Erweiterte Funktionen

Neue nachhaltige Fonds-Vermögensverwaltung für freie Berater - Fondsnews


22.10.18 14:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der Kölner Finanzdienstleister RP Rheinische Portfolio Management hat sein Angebot fondsbasierter Vermögensverwaltungen (Fonds-VV) ausgebaut, so die Experten von "FONDS professionell".

Die "RP Strategie Nachhaltigkeit Flexibel" investiere in zehn Fonds, deren Manager bei der Titelauswahl auf Umwelt- ("Environment") und soziale ("Social") Aspekte sowie eine gute Unternehmensführung ("Governance") achten würden - im Branchenjargon ESG abgekürzt. Offizieller Vermögensverwalter der Strategie sei die Augsburger Aktienbank, die auch die Depots führe. RP fungiere als Anlageberater.

Das Anlageuniversum bestehe aktuell aus 50 vermögensverwaltenden Mischfonds und 200 Aktienportfolios. RP bewerte die Sondervermögen nach acht verschiedenen relativen und absoluten Kennzahlen zu Wertentwicklung und Risiko. Die zehn besten Fonds würden gleichgewichtet im Portfolio landen, das quartalsweise überprüft und bei Bedarf angepasst werde. Je nach Marktumfeld würden die Depots automatisch offensiver (mehr Aktienfonds) oder defensiver (höherer Anteil von Mischfonds) ausgerichtet.

Das RP-Scoring-Modell komme bereits in verschiedenen VV-Angeboten des Kölner Vermögensverwalters zum Einsatz. Auch das von RP erstellte VV-Fonds-Ranking, das quartalsweise auf FONDS professionell ONLINE veröffentlicht werde, basiere auf diesem Ansatz.

"Der Vertrieb von nachhaltigen Geldanlageprodukten war früher sehr mühsam", berichte RP-Geschäftsführer Christian Roch, der bei seinem früheren Arbeitgeber Gerling bereits im Jahr 2001 erste nachhaltig orientierte Investmentstrategien begleitet habe, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Das Konzept der Nachhaltigkeit leuchtete zwar jedem ein, die Produkte verkauften sich aber dennoch kaum." Doch das habe sich in letzter Zeit geändert. "Seit zwei oder drei Jahren beobachten wir einen echten Trend zur Nachhaltigkeit. Die Nachfrage nimmt über verschiedene Kundengruppen hinweg rasant zu. Diesem Interesse möchten wir mit unserem neuen Angebot Rechnung tragen."

Die Fonds-VV solle es freien Beratern erlauben, ihren Kunden eine nachhaltige Geldanlage anzubieten, die diesen Namen auch verdient habe. "Allein in Europa gibt es rund 1600 Fonds, die als nachhaltig vermarktet werden. Viele davon tragen dieses Label aber nur im Namen, ohne das Thema wirklich ernst zu nehmen", sage RP-Portfoliomanager Mirko Hajek.

Die eigentliche Herausforderung bei der Entwicklung der neuen Fonds-VV habe Hajek zufolge darin gelegen, das Anlageuniversum zu definieren. "Es reicht unserer Meinung nach nicht, einfach auf alle Fonds zurückzugreifen, die in den üblichen Datenbanken mit einem ESG-Häkchen versehen sind", sage Hajek.

Auch die Nachhaltigkeitsratings verschiedener Analysehäuser würden nur bedingt weiterhelfen. "Je nach bewerteten Kriterien weichen die Ratings stark voneinander ab", habe Hajek beobachtet. Mitunter könne es auch passieren, dass ein Fonds in solchen Rankings weit oben lande, obwohl er gar keinen expliziten Nachhaltigkeitsansatz verfolge - weil er zufällig in Unternehmen investiere, die nach Ansicht des jeweiligen Analysehauses vorbildlich wirtschaften würden.

Also hätten sich Roch, Hajek und ihre Kollegen an eine eigene Definition gemacht: Sie würden einen Fonds als nachhaltig einstufen, wenn der Manager zum einen ESG-Kriterien in den Investmentprozess integriere und zum anderen den Bereich "Engagement" ernst nehme, also die Führungskräfte auf der Hauptversammlung oder in persönlichen Gesprächen zu einer nachhaltigeren Unternehmenspolitik dränge. "Wir möchten mit unseren Investments einen positiven Effekt erreichen und Veränderungen beziehungsweise Anstrengungen in den Unternehmen bewirken, etwa mit Blick auf den Klimaschutz", sage Roch.

Viele mit einem ESG-Stempel versehene Fonds würden nur einige wenige Ausschlusskriterien definieren, also beispielsweise nicht in Waffenhersteller investieren. "Das reicht uns nicht, um einen Fonds in unser Universum aufzunehmen", sage Hajek. Auf der anderen Seite sei es wenig zielführend, nur auf die "dunkelgrünen" Überzeugungstäter zu schwören, die ausschließlich auf Vorzeigeunternehmen aus unverdächtigen Branchen setzen würden. "Mit zu harten Auswahlkriterien kann die Diversifikation leiden. Außerdem möchten wir, dass sich der Manager mit 'seinen' Portfoliounternehmen beschäftigt und nicht nur mit der Einhaltung von teils schwer zu kontrollierenden Ausschlusskriterien und deren Definitionen", so Hajek. "Dieser formalistische Ansatz ist aus unserer Sicht nicht zielführend und lenkt vom eigentlichen Kernfokus auf Nachhaltigkeit eher ab."

Konkret filtere RP zunächst alle global investierenden Aktien- und Mischfonds heraus, die laut eigener Darstellung oder externer Quelle ihren Fokus auf Nachhaltigkeit richten würden. Sie müssten außerdem mehr als zehn Millionen Euro verwalten und über mindestens drei Jahre Historie verfügen. Die verbliebenen Fonds würden dann daraufhin analysiert, wie es um ihre ESG-Integration und ihr Engagement bestellt sei. "Häufig sind dazu Gespräche mit dem Portfoliomanagement erforderlich", berichte Hajek. "Nur geprüft nachhaltige Fonds schaffen es in unser Universum." (22.10.2018/fc/n/s)