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Nachhaltiges Investieren: Deutsche Versicherer sehen sich auf Kurs


24.09.20 11:00
Candriam

Brüssel (www.fondscheck.de) - Die Integration von ESG-Faktoren (Environment, Social, Governance) bei der Kapitalanlage deutscher Versicherungsunternehmen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dies geht aus einer aktuellen Studie des europäischen Assetmanagers Candriam und der Versicherungsforen Leipzig hervor, so die Experten von Candriam.

Ziel der Studie sei es, den Status quo deutscher Versicherer bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Kapitalanlage darzustellen und die wesentlichen Erfolgsfaktoren, Hürden sowie geeignete Lösungsansätze bei der Umsetzung abzuleiten.

Zusätzlich zu einem Desk Research hätten zwischen März und April 2020 Tiefeninterviews mit sechs deutschen Versicherungsunternehmen stattgefunden, die Rückschlüsse zu diversen Unternehmensbereichen und Implementierungsfortschritten zulassen würden. Demnach gelte allen voran die Regulatorik als ein maßgeblicher Treiber der Branche. Auch wenn die nationalen und internationalen Bestimmungen noch keine Verbindlichkeit herstellen würden, würden sie für eine beschleunigte Implementierung nachhaltiger Kriterien sorgen. Versicherungshäuser ohne bestimmte Agenda würden auf eine Konkretisierung der regulatorischen Anforderungen warten.

Die befragten Versicherungsunternehmen würden diverse Unternehmensgrößen und verschiedene Unternehmensformen und -lager (börsennotiert, öffentlich oder Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit) abbilden. Die als Vertreter der jeweiligen Unternehmen agierenden Gesprächspartner hätten überwiegend leitende Tätigkeiten sowie Spezialisierungsfunktionen für Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage oder dem Risikomanagement innegehabt.

Als Ausgangspunkt eines internen ESG-Screenings würden zumeist liquide Assets dienen, insbesondere das Aktienportfolio. Grund dafür sei die, verglichen mit anderen Anlageklassen, solide Datenabdeckung. Das angewandte Konzept werde folgend auf das Anleiheuniversum und schließlich Alternative Investments und Immobilien ausgeweitet. Für die vollumfängliche Umsetzung eines Nachhaltigkeitskonzepts bedürfe es eines unternehmensindividuellen Ansatzes. Hierzu würden in der Regel sowohl Datenanbieter als auch andere Ansprechpartner, wie zum Beispiel Assetmanager, konsultiert. Finde eine externe Mandatierung statt, sei vor allem die Übereinstimmung des Selektionsprozesses des Assetmanagers mit dem internen Modell oder Rahmen und den Zielen maßgeblich.

Die Überführung der Konzepte in die Prozesse des Kapitalanlagemanagements, inklusive Screening-Kriterien, und die eigene Erstellung von KPIs (Key Performance Indicators) würden aktuell zentrale Herausforderungen darstellen. Da sich bei der Umsetzung alle unternehmensinternen Handlungen auf valide Daten stützen würden, stelle eine fehlende Abdeckung eine weitere Schwierigkeit dar. Eine solide Datengrundlage werde etwa zur Modellierung von Risiken und Stresstests benötigt, aus denen wiederum Rückschlüsse zu künftigen Handlungsalternativen gezogen werden könnten.

Die aktuelle Covid-19-Krise habe zudem die Widerstandsfähigkeit von ESG-Fonds deutlich gemacht und deren Anlageattraktivität erhöht. Durch einen größeren Fokus auf die Faktoren E und S und die Berücksichtigung von Governance als Risiko-Indikator würden Unternehmen ihre langfristige Krisenresistenz stärken und damit am Markt hervorstechen.

Marie Niemczyk, Head of Insurance Relations bei Candriam, sage: "Versicherungen mussten in der Vergangenheit und vor allem vor dem Hintergrund einer deutlich gestiegenen Regulatorik große Herausforderungen und Hürden meistern. Die Verantwortlichen bei Versicherern wissen jedoch ganz genau: ESG kann einen klaren Mehrwert im Risikomanagement bieten und deshalb das jeweilige Investment bereichern. Assetmanager mit einer langjährigen Expertise auf dem Gebiet des nachhaltigen Investierens können hier mit individuellen Anlagelösungen, eigenen Daten und Versicherungsspezialisten den Unterschied machen."

Matthias Schober, Leiter des Bereichs Kapitalanlagemanagement bei den Versicherungsforen Leipzig, ergänze: "Aufgrund der intensiven Gespräche mit den Versicherungsunternehmen konnten wir herausfinden, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind, diese Herausforderung jedoch mit unterschiedlichem Tempo und vielfältigen Methoden angehen. Der Austausch mit anderen Versicherern und Assetmanagern gewährt jedoch, dass sich die Branche als Ganzes weiterentwickelt. Wir möchten mit diesem Best-Practice-Leitfaden jetzt und in Zukunft dazu beitragen." (24.09.2020/fc/n/s)