köffer, Analyst bei MMD. Schließlich kämen deutliche Abweichungen und Spannbreiten von Renditen und Volatilitäten auch innerhalb der einzelnen Strategiekategorien vor. (News vom 10.03.2017) (13.03.2017/fc/n/s)





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