Morningstar deckt Denkfehler von Dividendenfonds-Fans auf - Fondsnews


11.05.18 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Kein Zweifel: Dividenden sind für den Erfolg von Aktieninvestments von großer Bedeutung, so die Experten von "FONDS professionell".

Inklusive Dividenden habe der Aktienindex DAX in den vergangenen 20 Jahren kumuliert um 141 Prozent zugelegt. Ohne Hinzurechnung der Ausschüttungen habe das Plus bei relativ bescheidenen 46 Prozent gelegen. "Annualisiert macht das 4,5 Prozent versus real negativen 1,9 Prozent", rechne Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah vor. Ursächlich hierfür sei der Zinseszins-Effekt, der so aber nur bei thesaurierenden Fonds zum Tragen komme. Und genau hier würden Fondsanleger den ersten von vielen denkbaren Fehlern machen.

Auch bei Dividendenfonds würden Ausschüttungen einen Löwenanteil des Langfristerfolgs ausmachen. "Macht man obere Rechnung für ausgewählte Fonds auf, dann fällt die Bilanz ähnlich aus wie beim DAX", sage Masarwah. So habe der größte Dividendenfonds in Europa, der gut 17,5 Milliarden Euro schwere DWS Top Dividende, unter der Annahme, dass die Fonds-Ausschüttungen reinvestiert würden, in den vergangenen zehn Jahren eine Performance von kumuliert 85 Prozent erwirtschaftet. Rechne man den Einfluss der Ausschüttungen heraus, dann hätte das Plus zwischen Mai 2008 und Ende April 2018 nur bei 34 Prozent gelegen.

Das Problem: Ähnlich wie viele andere Portfolios von Wettbewerbern, die den Begriff "Dividende" im Namen tragen würden, sei auch der DWS-Bestseller ein ausschüttendes Produkt, was bedeute: Den an sich wünschenswerten Zinseszins-Effekt gebe es so nicht. "Anleger, die den Fonds gekauft und im Depot liegenließen, hätten über die Jahre einen Batzen Nullzins-Cash auf ihrem Verrechnungskonto aufgewiesen", kritisiere Masarwah. Zwar existiere mit dem in Luxemburg aufgelegten Deutsche Invest I Top Dividend auch eine thesaurierende Variante des DWS Top Dividende, die allerdings sei mit laufenden Kosten in Höhe von 1,59 Prozent pro Jahr rund 0,15 Prozentpunkte teurer als das Original.

Damit sei die Denkfehlerliste aber noch längst nicht abgearbeitet. Dass Dividenden einen Großteil der langfristigen Aktien-Performance ausmachen würden, bedeute nicht, dass im Umkehrschluss Aktien mit besonders hohen Dividendenrenditen eine überdurchschnittliche Performance erwirtschaften würden. "Das kann so sein, muss es aber nicht", mahne Masarwah. So habe der Aktienindex MSCI World in den vergangenen zehn Jahren mit einem Plus von 8,2 Prozent pro Jahr deutlich vor dem globalen Dividendenindex MSCI World High Dividend Yield gelegen, der nur um knapp sieben Prozent zugelegt habe.

Häufig würden Anleger zu hören bekommen, die Dividendenrendite böte obendrein eine Art eingebauten Fallschirm gegen allzu hohe Kursstürze. "Dass Dividenden bei fallenden Märkten einen Puffer bilden, ist mehr Legende als Wahrheit", habe Masarwah herausgefunden: Auch die Drawdowns seien beim globalen Dividendenindex mit gut 55 Prozent höher als beim MSCI World gewesen, bei dem der maximale Verlust seit Mai 2007 bei 49 Prozent gelegen habe. Es komme eben auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen im Fonds an, nicht auf die Frage, ob und wieviel Dividenden sie ausschütten würden. So hätten vor Ausbruch der Finanzkrise ausgerechnet Bankaktien wegen ihrer hohen Dividendenrenditen zu den Lieblingen der Fondsmanager gezählt. Nach 2008 seien Bankpapiere lotrecht abgestürzt - da habe auch ihre Ausschüttungsfreudigkeit wenig geholfen.

Viele Dividendenfonds-Käufer würden zudem keinen Unterschied zwischen Ausschüttungen und Dividenden machen. Ausschüttende Produkte gebe es in jeder Fondsgattung: Immobilienfonds, Rentenfonds, Mischfonds, sogar alternative Fonds könnten laufende Erträge liefern. "Dividendenfonds dagegen sind stets Aktienfonds, und als solche können sie stark schwanken", sage Masarwah. Und das würden sie auch tun: Globale Dividendenportfolios hätten in den vergangenen zehn Jahren Verluste von durchschnittlich knapp 50 Prozent erlitten. "Es stellt sich deshalb die Frage, ob Anleger, die regelmäßige Ausschüttungen brauchen, mit Dividendenfonds wirklich am besten aufgestellt sind", so der Morningstar-Fachmann.

Laut ihm dürften viele ausschüttende, defensive Mischfonds die Funktion einer stabilen Ertragsquelle deutlich besser erfüllen als Dividendenfonds, eben weil sie in der Regel weniger im Wert schwanken würden als reine Aktienprodukte. "Wer der Meinung ist, dass ein Aktienfonds der beste Garant für die optimale Langfristrendite ist, der kann ebenso gut auf einen Auszahlplan zurückgreifen, der sich bei jedem Aktienfonds implementieren lässt", sage Masarwah. Es müsse also nicht unbedingt ein Dividendenfonds sein. (News vom 09.05.2018) (11.05.2018/fc/n/s)





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