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Morningstar: Fünf Indices, die ETF-Fans meiden sollten - ETF-News


28.03.18 14:19
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Indexnahe Investments liegen im Trend, so die Experten von "FONDS professionell".

Ende Januar seien weltweit erstmals mehr als fünf Billionen US-Dollar in börsengehandelten Fonds (ETFs) und Rohstoffpapieren (Exchange-Traded Products, ETPs) investiert gewesen, wie ein Bericht des Analysehauses ETFGI zeige. Über die vergangenen zehn Jahr gerechnet habe das Volumen dieser Vehikel im Schnitt um 18,9 Prozent per annum zugenommen. Die Zahl der ETFs und ETPs sei unterdessen auf 7.269 gestiegen - auch das ein neuer Rekord.

Bei aller Begeisterung scheinen einige ETF-Fans die Grundregeln für umsichtiges Investieren zu vergessen - vor allem im Hinblick auf die Risikostreuung, so die Experten von "FONDS professionell". Nicht alle Indices, für die ETFs angeboten würden, seien in Sachen Diversifikation geeignet, erkläre die Ratingagentur Morningstar.

Bei aktiv gemanagten Fonds sei die Sache eindeutig geregelt: Der Maximalanteil einer einzelnen Aktie dürfe gemäß UCITS-Regularien bei höchstens zehn Prozent liegen, und alle Positionen, die mehr als fünf Prozent des Fondsvermögens ausmachen würden, dürften in Summe nicht die 40 Prozent-Marke überschreiten. "Was viele Anleger nicht wissen: Für Indextracker gilt diese 5/10/40-Regel nicht", erkläre Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah.

Indextracker dürften maximal 20 Prozent des Fondsvermögens in einzelne Titel investieren, in Extremfällen könnten es sogar bis zu 35 Prozent sein. "Das hat zur Folge, dass passive Investoren an einer wichtigen Stelle aktiv werden müssen: Sie sollten ein besonderes Augenmerk auf die Qualität der ETF-Benchmarks richten", mahne Masarwah.

Vor diesem Hintergrund habe Morningstar eine Handvoll Indices ausgemacht, die aus Diversifikationsgründen mit Vorsicht zu genießen seien - und, sofern möglich, Alternativen ausgelotet. "Es handelt sich dabei um Benchmarks, auf die tatsächlich Produkte begeben wurden und die in Europa zum Vertrieb zugelassen sind", erkläre Masarwah.

Anleger, die Streuungsaspekte bewusst außer Acht lassen möchten - etwa, weil sie von einer bestimmten Investmentidee hundertprozentig überzeugt seien - sollten sich laut Morningstar überlegen, ob sie nicht lieber ein Investment in eine Einzelaktie eingehen wollten. "So können sie eine klare Wette eingehen und sich zudem die Verwaltungsgebühren für den ETF, so niedrig sie auch sein mögen, sparen", erkläre Masarwah abschließend.

Von welchen Börsen-Messlatten würden ETF-Anleger besser die Finger lassen?

Der Eurostoxx-Telecom-Index zähle laut Morningstar zu den am wenigsten diversifizierten Aktienindices in Europa. "Er ist mit nur zwölf Titeln extrem konzentriert. Die Deutsche Telekom macht allein knapp 30 Prozent des Indexgewichts aus", habe Morningstar-Experte Ali Masarwah analysiert. Es würden die spanische Telefónica und die französische Orange mit jeweils rund 15 Prozent folgen - drei Aktien würden also 60 Prozent des Index ausmachen. "Hier drängt sich die Frage auf, warum man für derartige ETFs bis zu 0,5 Prozent an jährlichen Verwaltungskosten berappen muss - Einzelinvestments wären hier eine realistische Alternative", so der Morningstar-Mann.

Investoren, die beispielsweise die Dividendenqualität von Telekom-Aktien schätzen würden, würden mit dem STOXX Europe 600 Telecom oder dem MSCI Europe Telecommunications geeignetere Branchenbarometer finden, die mit rund 25 Aktien breiter aufgestellt seien.

Der Nyse-Arca-Gold-Bugs-Index habe wegen des Fokus auf Goldminenaktien ähnliche Nachteile wie der eben erwähnte Telekom-Index. "Das Konzentrationsrisiko ist aufgrund des Sektorfokus sehr hoch", gebe Masarwah zu bedenken.

Eine Ausweichmöglichkeit biete der Solactive Global Pure Gold Miners: "Auch der Nyse Arca Gold Miners hat mit 53 Aktien deutlich mehr auf der Einzeltitelebene zu bieten als sein 'Bugs'-Namensvetter". Am breitesten aufgestellt sei der Index MVIS Global Junior Gold Miners mit rund 70 Aktien, "der jedoch aufgrund seines Fokus auf kleinstkapitalisierte Werte eine neue Risiko-Komponente hinzubringt."

Der DivDax zähle zu den etabliertesten Dividenden-Indices im deutschsprachigen Raum. "Doch das macht ihn nicht empfehlenswerter", so Masarwah. Denn auch der DivDax sei mit nur 15 Titeln hoch konzentriert: Die fünf größten Positionen (BASF, Allianz, Daimler, Siemens und Bayer) würden rund 50 Prozent des Indexgewichts ausmachen. Morningstar weise noch auf einen weiteren Malus hin: "Der Index setzt sich ausschließlich aus den Top-Dividendenzahlern der Vergangenheit zusammen. Es gibt also keinerlei Kontrollmechanismen, die sicherstellen, dass es sich bei den Indexwerten um nachhaltige Dividendenzahler handelt."

ETF-Anlegern würden sich jede Menge Dividenden-Alternativen bieten. Der Eurostoxx Select Dividend 30 beispielsweise weite den Horizont über den rein deutschen Tellerrand hinaus und enthalte immerhin doppelt so viele Aktien wie der DivDax. Einen noch breiteren, pan-europäischen Fokus habe der LibertyQ-European-Dividend-Index mit gut 50 Aktien.

Am MSCI-Russia-ADR/GDR-Index lasse Morningstar kein gutes Haar: "Aus diesem Index sind Anleger-Alpträume gemacht." Nicht nur, dass er mit 15 Aktien ebenfalls höchst konzentriert sei. Auch der Fokus auf Energie- und Rohstoffwerte, die 50 Prozent des Gewichts ausmachen würden, sei bedenklich. Wenig beruhigend finde Masarwah auch den knapp 30-prozentigen Anteil der Sberbank. "Nicht nur Kenner der Geopolitik wissen, dass russische Banken potenziell schwer von westlichen Sanktionen getroffen werden können."

Überlegenswerte Alternativen gebe es eigentlich keine. "Selbst länderübergreifende Osteuropa-Indices haben wegen der Größe des russischen Marktes ein derart hohes Russland-Gewicht, dass man hier von verkappten Russland-Investments sprechen muss." Und BRIC-Fonds seien zwar breiter aufgestellt, aber ebenfalls wegen der Konzentration auf nur vier Märkte im Grunde nicht empfehlenswert.

Auf den ersten Blick erscheine es unfair, den PSI-20-Aktienindex für portugiesische Standardwerte hier aufzuführen, räume Masarwah ein. "Doch wir tun es, weil der Index ungeachtet seines Namens schon seit längerer Zeit nur 18 Aktien umfasst und eben nicht 20." Hinzu komme: Im MSCI Europe würden Portugal-Aktien gerade mal 0,24 Prozent ausmachen. "Das ist jenseits der Wahrnehmungsgrenze." Einzelländer-Indices wie der portugiesische, die sehr eng seien, seien als Langfrist-Investments grundsätzlich ungeeignet. (News vom 27.03.2018) (28.03.2018/fc/n/e)