BlackRock patzt bei Ausgabe neuer Gold-ETF-Anteile - ETF-News


17.03.16 14:03
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Gold feiert bei Renditesuchern ein unerwartetes Comeback, so die Experten von "FONDS professionell".

Viele Anleger würden nicht in Münzen oder Barren investieren, sondern via börsengehandelter Produkte in das Edelmetall. Der US-Investmentriese BlackRock habe sich mit seinem iShares-Gold-Trust-ETF trotz des reißenden Absatzes kräftig in die Nesseln gesetzt - oder besser gesagt: genau deswegen.

Weil Anleger seit Wochen massiv auf das Edelmetall setzen würden - in den USA seien allein im Februar für 5,1 Milliarden US-Dollar Gold-Investments gekauft worden - habe BlackRock Ende Februar den Anteilsbestand seines Gold-Produkts für den US-Markt kräftig aufstocken wollen. Unternehmensangaben zufolge sei das im iShares-Gold-Trust versammelte Vermögen seit Jahresbeginn um stolze 21 Prozent respektive 1,4 Milliarden auf acht Milliarden US-Dollar gestiegen. Um den Nachfrageüberhang schnellstmöglich abzubauen, habe man sich gleich für die Ausgabe mehrerer Millionen neuer Anteile entschieden.

Das Problem: Weil der iShares Gold Trust kein herkömmlicher ETF sei, sondern in die Kategorie Exchange-Traded Commodity (ETC) falle - also mit "echtem" Gold physisch hinterlegt sei - müsse die Ausgabe neuer Anteile der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet werden - was BlackRock im Eifer des Gefechts zunächst versäumt und mit zweitägiger Verzögerung nachgeholt habe, wie ein Sprecher gegenüber FONDS professionell ONLINE eingeräumt habe.

Als die SEC nachgezählt habe, habe es zunächst erstaunte Rückfragen gesetzt. BlackRock habe zwischen dem 19. Februar und dem 3. März satte 25 Millionen Fondsanteile mehr auf den Markt gebracht, als bei der Börsenaufsicht angemeldet gewesen seien, und habe die Ausgabe der neuen Anteile vorübergehend stoppen müssen, wie diverse US-Medien, darunter das "Wall Street Journal" (WSJ), berichten würden. Alt-Anteile hätten hingegen weiterhin gehandelt werden können.

Nach Angaben von BlackRock sei die zunächst ungenehmigte Anteilsausgabe dem unerwartet heftigen Anstum von Investorenseite geschuldet und ein bedauerliches Versehen gewesen. Ob das für den Fondsriesen ein juristisches Nachspiel oder finanzielle Konsequenzen habe, sei noch nicht klar, denn ähnliche Fälle würden höchst selten vorkommen. "Während meiner 23 Jahre im ETF-Geschäft ist mir nichts Vergleichbares untergekommen", habe Dave Nadig, ETF-Bereichsleiter bei Factset Research Systems, gegenüber Bloomberg gesagt. Das BlackRock-Missgeschick sei "absolutes Neuland".

Doch damit sei der Fall noch nicht abgeschlossen. Neue Skurrilitäten würden auftauchen: Während die Ausgabe neuer Anteile am iShares Gold Trust ausgesetzt gewesen sei, sei BlackRock eine milliardenschwere Wette eingegangen, dass der Goldpreis weiter zulege - und habe dazu den Gold-ETF eines Konkurrenten genutzt, wie das WSJ ausführe.

Der von BlackRock in Anspruch genommene SPDR Gold Trust werde von State Street Global Investors verwaltet und sei weltweit das größte börsengehandelte Goldprodukt überhaupt. BlackRock habe bis vor kurzem einen Anteil von fünf Prozent an dem Fonds gehalten. Anfang März habe die Gesellschaft den Anteil auf 13 Prozent erhöht, so der WSJ-Artikel. Das entspreche einem Wert von immerhin rund vier Milliarden US-Dollar. Zu den Hintergründen dieses Engagements habe sich BlackRock gegenüber dem WSJ nicht geäußert.

Dass Asset Manager Fremdprodukte in ihre Anlagestrategie miteinbeziehen würden, sei nichts Ungewöhnliches. Bemerkenswert sei der Vorgang aber wegen des Timings.

Während die Ausgabe neuer ETF-Anteile gestoppt gewesen sei, sei der Handel mit bereits existierenden iShares-Gold-Trust-Anteilen weiter gegangen. Vielleicht habe man bei BlackRock die Gefahr heraufziehen gesehen, dass sich der Kurs des eigenen ETF vom Goldpreis, der währenddessen weiter kräftig geklettert sei, abkoppele. Vom WSJ befragte Broker würden mutmaßen, dass BlackRock wegen befürchteter "Mispricings" und dadurch motivierter Geschäfte von Arbitrageuren beim eigenen ETF quasi als "Notmaßnahme" zum Gold-Angebot des Rivalen gegriffen habe.

Auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE habe es von BlackRock geheißen, es habe während der vorübergehenden Handelsaussetzung der Neu-Anteile keine Preisauffälligkeiten beim iShares Gold Trust gegeben. Der Handel sei zu jeder Zeit gewährleistet gewesen. Investoren hätten bei Bedarf Anteile zurückgeben können - doch das habe niemand getan. Zu den tatsächlichen Beweggründen für den Deal mit dem State Street-Produkt habe man sich auch gegenüber der Redaktion der Experten bedeckt gehalten. (17.03.2016/fc/n/e)






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