Deutsche Steuerreform drückt Flossbach Mindestaktienquote auf - Fondsnews


02.05.17 13:45
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch nutzt die Zeit bis zum Inkrafttreten des deutschen Investmentsteuerreformgesetzes (InvStRefG) am 1. Januar 2018, um die Anlagebedingungen verschiedener flexibler Mischfonds aus seinem Sortiment anzupassen, so die Experten von "FONDS professionell".

Da einige Portfolios auch in Österreich zum Vertrieb zugelassen seien, würden die Änderungen Fondsanleger auch hier betreffen.

"Deutsche Anleger werden nur in den Genuss von steuerlichen Teilfreistellungen kommen, wenn Mischfonds bestimmte Mindestkapitalbeteiligungsquoten erfüllen", sage Dirk von Velsen, Vorstand von Flossbach von Storch, auf Anfrage von "FONDS professionell". Die Kölner würden daher in den Prospekten der entsprechenden Portfolios festschreiben, dass die jeweils relevanten Mindestaktienquoten fortlaufend eingehalten würden.

Um zu verstehen, was die Anlagebedingungen mit den künftigen Teilfreistellungen zu tun hätten, helfe ein Blick auf die Vorschriften des deutschen Investmentsteuerreformgesetzes. Bislang würden deutsche Fonds auf inländische Erträge keine Steuern zahlen. Besteuert werde nur der Anleger. Im Ausland erzielte Dividenden, Mieterträge oder Gewinne aus Immobilienverkäufen würden deutschen Anlegern nach Abzug der jeweiligen Quellensteuer zufließen. Diese könnten sie sich über ihre Steuererklärung zurückholen.

Mit diesen Regeln sei ab Januar 2018 Schluss. Von da an müssten deutsche Fonds auf in Deutschland erzielte Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien 15 Prozent Steuern zahlen. Zudem könnten sich deutsche Fondsanleger im Ausland gezahlte Quellensteuer nicht mehr über ihre Steuererklärung erstatten lassen.

Als Ausgleich habe der deutsche Gesetzgeber Teilfreistellungen vorgesehen. Das heiße: Laufende Erträge und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen würden im Zuge der Abgeltungsteuer teilweise freigestellt. Bei Fonds mit einer Aktienquote von mindestens 51 Prozent würden 30 Prozent steuerfrei bleiben, bei Mischfonds mit einer Aktienquote von mindestens 25 Prozent seien es 15 Prozent. Aber: Anleger würden die Teilfreistellungen nur bekommen, wenn die genannten Quoten in den Anlagebedingungen der Fonds eindeutig festgelegt seien. Diese Regeln würden übrigens auch für ausländische Fonds gelten, die in Deutschland vertrieben würden.

Flossbach von Storch nehme daher dort, wo es nötig sei, nun entsprechende Änderungen vor. "Im Hinblick auf die Investmentsteuerreform haben wir intern bereits Mindestaktienquoten für verschiedene Investmentfonds festgelegt", erkläre von Velsen. "Soweit diese nicht schon zum jetzigen Zeitpunkt bestehen, werden wir sie rechtzeitig im Laufe dieses Jahres in den Anlagebedingungen umsetzen."

Eine Mindestaktienquote von 25 Prozent werde künftig für die folgenden vier Fonds gelten: FvS SICAV Multiple Opportunities, FvS Multiple Opportunities II, FvS Multi Asset - Balanced und FvS Multi Asset - Growth. Die Aktienfonds FvS Global Quality (ISIN LU0366178969 / WKN A0Q2PT), FvS Dividend, FvS Global Emerging Markets und FvS Fundament würden künftig laut Prospekt mindestens 51 Prozent Aktien halten.

Dass Starmanager Bert Flossbach künftig dazu gezwungen sei, jederzeit mindestens ein Viertel seines milliardenschweren Multiple Opportunities in Aktien zu investieren, dürfte ihm kaum Kopfzerbrechen bereiten. Für ausgewogene und flexible Multi-Asset-Fonds halte Flossbach von Storch eine Aktienquote, die sich deutlich oberhalb von 25 Prozent befinde, grundsätzlich für strategisch sinnvoll.

Selbst für den wohl eher unrealistischen Fall, das sich diese Einschätzung in Zukunft einmal ändern sollte, bedeute eine Bruttoaktienquote von 25 Prozent nicht, dass Bert Flossbachs Fonds seine bisherige Flexibilität verliere. Sollte er eines Tages zu der Überzeugung gelangen, dass Aktien völlig überteuert seien, könnte er die Nettoaktienquote des Fonds über Derivate unter die 25-Prozent-Schwelle drücken. Derzeit liege diese Quote deutlich höher: Bei rund 58 Prozent.

Der Aufwand, der mit den geplanten Prospektänderungen verbunden sei, beunruhige Vorstand von Velsen nicht. "Dieser wird unerheblich sein, da die Änderungen gleichzeitig mit anderen gesetzlich vorgeschriebenen Änderungen durchgeführt werden", erkläre er. (02.05.2017/fc/n/s)





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