Morningstar entzieht mehreren Dickschiffen das Analysten-Rating - Fondsnews


13.09.17 15:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Analysegesellschaft Morningstar entzieht mehreren milliardenschweren Portfolios das qualitative Rating, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Analysten würden am 15. September die Bewertung des mehr als sechs Milliarden Euro schweren Ethna-Aktiv einstellen. Das Rating für den Carmignac Investissement, der ein Volumen von fast fünf Milliarden Euro aufweise, sei ebenfalls eingestellt worden.

Obendrein würden die Analysten keine Noten mehr für den Klassiker der Deutschen Asset Management, den DWS Vermögensbildungsfonds I (ISIN DE0008476524 / WKN 847652), vergeben, wie FONDS professionell ONLINE erfahren habe. Das einst von Klaus Kaldemorgen gelenkte Vorzeigeprodukt sei 2013 von Union-Investment-Mann Andre Köttner übernommen worden. Morningstar werde zudem kein qualitatives Urteil mehr für den von Köttner zuvor verantworteten Fonds, den fast 4,5 Milliarden Euro schweren Uniglobal, abgeben.

"Die Entscheidung, einen Fonds qualitativ zu bewerten, liegt im Ermessen unserer Analysten", sage Natalia Wolfstetter, Leiterin des Fondsmanager-Research bei Morningstar Deutschland. "Welche Fonds wir in die qualitative Bewertung aufnehmen, hängt nicht primär vom Volumen ab und kann sich im Zeitablauf ändern."

In der Vergangenheit habe das Volumen noch eine größere Rolle gespielt. "Mittlerweile legen wir mehr Wert auf Qualität und Anlegernutzen", erläutere die Expertin. Die Analysten würden ihren Fokus auf Portfolios legen, die sie positiv mit den Noten Bronze, Silber oder Gold bewerten würden. "Ratings für Fonds, von denen wir nicht mehr überzeugt sind, stellen wir in der Regel ein", begründe Wolfstetter den drastischen Schritt.

Die Analysten hätten die vier genannten Fonds zuletzt mit der Note "Neutral" bewertet. Alle würden derzeit mit sichtlichen Performance-Problemen ringen. Die Rating-Experten würden etwa beim einstigen Erfolgsfonds von Ethenea-Chef Luca Pesarini nur geringe Chancen auf eine Wende zum Besseren sehen. "Wir bezweifeln, dass die vergangenen Ergebnisse angesichts des hohen Fondsvolumens und der Veränderungen im Team und im Investmentansatz ohne weiteres wiederholbar sind", erkläre Wolfstetter gegenüber FONDS professionell ONLINE. Weitere Minuspunkte seien erkennbare Schwächen bei der Aktienauswahl, hohe Gebühren und das negative Urteil über die Fondsgesellschaft.

Auch in den einstigen Kaldemorgen-Klassiker DWS Vermögensbildungsfonds I würden die Morningstar-Experten keine allzu großen Hoffnungen mehr setzen. Zwar sei Köttner ein versierter Manager, doch die Vorteile seiner Strategie kämen besser beim defensiver ausgerichteten Schwesterprodukt DWS Akkumula zum Tragen. "Die aggressivere Version dieser Strategie kann auf risikoadjustierter Basis nicht überzeugen", stelle Wolfstetter direkt am Anfang ihres Rating-Berichts zum DWS Vermögensbildungsfonds I unmissverständlich klar.

Noch vernichtender falle das Urteil zu Köttners ehemaligem Fonds aus, dem Genossen-Flaggschiff Uniglobal. Dieser werde nun von Gunther Kramert verantwortet. Dem Fonds gelinge es nicht mehr, sich vom Vergleichsindex MSCI World abzusetzen. Zwar spielten nun verstärkt volkswirtschaftliche Überlegungen in die Anlagestrategie mit ein, dies habe sich aber noch nicht bewährt, so das Morningstar-Urteil. Bei der Auswahl von Einzeltiteln sei zudem zu wenig Aktivität des Management zu beobachten. Auch wenn die Gebühren des Uniglobal nicht allzu hoch ausfallen würden, sei ein börsengehandelter Indexfonds dennoch die günstigere Wahl.

Bei dem Fonds des französischen Altmeisters Edouard Carmignac würden die Experten wiederum die vielen Wechsel im Aktienteam bemängeln, was sich auch in schwachen Ergebnissen der Titelauswahl widerspiegele. Ein weiterer Kritikpunkt beim Investissement sei die hohe und für Anleger ungünstig ausgestattete erfolgsabhängige Vergütung. Auch das Flaggschiff der Franzosen, der Carmignac Patrimoine, könne derzeit nicht an vergangene Erfolge anknüpfen.

Die vier Dickschiffe seien nicht die einzigen Portfolios, denen die Ratinggesellschaft die Noten entzogen habe. So gebe das Haus etwa für die europäische Variante des Templeton Growth, für Fonds der Unistrategie-Serie sowie den auf deutsche Aktien ausgerichteten Deka-Fonds (ISIN DE0008474503 / WKN 847450) keine Urteile mehr ab. Damit führe nicht ein einziges Produkt des zentralen Wertpapierdienstleisters der deutschen Sparkassen mehr ein qualitatives Morningstar-Rating. In den vergangenen Monaten neu aufgenommen hätten die Analysten hingegen die Betrachtung anderer Bestseller, darunter der Nordea Stable Return und der Jupiter Dynamic Bond (ISIN LU0459992896 / WKN A0YC40). (13.09.2017/fc/n/s)





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