Sind Promi-Fonds wirklich so schlecht? Fondsnews


06.09.16 12:59
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - "FONDS professionell"-Chefredakteur, Bernd Mikosch, spricht über die Schelte an Fonds von Dirk Müller, Max Otte und Co.

Ex-Börsenmoderator Stefan Riße habe es ganz offen eingeräumt: "Rückblickend hatte ich unterschätzt, wie es ist, derart im Rampenlicht zu stehen", habe er im Mai gegenüber "FONDS professionell ONLINE" gesagt, kurz nachdem sein Riße Inflation Opportunities UI sang- und klanglos abgewickelt worden sei. Die Einsicht sei spät gekommen und könne die miserable Performance seines Fonds nicht entschuldigen - aber sie sei gekommen. Immerhin.

Vielleicht werde es "Börsen-Professor" Max Otte und "Mister Dax" Dirk Müller eines Tages ähnlich ergehen, und es gebe wahrscheinlich nicht wenige in der Branche, die sich genau das wünschen würden. Vielleicht täusche der Eindruck, aber derzeit scheine die Häme über die bestenfalls durchwachsene Performance ihrer Portfolios besonders groß zu sein, wie die Zahl entsprechender Artikel in Fach- und Publikumsmedien zeige. Das sei verständlich, aber nicht unbedingt fair.

Es stimme schon: Otte und Müller würden ihre Prominenz nutzen und möchten damit Geld verdienen. Der Weg, den sie gewählt hätten, sei allerdings nicht wirklich leicht. Beide könnten mutmaßlich gut davon leben, Vorträge zu halten und Bücher zu schreiben. Dass sie sich dazu entschieden hätten, ihren Namen zusätzlich mit der absolut transparenten Wertentwicklung eines Publikumsfonds zu verknüpfen, verdiene daher erst einmal Respekt. Denn es gebe wenige "Börsen-Gurus", die ihre Fähigkeiten als Investor so genau messen lassen würden.

Falsch sei es zudem, so zu tun, als wären die Promi-Fonds ein wirklich großes Thema. Der Dirk Müller Premium Aktien Fonds (ISIN FR0010588210 / WKN A1C4T1) verwalte gut 77 Millionen Euro. Der PI Global Value Fund und der Max Otte Vermögensbildungsfonds (ISIN FR0010588210 / WKN A1C4T1), die beide die Strategie des "Börsen-Professors" umsetzen würden, kämen in Summe auf rund 152 Millionen Euro. Das seien Krümel im Vergleich zu den Milliarden, die in populäre Mischfonds und die hauseigenen Produkte der Filialbanken fließen würden.

Ein weiterer Denkfehler: Viele Beobachter würden unterstellen, Müller und Otte würden Geld einwerben, weil Privatanleger ihnen überragende Fähigkeiten zutrauen würden. Das sei mutmaßlich gar nicht der Fall. Wahrscheinlicher sei, dass ihre Investoren jemanden suchen würden, der glaubhaft versichere, sich wirklich um ihr Geld zu kümmern. Wer einen guten Finanzberater habe, der genau diese Funktion ausübe, brauche keinen Promi-Fonds. Diese Produkte würden sich eher an Leute richten, die sich keinem Anlageberater anvertrauen möchten, es aber auch nicht wagen würden, in Eigenregie ein ETF-Portfolio zusammenzustellen.

Müller und Otte lasse sich sogar was Gutes abgewinnen: Sie täten einiges dafür, den Deutschen und Österreichern die Aktienanlage näherzubringen. Ob ihre Fonds dafür erste Wahl seien, sei dahingestellt. (06.09.2016/fc/n/s)





hier klicken zur Chartansicht

Werte im Artikel
-    plus
0,00%
244,01 minus
-0,32%