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BVI-Herbstumfrage: Fondsbranche forciert technologischen Wandel - Fondsnews


17.01.19 15:30
BVI

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Fondsbranche steht durch neue Technologien wie Blockchain, Big Data, künstliche Intelligenz und Cloud Computing vor großen Herausforderungen, so die Experten vom BVI.

Die Schwerpunkte lägen dabei auf der Digitalisierung von Prozessen (72 Prozent) und der Modernisierung der EDV (63 Prozent). 40 Prozent würden den Schutz vor Cyber-Angriffen als Investitionsziel angeben. Robo-Beratung stehe weniger im Zentrum des Interesses: Lediglich ein Viertel der Befragten wollten in die automatisierte Vermögensverwaltung investieren. Das habe eine BVI-Umfrage im Dezember unter Führungskräften aller BVI-Mitglieder ergeben. Insgesamt hätten 345 Entscheider an der Umfrage teilgenommen; sie würden rund 3 Billionen Euro Fondsvermögen repräsentieren.

Nach Ansicht der Fondsgesellschaften, würden disruptive Technologien in erster Linie die Administration betreffen (56 Prozent), weniger das Portfoliomanagement (37 Prozent) und den Vertrieb (36 Prozent). Neben der Automatisierung von Prozessen sei insbesondere der Wegfall von Intermediären in der Wertschöpfungskette von Bedeutung. Die in den vergangenen Jahren stark diskutierte Blockchain bzw. Distributed-Ledger-Technologie und die Digitalisierung seien für die Branche zwar keine Wachstumstreiber per se, allerdings rechne sie aufgrund der Rationalisierung von Prozessen mit erheblichen Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen, etwa bei der Bewältigung höherer Compliance- und Reportinganforderungen. Am stärksten verändern werde sich das Portfoliomanagement nach Ansicht der Befragen durch den Einsatz von Big Data (54 Prozent), Algorithmen (53 Prozent) und künstlicher Intelligenz (51 Prozent).

Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI: "Die Fondsbranche wird durch den technologischen Wandel einen Umbruch erfahren. Noch wird der Einsatz von Blockchain, Big Data, künstliche Intelligenz und Cloud Computing regulatorisch und praktisch behindert. Um etwa übertragbare Wertpapiere über die Blockchain auszugeben, müsste Deutschland sein Unternehmensrecht anpassen und die Papierurkunde abschaffen."

Für eine digitale Emission von Wertpapieren mittels Token-Verbriefungen müsste das Wertpapierrecht auf EU-Ebene insgesamt harmonisiert werden. Noch sei es zu fragmentiert. Standards und Regeln würden auch bei der Verwahrung digitaler Wertpapiere fehlen. Damit diese von den Verwahrstellen verwahrt werden könnten, sei die Vergabe digitaler Identifikationsnummern erforderlich. Um Betrug und Diebstahl zu verhindern, müssten zudem der Token-Handel, die Akteure und die Handels- und Abwicklungsplattformen entsprechenden Regulierungen unterliegen wie der MiFID II, der Marktmissbrauchsverordnung und der Wertpapier-Zentralverwahrerordnung. Der BVI setze sich daher für einen stabilen Rechtsrahmen ein, damit die Branche künftig rechtssicher digitale Werte emittieren, erwerben und abwickeln könne.

Grundvoraussetzung dafür sei eine leistungsstarke und moderne IT-Infrastruktur. Entsprechend stark investiere die Fondsbranche der BVI-Umfrage zufolge in ihre IT. 2018 hätten 84 Prozent der Befragten die Investitionen in ihre IT-Infrastruktur erhöhen wollen, 2019 nochmal 73 Prozent. Durch den Ausbau wachse auch der Bedarf an qualifiziertem Personal. 37 Prozent der Befragten würden davon ausgehen, dass die Branche die Zahl der Arbeitsplätze im IT-Bereich 2019 ausbaue. (17.01.2019/fc/n/s)