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Greensill-Drama: Abrupte Fondsschließungen sorgen für Furore - Fondsnews


03.03.21 12:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Schweizer Asset Manager Credit Suisse (CS) und GAM haben sogenannte Supply Chain Finance Fonds geschlossen, so die Experten von "FONDS professionell".

Bei der Credit Suisse gehe es um ein Gesamtvolumen von rund sieben Milliarden Dollar, bei GAM 842 Millionen Dollar, wie die Gesellschaften mitteilen würden. Die Fonds seien exklusiv an institutionelle Investoren vertrieben worden. Während die CS ihre Vehikel nur zeitweilig vom Handel aussetze, wolle GAM seinen Fonds gleich gänzlich abwickeln.

Supply-Chain-Finance-Fonds würden in Zahlungsforderungen von Unternehmen investieren. Über das sogenannte Factoring werde eine einfachere Abwicklung bei der Bezahlung von Lieferanten ermöglicht. CS zufolge bestünden bei einigen Vermögenswerten innerhalb des Portfolios "erhebliche Unsicherheiten in Bezug auf ihre genaue Bewertung".

GAM wiederum verweise lediglich auf die "jüngsten Marktentwicklungen" und die "daraus resultierende Medienberichterstattung". Es bestünden "keine Unsicherheiten hinsichtlich der Bewertung der Vermögenswerte im Fonds", heiße es in der GAM-Mitteilung. Die Vermögenswerte seien durch Drittversicherer abgesichert. Die Investitionen der Kunden würden in geordneter Art und Weise zurückerstattet.

Die Handelsaussetzung des CS-Vehikels habe möglicherweise weitreichende Folgen. Das britisch-australische Finanzkonglomerat Greensill Capital, das sich auf eine Finanzierung über diese Fonds stütze, sei offenbar in Schieflage. Die Gesellschaft erwäge, einen Insolvenzantrag zu stellen, würden die Nachrichtenagentur "Bloomberg" sowie die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" übereinstimmend berichten. Der "Financial Times" zufolge habe der Konzern am Dienstag (2. März) in Australien um die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gebeten.

Weiterhin solle der japanische Softbank-Konzern hohe Abschreibungen auf Greensill vorgenommen haben. Dem "Wall Street Journal" zufolge gehe es bei den Bewertungszweifeln vor allem um Vermögenswerte, die dem Unternehmen GFG Alliance zuzurechnen seien. Dabei handele es sich um das Imperium des indischen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta.

Dieser stehe im Zusammenhang mit einer anderen Affäre: Ein ehemaliger GAM-Starfondsmanager habe in zum Teil illiquide Wertpapiere der Gupta-Gruppe investiert und dabei offenbar interne Vorschriften verletzt. Der Manager habe gehen müssen, die milliardenschweren Fonds seien liquidiert worden. GAM habe in der Mitteilung nun angekündigt, die seit 2016 bestehenden Geschäftsbeziehungen zu Greensill zu beenden.

In Deutschland sei Greensill über seine Bremer Banktochter aktiv, die bis zur Übernahme 2014 als "Nordfinanz Bank" firmiert habe. Diese habe unter anderem bei zinshungrigen deutschen Sparern Geld eingesammelt, etwa über Vergleichsplattformen wie Weltsparen oder Zinspilot. Weltsparen habe "mehrere hundert Millionen Euro" für die Greensill Bank in Deutschland eingeworben, berichte "Bloomberg". Das Angebot habe die Bank aber vorerst gestoppt. Zinspilot hingegen wolle die Entwicklung zunächst beobachten.

Die umfassenden Geschäftsbeziehungen zwischen Greensill und dem Gupta-Imperium sollten Berichten zufolge auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin auf den Plan gerufen haben. Die Behörde solle Medienberichten zufolge inzwischen einen Sondergesandten nach Bremen geschickt haben. (03.03.2021/fc/n/s)