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AS-Fonds für Börsenanfänger 10.01.2000 - 00:00:00 Uhr
FC Research
Seit der Einführung der sogenannten "Altersvorsorge Sondervermögen", kurz AS-Fonds im Herbst 1998 sei es mittlerweile wieder ziemlich ruhig um diesen Fondstyp geworden, schreibt FC Research in einer aktuellen Studie. Und dabei sei der damals betriebene Werbeaufwand doch recht beachtlich und AS-Fonds als eine neue Säule der Altersvorsorge von den Gesellschaften, aber auch von politischer Seite lautstark angepriesen worden. Nun habe aber die Bezeichnung "Altersvorsorge Sondervermögen", wie sie nach Ansicht von FC Research wohl nur in deutschen Beamtenstuben entstehen könne, sicher nicht gerade dazu beigetragen, AS-Fonds als besonders neu und innovativ erscheinen zu lassen, aber das allein könne nicht der Grund sein, warum es mittlerweile wieder so still um diese Fonds geworden ist, so die Analysten. Betrachte man die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die der Auflage von AS-Fonds zugrunde liegen, dann hör sich davon einiges vordergründig recht gut an. So müssten AS-Fonds kraft Gesetz zu mindestens 21 Prozent in Aktien investiert sein, dürfen den Aktienanteil aber wiederum auch nur auf maximal 75 Prozent des Fondsvolumens hochfahren. Auch dürfen maximal 30 Prozent des Fondsvermögens in nicht abgesicherten Fremdwährungen angelegt werden, und derivate Instrumente wie zum Beispiel Optionsscheine dürfen ausschließlich zur Absicherung bestehender (Aktien- oder Renten-)Positionen eingesetzt werden, nicht aber als eigenständiger Teil des Portfolios. Desweiteren müsse die Gesellschaft für einen AS-Fonds flexible Anspar- und Auszahlpläne anbieten und muß zudem eine kostenfreie Umschichtung nach Ablauf von drei Vierteln der Vertragslaufzeit ermöglichen, so daß der Anleger gegen Ende des geplanten Anlagezeitraums kostenlos von einem eher aktienlastigen AS-Fonds in einen mehr renten- und immobilienlastigen AS-Fonds oder auch in einen reinen Rentenfonds wechseln könne. Immobilien dürfen bis zu 30 Prozent des Fondsvermögens ausmachen, sei dies nun in Form tatsächlicher Investitionen in Immobilien oder in Form von Anteilen Offener Immobilienfonds. Dieser an sich recht hohe Wert wurde bewußt gewählt um die Schwankungen der AS-Fonds ausdrücklich gering zu halten. Der Gesetzgeber hat sich bei diesen grundlegenden Rahmenbedingungen unter anderem auch an den bislang positiven Erfahrungen amerikanischer und britischer Pensionsfonds orientiert. Durchleuchtet man diese einzelnen Punkte etwas genauer, werden nach Ansicht der Analysten aber auch recht schnell die dadurch für den Anleger entstehenden Nachteile deutlich. Da wäre insbesondere der mit bis zu 30 Prozent sehr hohe Immobilienanteil, der zwar einerseits dem AS-Fonds eine gewisse Stabilität gewährleiste, andererseits aber eine überdurchschnittliche Performance von vornherein verhindere. Bedenkt man, daß die meisten Offenen Immobilienfonds in den letzten Jahren Mühe hatten, im Laufe eines Jahres wenigstens den zu bezahlenden Ausgabeaufschlag wieder gutzumachen, erkenne man recht schnell, daß damit keine Topperformance zu erzielen sei. Eine Immobilien-Gewichtung von 20 oder gar 30 Prozent in einem AS-Fonds wirke sich daher wie ein Bremsklotz auf die Performance aus. Und in Anbetracht der doch eher langfristigen Anlageidee der AS-Fonds verbiete sich eine solch hohe Immobilien-Gewichtung eigentlich von selbst, so die Analysten von FC-Research. Das Angebot von Spar- und Auszahlplänen an sich sei auch nichts umwerfend neues, die meisten Gesellschaften bieten dies mittlerweile an. Ein deutlicher Vorteil von Sparplänen für AS-Fonds hätte nur dann bestanden, wenn die regelmäßigen Sparraten der Anleger steuerlich begünstigt worden wären. Hier habe der Gesetzgeber jedoch, wieder einmal, gekniffen, wobei die starke Lobby der Versicherungsbranche wohl auch ihren Einfluß geltend gemacht habe. Nicht einmal für VL-Sparpläne (staatlich geförderte Vermögenswirksame Leistungen) können AS-Fonds derzeit herangezogen werden. Lediglich im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge kann eventuell in einen AS-Fonds gespart werden, die Angebote hierfür sind jedoch äußerst dürftig und auch hierbei gibt es für den Sparer keinerlei zusätzliche steuerliche Anreize, wie sie zum Beispiel bei Direktversicherungen bestehen. Betrachtet man die Wertentwicklung der zurzeit circa 45 angebotenen AS-Fonds zum Ultimo 1999, so ergebe sich bei den drei Spitzenreitern eine Jahres-Performance bis circa 75 Prozent. An der Spitze seien hier sicher nicht zufällig die Fonds, die bereits im Namen ihren Schwerpunkt auf die Aktienanlage deutlich machen, wie zum Beispiel der "ADIG AS AktivDynamik" (WKN 978696) und der "DWS Vorsorge AS Dynamik" (WKN 976988) mit jeweils circa 75 Prozent Wertsteigerung, sowie der "Deka Privatvorsorge AS" (WKN 978620) mit circa 72 Prozent Wertsteigerung in 1999. Bei allen drei Spitzenreitern falle auf, daß sie laut ihren Bedingungen den zulässigen Aktienanteil von maximal 75 Prozent in der Regel voll ausschöpfen, während der Immobilienanteil deutlich gering beziehungsweise teils auf Null gehalten werde. Am unteren Ende der Skala finden sich dagegen der "FT Life-Invest Classic" (WKN 977030), der "DIT Altersvorsorge 55plus" (848194), sowie der "BWK Kontinuität AS" (978039). Allen drei Schlußlichtern gemeinsam sei die vergleichsweise eher magere Wertentwicklung von rund 15 Prozent in 1999, ein Aktienanteil von jeweils deutlich unter 50 Prozent, sowie der hohe Immobilienanteil, der beim FT und BWK sogar die zulässige Obergrenze von 30 Prozent erreichen könne. Noch schlechter, allerdings etwas außer Konkurrenz ist der "BfG Generation Rent" (WKN 976923), der zu 100 Prozent in Rentenpapieren investiert und daher kein ´richtiger´ AS-Fonds ist, aber von der BfG ausdrücklich zur Umschichtung und für die Auszahlphase des in AS-Fonds angesparten Vermögens aufgelegt wurde und der 1999 ein Minus von etwas über 2 Prozent verbuchen mußte. Für obige Auswertung hat FC-Research nur die AS-Fonds berücksichtigt, die bereits Anfang 1999 aufgelegt waren. Somit war jeder Fonds das ganze Jahr 1999 über ´im Spiel´ und konnte sich bewähren. Eine Übersicht über alle derzeit angebotenen AS-Fonds bietet der BVI unter www.bvi.de an. Die Kosten der AS-Fonds bewegen sich im Rahmen des üblichen, so betrage der Ausgabeaufschlag meist zwischen akzeptablen drei und eher fragwürdigen 5,25 Prozent. Agiofreie AS-Fonds wie sie zum Beispiel von Metzler oder von Entrium (ex Quelle-Bank) angeboten werden sind dagegen die Ausnahme. Positiv zu werten ist, daß die Erträge der AS-Fonds grundsätzlich thesauriert (reinvestiert) werden, was den langfristigen Anlagecharakter unterstreicht. Nichtsdestotrotz können die Anteile jederzeit zurückgegeben werden, so daß der Sparer bei Bedarf jederzeit über sein Kapital verfügen kann. Dieser grundsätzliche Vorteil von Fonds widerspricht jedoch dem ausdrücklichen Ziel der langfristigen Altersvorsorge der AS-Fonds entschieden. Hier hätte nach Ansicht der Analysten eine gewisse ´Erziehung´ der Anleger zu langfristiger Anlage von Seiten des Gesetzgebers, zum Beispiel in Form einer Mindestanlagedauer, verbunden mit steuerlichen Vorteilen, sicher nicht geschadet. Auch ist es von Seiten der Gesellschaften in den letzten Monaten auffallend ruhig geworden um die AS-Fonds, sie werden kaum noch öffentlich beworben. Auch dass seit Mai 1998 gerade mal zwei neue AS-Fonds aufgelegt wurden ist ein deutliches Zeichen. Was aber letztendlich niemanden verwundern dürfte, haben die Gesellschaften doch mit den dutzenden neuer Branchen- und Themenfonds weitaus zugkräftigere Pferde im Stall, die zudem auch noch deutlich sprintstärker sind, zumindest angesichts der aktuellen Börsensituation. Dass AS-Fonds und Branchenfonds zwei völlig unterschiedliche Anlegergruppen ansprechen scheint hierbei aber völlig vergessen zu werden. Sind AS-Fonds damit überhaupt noch nötig und haben sie eine Zukunft? fragt FC-Research, und kommt zu dem Schluß: Ja, denn auch sie tragen ihren Teil dazu bei, die Fondsanlage an sich einem größeren potentiellen Kundenkreis schmackhaft zu machen. Denn viele konservative deutsche Anleger, die bislang neben Sparbuch und Lebensversicherung kaum eine andere Form der Geldanlage kannten (bzw. für seriös betrachteten) werden mit Hilfe der AS-Fonds an die Hand genommen und behutsam an die Börse herangeführt. Und nicht zuletzt habe die zumindest anfangs breite öffentliche Diskussion um AS-Fonds sicherlich auch dazu geführt, das Thema private Altersvorsorge und die zwingende Notwendigkeit der Eigeninitiative noch stärker ins Bewußtsein der Bevölkerung zu tragen. Dies allein schon ergebe einen langfristig positiven Effekt, sowohl gesellschaftlich durch die wachsende Erkenntnis ob der Wichtigkeit privater Altersvorsorge angesichts eines nicht mehr zukunftsfähigen staatlichen Rentensystems, als auch in Bezug auf die weitere Börsenentwicklung, da im Rahmen dieser wachsenden Erkenntnis künftig neue Mittel an die Kapitalmärkte gelangen würden, die bislang noch auf Sparbüchern dahinvegetieren. Für engagierte und informierte Anleger, die sich schon über Jahre mit den Märkten und der Aktien- und Fondsanlage beschäftigen, besteht dagegen kein überzeugender Grund in AS-Fonds zu investieren, resümiert FC Research. Für die wirklich langfristige Kapitalanlage sind reine Aktienfonds oder auch gut gemanagte Mischfonds mit Aktien und Anleihen, aber ohne Immobilienanteil, sicherlich die bessere Anlageform. Und wer einen Teil seines Vermögens auf jeden Fall in Immobilien investieren will sollte lieber auf reinrassige Immobilienfonds zurückgreifen oder gleich in die eigenen vier Wände investieren. AS-Fonds werden daher wohl auch künftig ein Nischenprodukt der Fondsszene bleiben, nichtsdestotrotz haben sie in dieser Nische ihren festen und berechtigten Platz.
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