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China will staatliche Unternehmen reformieren


20.10.17 12:10
Legal & General IM

London (www.fondscheck.de) - Nachdem die chinesische Regierung das Land erfolgreich durch die schwierige Phase Anfang 2016 navigiert hatte, in der die Währung massiv unter Druck geraten war, war das Vertrauen in die Politik hoch und das Wirtschaftswachstum erholte sich, so die Experten von Legal & General Investment Management.

"Trotzdem dürfte sich die gute Entwicklung zum Ende dieses Jahres wieder etwas verlangsamen", sage Tim Drayson, Ökonom bei Legal & General Investment Management. "Es sind zwar keine großen Änderungen der politischen Linie zu erwarten, aber der Fokus verschiebt sich weg von den Wachstumszielen und hin zu der Schaffung neuer Arbeitsplätze, einer Verbesserung des real verfügbaren Einkommens sowie des Umweltschutzes." Während sich andere Länder wieder verstärkt nationaler ausgerichtet hätten, verfolge China eine Globalisierungspolitik und erleichtere ausländischen Investoren den Zugang zum Markt. "Binnenwirtschaftlich scheint sich das Land stärker auf die Cyber-Ökonomie und die Förderung von Entrepreneurs zu konzentrieren."

Es gebe zudem ein deutliches Bewusstsein für die eigene Schuldenabhängigkeit. "Die Verschuldung der Unternehmen ist hoch und das macht sie verwundbar, sollten die Zinsen ansteigen", sage Drayson. "Hinzu kommt eine problematische Situation bei den notleidenden Krediten, deren Volumen deutlich größer ist als bisher angenommen. Die Regierung ist aber überzeugt, dass die Banken relativ robust aufgestellt sind, während das Risiko für Asset Manager größer ist." Zudem gebe es Anzeichen, dass die Reform der staatlichen Unternehmen stärker vorangetrieben werden solle. "Der Fokus liegt dabei auf einem Ausgleich der sozialen Kosten und es besteht ein gewisser Widerwille, den Kreditgebern Verluste aufzubürden." Jedoch gäbe es mehr und mehr Restrukturierungsmaßnahmen innerhalb unprofitablen Staatsunternehmen.

Geplant sei, den Personalbestand zu reduzieren und die Effizienz zu steigern, allerdings mit substanzieller finanzieller Unterstützung der Regierung, um die soziale Stabilität zu erhalten. Dazu werde es Angebote zur Umschulung und Möglichkeiten eines früheren Renteneintrittes geben. "Zudem soll eine gemischte Besitzstruktur für Unternehmen eingeführt werden", sage Drayson.

Möglich seien annähernd gleichberechtigte Partnerschaften zwischen staatlichen Unternehmen, privaten oder ausländischen Investoren, dem Senior Management und einer Mitarbeiterbeteiligung. Überkapazitäten sollten verringert werden und nur effizient geführte Unternehmen sollten weiterbestehen. "Das hat sich als effektiv erwiesen, wenn es darum geht, den Einsatz von Krediten zur Finanzierung des Wachstums zu reduzieren. Und es hatte positive Auswirkungen auf die Rohstoffpreise und die Profitabilität, sodass Unternehmen ihre Investitionen aus Gewinnrücklagen finanzieren können." Auch Joint-Ventures würden gefördert, da diese ein besseres Verhalten der Regionalregierungen erzwingen würden.

So würden in China die Kräfte eines freien Marktes zwar stärker werden, der Sozialismus bleibe aber ein Teil des Landes. "Die Regierung wird auch weiterhin in die Finanzmärkte eingreifen, wenn sie das für nötig hält und hat kein Interesse daran, ihre Kontrolle über den Finanzsektor zu reduzieren", sage Drayson. "Der Wechselkurs wird weiterhin sorgfältig gesteuert werden, auch wenn das Verhältnis zum Dollar aktuell sehr gut ist." Der Westen betrachte die Machtstärkung von Präsident Xi Jinping zwar mit Skepsis, in China selbst werde er aber vom vielen als Reformer gesehen. Sein hartes Vorgehen gegen Korruption beispielsweise, würde als eine sehr positive Entwicklung wahrgenommen. (20.10.2017/fc/a/m)