Erweiterte Funktionen

Morningstar: "Hegdefonds light" liegen Anlegern schwer im Magen


21.09.18 12:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Viele Anleger stecken ihr Geld seit der Finanzkrise gern in alternative Investmentfonds, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Ratingagentur Morningstar habe sich die Performance von Fonds der zwei beliebtesten Kategorien angeschaut - die Bilanz falle bescheiden aus.

Seit der Finanzkrise würden sich alternative Investmentfonds großer Beliebtheit erfreuen. Diese Produkte würden Hedgefonds-Strategien verwenden, aber im regulierten Mantel von Publikumsfonds stecken. Allerdings seien die "Hedgefonds light" auch keine Lösung, zeige eine Analyse der Fondsratingagentur Morningstar. "Die Bilanz der beiden beliebtesten Kategorien der alternativen Fonds seit dem Jahr 2008 fällt bescheiden aus", sage Ali Masarwah, Analyst bei Morningstar.

Anleger wollten kaum noch Risiken eingehen, sie würden vielmehr nach einem risikokontrollierten Zugang zu Aktien und Anleihen suchen. Alternative Fonds würden attraktive Renditen bei begrenzten Risiken versprechen - und seien deshalb so beliebt. Die Zahl der "Hedgefonds light" steige, außerdem sind die Strategien immer differenzierter. Bei Multistrategie-Produkten und Long/Short-Bondfonds würden Anleger in Europa besonders gerne zugreifen. Ein guter Grund für Morningstar, sich die Performance von Produkten dieser Kategorien genauer anzuschauen.

Multistrategie-Fonds würden im Durchschnitt nicht überzeugen...

Multistrategie-Fonds würden gleichzeitig auf mehrere alternative Investmentstrategien setzen, würden meist als Mischfonds neuen Typs vermarktet und häufig taktisch gemanagt. Die Morningstar-Analysten hätten ein Stichprobe der Produkte zusammengestellt, deren Basiswährung auf Euro laute, und deren durchschnittliche Performance erhoben. Zusätzlich hätten sie die relative Rendite der Fonds zwei Benchmarks gegenübergestellt: Dem Geldmarktindex Eonia sowie einem Aktien-Renten-Index, der jeweils zur Hälfte aus den beiden Anlageklassen bestehe.

Gegenüber dem Eonia falle die Performance der Fonds überwiegend positiv aus, in acht der elf betrachteten Zeiträume hätten die Produkte die Benchmark übertroffen. "Das klingt zunächst gut, sagt in Wahrheit aber wenig über die Qualität der Fonds aus, dafür umso mehr über die Eignung der Benchmark", kommentiere Masarwah. Bei einer Volatilität von jährlich rund fünf Prozent hätten sich die Fonds eben nicht wie Cash, sondern wie ein Investment verhalten, das deutlich höhere Risiken eingehe. Gegenüber dem Aktien-Renditen-Index falle die Entwicklung der Multistrategie-Fonds verheerend aus: Die Produkte hätten diese Benchmark seit 2008 in keinem Jahr schlagen können.

... Long/Short-Bond-Fonds auch nicht

In der Kategorie der Long/Short-Anleihefonds sehe die Bilanz nicht viel besser aus. Auch hier hätten die Morningstar-Analysten sich auf Produkte beschränkt, die auf Euro lauten würden. Als Benchmark würden erneut der Geldmarktsatz Eonia und zusätzlich ein Bond-Index dienen. Gegenüber Eonia hätten die Long/Short-Anleihefonds in sieben von elf Zeiträumen vorne gelegen. "Doch auch hier muss man sich vergegenwärtigen, dass die Fonds höhere Risiken eingehen als eine Cash-Benchmark", sage Masarwah.

Den Renten-Index hätten die Produkte insgesamt nur drei Mal übertreffen können, acht Mal sei die Bilanz unterdurchschnittlich ausgefallen. Und: 40 Prozent dieser Fonds wurden zwischenzeitlich schon wieder geschlossen. "Auch hier geselle sich also zum Underperformance-Risiko das Risiko einer Fondsschließung", so der Morningstar-Analyst.

Die Fonds würden einen schweren Stand haben, meint Morningstar

Im Durchschnitt hätten die Fonds beider Kategorien in den zurückliegenden zehn Jahren also nicht überzeugen können. Dafür gebe es laut Morningstar-Analyst Masarwah mehrere Gründe: "Die Kosten sind erheblich, zudem sind viele der Produkte wieder vom Markt verschwunden. Außerdem ging es in den vergangenen Jahren an den Kapitalmärkten meist nach oben."

Sofern sich diese Entwicklung fortsetze und die Wirtschaft weiter expandiere, würden alternative Investmentfonds einen schweren Stand haben, prognostiziere Masarwah. Außerdem müsse es den Fonds gelingen, in den immer wiederkehrenden Krisen Rückschläge zu begrenzen: "Das gelang in den vergangenen zehn Jahren erkennbar nicht." (21.09.2018/fc/n/s)