So viel Geld verwaltet Candriam in Deutschland - Fondsnews


10.04.19 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der paneuropäische Asset Manager Candriam verwaltet rund 1,7 Milliarden Euro von Kunden aus Deutschland und Österreich, so die Experten von "FONDS professionell".

Entsprechende Zahlen habe das Unternehmen, das 1996 als Dexia Asset Management gegründet worden sei und seit 2014 zu New York Life Investments (NYLIM) gehöre, nun erstmals offen gelegt. Weltweit verwalte das Unternehmen rund 115 Milliarden Euro. Seit der Übernahme durch NYLIM vor fünf Jahren sei diese Zahl um 70 Prozent auf 48 Milliarden Euro gestiegen, was Candriam zu einem der am schnellsten wachsenden Asset Manager Europas mache.

In Deutschland habe das fünfköpfige Team um Achim Gilbert, der die Frankfurter Niederlassung seit ihrer Gründung 2006 leite, zum Ende des vergangenen Jahres 1,1 Milliarden Euro verwaltet. Die Nettomittelzuflüsse hätten sich 2018 auf 55 Millionen Euro belaufen, was kein besonders hoher, im Branchenvergleich aber durchaus solider Wert sei - Zahlen des Branchenverbands BVI zufolge habe im vergangenen Jahr rund jeder zweite Anbieter in Deutschland Mittelabflüsse hinnehmen müssen. In Österreich betreue Candriam mittlerweile 582 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 93 Prozent bedeute. FONDS professionell ONLINE habe Gilbert in seinem Frankfurter Büro zum Interview besucht.

Herr Gilbert, Candriam hat erstmals Zahlen für den deutschen und österreichischen Markt veröffentlicht. Was hat Sie zu dieser für Anbieter nicht selbstverständlichen Transparenz bewogen?

Achim Gilbert: Candriam sieht Deutschland und Österreich als einen Kernmarkt an und traut ihm in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum zu. Die offene Kommunikation über das betreute Vermögen und den Nettoabsatz soll die Bedeutung dieses Marktes für unser Haus unterstreichen.

Das insgesamt bei deutschen Investoren eingeworbene Vermögen beläuft sich auf 1,1 Milliarden Euro. Wie verteilt sich dieser Betrag auf die einzelnen Vertriebskanäle?

Gilbert: Rund ein Drittel stammt von institutionellen Investoren, den Rest ordnen wir dem Bereich "Distribution" zu. Darunter fallen Dachfonds, Banken, Vermögensverwalter, Family Offices und der freie Vertrieb. Übrigens arbeiten wir auch im institutionellen Geschäft größtenteils mit Publikumsfonds. Wir bieten diesen Kunden eine Vielzahl von Anteilsklassen an, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Unserer Meinung nach profitieren auch die Privatanleger davon, wenn professionelle Investoren mit im Fonds sind, denn das größere Volumen erlaubt günstigere Gebühren für alle.

Welche Fonds waren im vergangenen Jahr bei deutschen Kunden gefragt?

Gilbert: Eine besonders hohe Nachfrage gab es nach Schwellenländeranleihen. Wir hatten dieses Thema das ganze Jahr über nach vorne gestellt, doch erst im vierten Quartal sprangen die Investoren darauf an - dann aber umso stärker. Der Grund: Bis in den Herbst hinein hatten Anleger die Sorge, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen weiter erhöht, was Anleihen aus Schwellenländern erfahrungsgemäß nicht gut bekommt. Als die Fed dann die Segel strich, wich diese Angst aus dem Markt. In unserem Fonds Candriam Bonds Emerging Markets liegt die Rendite der Anleihen im Schnitt bei sieben Prozent. Das stellt aus Sicht vieler Kunden eine angemessene Entlohnung des Risikos dar, vor allem angesichts der Tatsache, dass zahlreiche Schwellenländer fundamental deutlich besser aufgestellt sind als die Industriestaaten. Auch unsere Schwellenländeraktienfonds kamen im vergangenen Jahr gut an. Die Zuflüsse aus Deutschland und Österreich in die Fonds Candriam Bonds Emerging Markets und Candriam Equities L Emerging Markets lagen 2018 in Summe bei fast 300 Millionen Euro.

Spielen die Schwellenländerfonds denn auch im Geschäft mit Privatanlegern eine Rolle?

Gilbert: Diese Strategien sind sicherlich eher im Wholesale- als im Retail-Vertrieb gefragt. Im Private Banking beispielsweise kamen einige unserer Themenfonds zuletzt sehr gut an. Unser Flaggschiff in diesem Segment ist der Candriam Equities L Biotechnology, der mittlerweile zwei Milliarden US-Dollar verwaltet. Interessant an diesem Fonds ist, dass das Team um Portfoliomanager Rudi Van Den Eynde auch bei der Analyse der Nebenwerte sehr tief einsteigt. Meine Kollegen bewerten diese Titel nicht nach rein finanziellen Kriterien, sondern gehen mit viel medizinischem Knowhow der Frage nach, wie vielversprechend eine Medikamentenentwicklung ist. Im Erfolgsfall werden diese kleinen Unternehmen oft von großen Mitbewerbern übernommen, meist mit einem beträchtlichen Aufschlag auf den Aktienkurs. Das kam in Rudis Portfolio in den vergangenen Jahren fünf bis sieben Mal pro Jahr vor. Der Fonds hat richtige Fans - auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim Ende Januar haben 125 Berater Rudis Vortrag besucht - deutlich mehr, als wir erwartet hatten.

Welche weiteren Themenfonds kommen aktuell an?

Gilbert: Da ist der Candriam Equities L Robotics & Innovative Technology zu nennen. Anders als manche Wettbewerbsprodukte, die auf das Thema Robotics setzen, schaut sich unser Team auch in Bereichen wie dem Internet of Things, der Automatisierung und der Industrie 4.0 um. In Summe konnten dieser und der Biotech-Fonds in Deutschland und Österreich 2018 über 125 Millionen Euro einsammeln. Kürzlich haben wir unsere Palette an Themenfonds um eine ganz neue Anlagestrategie erweitert: Der Candriam Equities L Oncology Impact setzt auf Unternehmen, die sich der Krebsbekämpfung verschrieben haben. Das sind zum einen Biotech-Firmen, aber auch Diagnostik- und Medizintechnik-Unternehmen.

Wie fallen die Reaktionen auf diesen Fonds aus?

Gilbert: Durchaus gespalten. Manche Investoren möchten mit diesem Thema nichts zu tun haben, andere dagegen sind begeistert von der Idee, den Kampf gegen den Krebs zu unterstützen. Wir wollen den Fortschritt in diesem Bereich investierbar machen. Rudi Van Den Eynde, der auch diesen Fonds managt, meint zwar nicht, dass jede Krebserkrankung wirklich heilbar sein wird. Aber er ist überzeugt davon, dass es gelingen kann, Betroffenen eine längere Lebenserwartung bei deutlich besserer Lebensqualität zu ermöglichen - so wie das heute schon bei Aids möglich ist. Zehn Prozent unserer Managementgebühren aus diesem Fonds spenden wir übrigens für die Grundlagenforschung in diesem Bereich.

Haben Sie eine Erklärung, warum Themenfonds aktuell wieder so hoch im Kurs stehen? Ist das ein typisch spätzyklisches Phänomen, nach dem Motto: Die breite Rally am Aktienmarkt ist vorbei, jetzt muss ich in der Nische nach Chancen suchen?

Gilbert: Das kann ein Teil der Erklärung sein. Auf der anderen Seite sind solche Fonds für das Private Banking ein dankbares Thema, weil der Berater seine Kunden damit in ihrer Lebensrealität abholen kann. Außerdem beobachte ich bei Dachfondsmanagern und anderen Allokatoren die Tendenz, dass sie ihr Kernportfolio gerne mit kostengünstigen, passiven Investments abdecken, daneben aber bewusst aktive Manager für säkulare, wachstumsstarke Trends suchen. Das gilt übrigens auch für einige institutionelle Investoren, die früher sicherlich nicht zu den typischen Kunden für Themenfonds gehört hätten.

Beachtlich ist Ihr Wachstum auf dem österreichischen Markt. Dort konnten Sie Ihr verwaltetes Vermögen 2018 auf gut 580 Millionen Euro nahezu verdoppeln. Lag das an einzelnen, großen Mandaten?

Gilbert: Nein, wir hatten erfreuliche Zuflüsse von verschiedenen Kundengruppen. Auch in Österreich floss viel Geld in Schwellenländeranleihen. Gefragt waren zudem Geldmarktfonds und Portfolios mit Anleihen kurzer Restlaufzeit.

Das Geld aus diesen Fonds kann aber genauso schnell wieder abfließen, wie es zugeflossen ist, oder?

Gilbert: Es stimmt, dass das Mittelaufkommen in diesem Segment recht volatil sein kann. Candriam ist insbesondere in Frankreich und Belgien ein großer Anbieter von Geldmarkt- und geldmarktnahen Produkten. Unsere Fonds sind sehr groß, so dass sie solche Schwankungen gut auffangen können.

Das in Österreich eingeworbene Volumen ist vergleichsweise hoch - vor allem angesichts der Tatsache, dass Sie den Markt von Frankfurt aus mitbetreuen. Woran liegt das?

Gilbert: Wir haben zwar kein eigenes Büro in Wien, aber mein Kollege Markus Fila, selbst Österreicher, ist regelmäßig vor Ort. Er betreut den österreichischen Markt seit mittlerweile rund sechs Jahren für uns - offensichtlich mit großem Erfolg.

Stichwort Nachhaltigkeit: Candriam hat schon entsprechende Fonds aufgelegt, als Öko- und Ethikinvestments noch ein Nischenthema waren. Kommt Ihnen das heute zugute?

Gilbert: Auf jeden Fall. Das Thema hat in den vergangenen Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen, befeuert durch die öffentliche Diskussion um den Kohleausstieg, den Klimawandel und durch regulatorische Initiativen. Ich denke, wir konnten uns glaubhaft als Vorreiter in diesem Segment positionieren. ESG-Kriterien spielen für uns in allen Fonds eine Rolle, nicht nur in denen, die wir explizit als nachhaltig vermarkten. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise beschlossen, die kontroversen Themen Kraftwerkskohle und Tabak in allen Fonds auszuschließen. Für Streubomben und ähnliche Waffen gilt schon länger ein Verbot. Ich beobachte den Markt für nachhaltige Geldanlage bereits seit vielen Jahren. Mittlerweile fällt mir auf, dass immer Dachfondsmanager und andere Selektoren in Sachen ESG nicht mehr nur auf den Fondsnamen achten, sondern sich die Mühe machen, tief in den Investmentprozess eines Fonds einzusteigen, um zu analysieren, wie ein Anbieter das Thema Nachhaltigkeit integriert. Das hat eine ganz andere Qualität als früher.

Candriam verbannt zwar Kohlekraft aus den Portfolios, setzt aber weiterhin auf Kernenergie. Stößt das bei nachhaltig orientierten Investoren nicht auf Widerstand?

Gilbert: Wir sind ein paneuropäischer Fondsanbieter und müssen daher verschiedenen Interessen gerecht werden. Zwar hat sich Deutschland bereits für den Atomausstieg entschieden, aber auch in Frankreich oder Belgien spielt das Thema immer wieder eine Rolle. Candriam ist nicht pro Kernenergie, betrachtet die Kernkraft aber als notwendige Brückentechnologie hin zu einer Komplettversorgung mit erneuerbaren Energien. Wir befürworten daher einen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie. Aber wenn man diesen zu abrupt realisiert, riskiert man kurzfristig eine Explosion der CO2-Emissionen. Deutschland reißt seine Emissionsziele aktuell deutlich, was auch am Atomausstieg liegt.

Vielen Dank für das Gespräch. (10.04.2019/fc/n/s)





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