Warum Unternehmer nach Deutschland zurückkehren

Seite 1 von 1
neuester Beitrag:  23.10.06 11:36
eröffnet am: 17.10.06 22:13 von: BeMi Anzahl Beiträge: 11
neuester Beitrag: 23.10.06 11:36 von: Herzbube Leser gesamt: 3433
davon Heute: 1
bewertet mit 15 Sternen

17.10.06 22:13 #1 Warum Unternehmer nach Deutschland zurückkehr.

DasErste.de - [plusminus - Abenteuer Ausland (17.10.2006)
(http://www.daserste.de/plusminus/....asp?uid=vikxxmom10j048od&cm.asp)
--------------------------------------------------

Warum Unternehmer nach Deutschland zurückkehren

SR, Dienstag, 17. Oktober 2006

Trotz der aktuellen Diskussion um die wachsende Armut:
Es gibt auch Zeichen der Hoffnung.
Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich leicht verbessert. Vielleicht liegt das auch daran, dass manche Firma inzwischen gemerkt hat, dass der Standort „D“ doch nicht so schlecht ist, wie er immer gemacht wird?
Eine Studie des Fraunhoferinstitutes belegt: Schon jedes fünfte deutsche Unternehmen, das einst auszog, um im Osten oder China Kosten zu sparen, kehrt inzwischen reumütig zurück. Darüber wird selten gesprochen – zu selten.

Tresore „made in Germany“

Im letzten Jahr hat die Firma Format einen zweistelligen Millionenbetrag in eine neue Fertigungsanlage in Hessisch-Lichtenau bei Kassel und nicht in ihr polnisches Werk investiert. Vierzig zusätzliche Stellen wurden geschaffen. Auch für Michael S. Der Werkzeugmacher hatte die Hoffnung schon aufgegeben, in seiner Heimat im strukturschwachen Nordhessen noch einmal Arbeit zu finden. Umso glücklicher ist er jetzt: "Ja, das Gefühl, wieder Arbeit zu haben, das ist schon super. Ich sage, nach langer Arbeitslosigkeit ist das in Ordnung, dass man wieder arbeiten gehen kann."

Jahrelang hatte die Firma ihre Tresore wegen der geringeren Löhne in Polen produziert. Acht Stunden brauchte ein Schweißer für einen handgemachten Rohling. Das Werk in Polen hat Format nun dicht gemacht und dort 150 Leute entlassen. In der neuen Fertigungsanlage in Deutschland werden heute nur noch Spezialtresore manuell hergestellt. Ansonsten ist die Produktion hochautomatisiert und effizient – wie in vielen Branchen üblich.

Rainer Grösch, der Geschäftsführer der Format Tresorbau blickt zurück:"Als wir damals die Entscheidung trafen, nach Polen zu gehen, lagen die Lohnkosten in Polen etwa um einen Euro. Sie haben sich inzwischen um das Zehnfache verteuert. Das bedeutet, dass ich heute zwischen zehn und elf Euro Lohnkosten dort habe, die etwa gleich sind mit einem Arbeiter, der jetzt hier in Hessisch-Lichtenau arbeitet."
Die Lohnkosten
Außerdem machen die Löhne in dem hoch automatisierten Werk heute ohnehin gerade mal noch 15 Prozent der gesamten Produktionskosten aus.

Aber es gibt auch noch andere Gründe, warum Format nach Deutschland zurückgekehrt ist, erläutert Rainer Grösch:"Einmal natürlich das Know-how, das wir das nicht transferieren mussten in das Werk nach Polen. Auf der anderen Seite die hohen stetigen Qualitätskosten, die wir dadurch hatten, dass wir ständig überprüfen mussten, ob die Qualität eingehalten wird. Und zum Dritten natürlich eine vorhandene Infrastruktur, die wir hier am Standort Hessisch-Lichtenau hatten."

Schlechte Erfahrungen

Ense in Nordrhein-Westfalen. Die Firma Brökelmann ist spezialisiert auf Alu-Profile. Vor allem die Kunden aus der Automobilindustrie schätzen das Fachwissen und die hohe Qualität des Mittelständlers. In Zukunft wollen sie dafür aber weniger bezahlen. Drei Großkunden drängen massiv darauf, die Produktion in ein Billiglohnland zu verlegen. Obwohl Brökelmann fürchten muss, Aufträge zu verlieren, lehnt er dies ab. Beim Versuch, einfache Profile für Fenster und Türen in Polen herzustellen, hat er schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, erinnert sich Friedrich W. R. Brökelmann, der Geschäftsführer von Brökelmann Aluminium: "Wir haben Schulungen durchgeführt, wie man Systeme herstellt und wie man sie verarbeitet. Und dann ist das genau umgekehrt gelaufen, das heißt: Diese hoch qualifizierten Mitarbeiter sind dann abgewandert, haben sich teilweise selbstständig gemacht - oder sind auch zu Wettbewerbern gegangen und haben das Know-how mitgenommen."

Die Niederlassung in Polen musste Brökelmann aufgeben und die Mitarbeiter entlassen. Gegen die dortige Billig-Konkurrenz konnte er nicht bestehen. Langsam merken seine Kunden allerdings, dass die gewohnte Qualität und Serviceleistung in Polen nicht mehr zu bekommen ist.

Was sagt die Wissenschaft?

Genf - genauer: Die Internationale Arbeitsorganisation ILO, schon 1919 nach dem ersten Weltkrieg gegründet und heute der UNO angegliedert. Hier sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Regierungen aus 178 Staaten vertreten, um internationale Standards für die Arbeitswelt festzulegen und zu überwachen.

Peter Auer ist Leiter der Abteilung Beschäftigungsanalysen und -strategien. Der gebürtige Österreicher beschäftigt sich nicht zuletzt mit den Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitsmärkte. Alle vorliegenden Studien, so sagt er, weisen darauf hin, dass der Verlust an Arbeitsplätzen durch Standortverlagerungen deutlich geringer ist als allgemein angenommen – in Deutschland wie überhaupt in Europa. Peter Auer ist sich sicher: "Es ist ganz klar, dass die Bedeutung der Globalisierung stark überschätzt wird. Die Zahlen geben das nicht her. Wir gehen von fünf Prozent aus, die wir von europäischer Ebene bekommen. Das zeigt, dass das Problem zwar existiert – sicher – und dass das im Einzelnen natürlich auch schmerzhaft ist, wenn eine Firma abwandert. Aber dass nicht die gesamte Wirtschaft abwandert, ist ziemlich klar."

Nicht die Arbeitskosten seien das Hauptproblem in Deutschland, sondern eher die schwache Binnen-Nachfrage und vor allem die Bürokratie.
20 Jahre für einen Flughafen oder 30 Jahre, um dann doch keine Transrapid-Bahn zu bauen. Ansonsten seien die Deutschen Weltmeister darin, den eigenen Standort schlecht zu reden. Außerdem ist es für Peter Auer von der Internationalen Arbeitsorganisation ein Rätsel, warum Deutschland eine solch schlechte Presse hat, obwohl der Standort gar nicht so schlecht ist: "Man ist Exportweltmeister. Wer kann dann sagen: Deutschland ist absolut nicht wettbewerbsfähig? Das ist doch lächerlich."

Know-how-Transfer ganz anders!

Zurück nach Deutschland. Eginhard Vietz war sicher, dass ihm in China keine Anfängerfehler passieren würden. Schließlich hatte er seine Werkzeuge für den Pipelinebau schon jahrelang dorthin geliefert. Als seine Partner dann ein Joint Venture-Unternehmen gründen wollten, wurde er schwach. Zu verlockend waren die Versprechungen. Heute weiß der Inhaber und Geschäftsführer von Vietz Pipeline Equipment, Eginhard Vietz, dass es nur darum ging, sein „firmeninternes Fachwissen“ zu bekommen: "Man hat ganz genau versucht, diese Schlüsseltechnologie in eigener Regie zu produzieren und da bin ich, wie gesagt, von höchster Stelle ausgeplündert worden. Die Produktion, die wir aufgezogen hatten, war nur eine Täuschung, um mein Vertrauen zu gewinnen. Und man hatte ganz klar ein paar Kilometer weiter schon 1:1 nachgebaut."

2004 gehörte Vietz zur Delegation des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, als dieser in China für mehr Zusammenarbeit warb. Vietz war damals von den unbegrenzten Möglichkeiten begeistert. Heute schätzt er den unmittelbaren Schaden auf rund eine Million Euro.

Viel mehr Sorgen macht ihm aber, dass die Chinesen inzwischen 1:1-Nachbauten seiner Maschinen zu Spottpreisen auf dem Weltmarkt anbieten: "Nicht nur die eine Million, sondern das Know-how, das dort von dem mittelständischen Unternehmer nach China gebracht wird, das ist auch noch weg und dann wird der Wettbewerber aus Asien wesentlich billiger die Produkte anbieten und den Weltmarkt damit bedienen. Und der deutsche Unternehmer hat dann das Nachsehen - nicht nur in China, sondern auch in Deutschland. Mit den eigenen Produkten wird er dann geschlagen."

Ein zweifelhaftes Kompliment

Auch am Profilhersteller Brökelmann waren chinesische Firmen interessiert. Denn trotz modernster Maschinen gelang es ihnen nicht, hochwertige Profile für die Autoindustrie herzustellen. Brökelmann hat dankend abgelehnt: "Wir werden unser technisches Know-how nicht an die Chinesen oder an andere weitergeben. Das ist unser Know-how, da stehen wir dahinter. Und das ist auch das, was die Arbeitsplätze hier in Deutschland sichert - und das ist unser Hauptanliegen."

Ansonsten kann er die Anfrage aber durchaus als Kompliment für seine Firma betrachten. Denn kopiert zu werden gilt in China als Ehre, die nur den Besten der Besten zuteil wird.

Ein Beitrag von Ingo Blank und Wolfgang Wirtz-Nentwig

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 17.10.2006 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.


Moderation
Moderator: Schwedenkugel
Zeitpunkt: 23.01.07 12:47
Aktion: -
Kommentar: Regelverstoß - Bitte in Zukunft die Quellenangabe nicht vergessen!

 

 

Bewertung:
15

17.10.06 22:47 #2 Die Unternehmer kehren nach DE zurück,
weil sie immer häufiger feststellen, daß ein gut ausgebildeter deutscher Fachmann/frau günstiger ist, als selbst 20 billige, aber ungebildete Chinesen.

MfG/Johannah  
18.10.06 00:21 #3 Jetzt übertreibt Du aber einwenig!
18.10.06 01:26 #4 Sehr interessant!
Brökelmann hat dankend abgelehnt: "Wir werden unser technisches Know-how nicht an die Chinesen oder an andere weitergeben. Das ist unser Know-how, da stehen wir dahinter. Und das ist auch das, was die Arbeitsplätze hier in Deutschland sichert - und das ist unser Hauptanliegen."
 
18.10.06 09:26 #5 Ja, die Gier auf das schnelle Geld...
"Viel mehr Sorgen macht ihm aber, dass die Chinesen inzwischen 1:1-Nachbauten seiner Maschinen zu Spottpreisen auf dem Weltmarkt anbieten: "Nicht nur die eine Million, sondern das Know-how, das dort von dem mittelständischen Unternehmer nach China gebracht wird, das ist auch noch weg und dann wird der Wettbewerber aus Asien wesentlich billiger die Produkte anbieten und den Weltmarkt damit bedienen. Und der deutsche Unternehmer hat dann das Nachsehen - nicht nur in China, sondern auch in Deutschland. Mit den eigenen Produkten wird er dann geschlagen."

Anscheinend versteht man in Deutschland so langsam, daß die Chinesen nicht nur ein attraktiver Markt sind sondern total abgewichste Geschäftsleute.

Viele Grüße
Herzbube  
18.10.06 11:58 #6 Die Tricks u. Denkweisen der Chinesen durchscha.
36 Strategeme für Manager
                           

von: von Senger, Harro

Der Autor stellt 36 Techniken der List vor, wie sie in China seit vielen Jahrhunderten gepflegt werden. Diese Strategeme sollen helfen, sich selbst vor "listigen Manövern" zu schützen und sie zum eigenen Vorteil zu nutzen.

München / Wien, Carl Hanser Verlag, 222 Seiten (2004)
ISBN 3446228446

Weisheiten aus dem fernen Osten erfreuen sich seit geraumer Zeit einer großen Beliebtheit. Nun schickt sich die chinesische Volkswirtschaft auch noch an, eine der führenden in der Welt zu werden. Grund genug, meint der Autor Harro von Senger, mehr von den chinesischen Weisheiten zu lernen - gerade auch im Management.

Der zentrale Begriff ist die "List". Sie ist nach Meinung von Sengers ein wichtiges Element, um als Manager und Unternehmen erfolgreich zu sein. Aus diesem Grunde lässt sich einiges aus dem chinesischen Wissen um den Einsatz von List lernen. Das sind seine Strategeme, von denen der in diesem Buch 36 vorstellt. Grundlage sind die 36 Strategeme aus dem geheimen Buch der Kriegskunst - Sanshiliu Ji aus der Zeit um 1500. Dort sind Strategeme beschrieben wie:

Im Osten lärmen, im Westen angreifen.
Hinter dem Lächeln einen Dolch verbergen.
Den Tiger vom Berg in die Ebene locken.
Die Akazie schelten, auf den Maulbeerbaum zeigen.
Rechtzeitiges Weglaufen ist bei sich abzeichnender völliger Ausweglosigkeit das Beste.
Zunächst erläutert von Senger, warum der Begriff "List", für den er den Begriff "Strategem" setzt, nicht negativ gemeint ist. Denn diese negative Bedeutung wird ihm im deutschen zunächst immer zugesprochen. Um dies auszuräumen grenzt er den Begriff List/Strategem von anderen Begriffen wir Strategie, Täuschung, Lüge und Weisheit ab.

Im Hauptteil seines Buches erläutert von Senger dann sehr ausführlich, welche Bedeutung jedes einzelne der 36 Strategeme für Manager haben kann. Jedem Strategem ist ein eigener Abschnitt gewidmet. Es wird vorgestellt, an Beispielen erläutert, gezeigt, wo in der Wirtschaft oder Politik es bereits angewendet wurde, welche Erfolge man damit erzielen kann, wie man ihm begegnen kann (gewissermaßen das Gegen-Strategem bzw. die Strategem-Prävention) und das Risiko, das mit seiner Anwendung verbunden sein kann.

Dabei sortiert von Senger die Strategeme in folgende Gruppen und Anwendungsbereiche:

Verschleierung
Vorspiegelung
Enthüllung
Ausmünzung
Verkettung
Flucht

In vielen Fällen ist es schwierig, die allgemeinen Strategeme und die Beispiele, mit denen von Senger sie erläutert, auf den Alltag in einem Unternehmen zu übertragen. Sie bleiben abstrakt, die Beispiele stammen aus sehr unterschiedlichen Anwendungsbereichen (oft aus der Politik, wo man die Strategem-Anwendung schon besser zu beherrschen scheint). Gleichwohl sind sie wertvolle Gedankenanstöße, die helfen, auch einmal einen Umweg zu gehen, um das Ziel zu erreichen. Geistige Flexibilität, Denken, das seine Richtung ändert - das sind Führungs-Qualitäten, die leicht vergessen werden, die aber gerade heute so wichtig sind. Das stellt von Senger noch einmal in das Blickfeld.

 
18.10.06 12:36 #7 unter anderem ...
... weil die lohnkosten in polen tschechien und einigen chinesischen regionen steigen und die in deutschland seit einigen jahren eher stagnieren. gut so. anstatt für popelige 2,3% mehr sollten die dgb-mitglieder in zukunft nicht mehr vor den werkstoren herumstehen, sondern -ganz im sinne stabiler arbeitsplätze- mit fackeln und lanzen berlin stürmen: maximaler steuersatz: 20% und das ding läuft.  
18.10.06 16:45 #8 brokeboy
Verdienen die DGB-Mitglieder (Arbeiter) echt
so viel im Monat, dass sie über 20 % LSt zahlen??

Beispiel:

Brutto/Monat:         5.999,99 €
LSt/ St.Kl.III           1.145,50 €

                = 19 %  
18.10.06 17:26 #9 hmmm
vielleicht habe ich mich da falsch ausgedrückt - es geht mir mit den 20% nicht nur um die lohnsteuer... wenn du mal alles zusammenrechnest, was in unserem adlerhorst auf nimmerwiedersehen verschwindet, dann sieht die sache nämlich seeehr traurig aus aus - die holen von jedermanns wertschöpfung fast die hälfte ab - teilweise noch mehr.  
18.10.06 17:38 #10 soso, brokeboy
Was Beck meint, ist wohl die Steuerquote,
welche die Summe der erhobenen Steuern im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ausdrückt.

Sie liegt zwar nicht unter, sondern knapp über 20 Prozent,

ansonsten hat Beck aber recht.
Im Vergleich mit anderen Industrienationen weist Deutschland eine außergewöhnlich niedrige Steuerquote auf.

aus:
http://www.wams.de/data/2006/04/23/877633.html

 
23.10.06 11:36 #11 Das ist zutreffend und auch wieder nicht
Zutreffend ist, daß die Steuerquote in Deutschland relativ gesehen niedrig ist. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, da der Staat sich nicht nur über Steuern, sondern auch über Abgaben und Gebühren finanziert. Bei der Wahl der Finanzierungsform gibt es gerade zwischen Abgaben und Steuern einen großen politischen Entscheidungsspielraum. Interessanter als die Steuerquote ist daher die Staatsquote. Das ist der Anteil volkswirtschaftlichen Gesamtleistung, die der Staat für sich beansprucht. Und das ist in Deutschland eine ganze Menge. 46,7% im letzten Jahr. Und das ist die niedrigste seit 13 Jahren.

Viele Grüße
Herzbube

 
Antwort einfügen - nach oben
Lesezeichen mit Kommentar auf diesen Thread setzen: