Erweiterte Funktionen

Bert Flossbach warnt vor gefährlichem ETF-Oligopol - ETF-News


09.01.18 14:03
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Wie Bert Flossbach sagt, sind die US-Fondsriesen BlackRock, Vanguard und State Street zu einem "Dreier-Oligopol" am ETF-Markt geworden, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Mitgründer der Investmentgesellschaft Flossbach von Storch warne generell vor dem zunehmenden Einfluss passiver Investoren auf die Kapitalmärkte.

Sollte sich der ETF-Boom mit unverminderter Geschwindigkeit fortsetzen, könnten Probleme für die Funktionalität der Anlagemärkte erwachsen, sage Bert Flossbach. Der Gründer und Fondsmanager des Asset Managers Flossbach von Storch habe ein "Dreier-Oligopol" auf dem ETF-Markt ausgemacht.

Die meisten börsengehandelten Indexfonds würden von den US-Häusern BlackRock, Vanguard und Staate Street angeboten. Weltweit liege der Anteil passiver Investoren bei schätzungsweise 12,4 Prozent. "Auch hiervon entfällt der größte Teil auf das Oligopol, das zu einer Art 'Deus ex Machina‘ der Finanzwelt mutiert", sage Flossbach. Bei einzelnen US-Firmen - etwa bei Flossbachs Ex-Arbeitgeber Goldman Sachs - kratze die Anteilsquote der "Großen Drei" bereits an der 20-Prozent-Marke. Flossbach sehe im passiven Anlageboom, der durch die mehrjährige "Schönwetterperiode" an den globalen Anlagemärkte erst so richtig in Schwung gekommen sei, mittlerweile eine generelle "Gefahr für die Marktwirtschaft und möglicherweise für die gesamte Gesellschaft".

Würden sich die Wachstumsraten der vergangenen Jahre fortsetzen, könnten BlackRock, Vanguard und State Street binnen fünf Jahren allein durch Mittelzuflüsse eine Verdopplung ihrer Vermögenswerte erwarten, was ihren Anteil an allen börsennotierten US-Konzernen auf 40 Prozent erhöhen würde. Anders als Facebook, Google und Amazon dominiere das Dreier-Oligopol dann nicht nur ihren eigenen Markt, sondern die ganze Unternehmenswelt.

"Diese Machtkonzentration ist eine bislang kaum beachtete Schattenseite des Passiv-Booms. Passive Fonds mit breitgestreuten Index-Portfolios können kein aktives Abstimmungsverhalten zeigen, sondern nur allgemeine Regeln aufstellen und von Beratern überprüfen lassen", sage Flossbach. "Passives Investieren mag für das Individuum durchaus sinnvoll sein, stößt aber an seine Grenzen, wenn daraus ein Massenphänomen wird", warne er.

Mit Blick auf das neue Jahr sehe Flossbach Aktien nach wie vor als attraktivste Anlageklasse und rechne mit steigenden Unternehmensgewinnen. Die Bewertung an den Aktienmärkten sei zwar nicht mehr so attraktiv wie in den Vorjahren, habe aber das niedrige Zinsniveau noch nicht angemessen berücksichtigt.

Zudem liege die Gewinnrendite der Unternehmen immer noch deutlich über der Rendite von Anleihen. Ein Ende der Hausse sei daher vorerst nicht absehbar. Angesichts der guten Konjunktur seien etwas höhere Anleiherenditen im Jahr 2018 aber durchaus vorstellbar. (News vom 08.01.2018) (09.01.2018/fc/n/e)