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Finanzmarkt Volatilität und ihre Auswirkungen


10.03.2010 - 15:01:12 Uhr
Berenberg Bank

Hamburg (aktiencheck.de AG) - Während Schwankungsbarometer (wie z. B. VDAX) von Anlageprofis gezielt in ihrem Asset Management berücksichtigt werden, machen sie manch unbedarftem Anleger nicht selten einen dicken Strich durch die Renditerechnung, so die Analysten der Berenberg Bank.

Der Begriff "Volatilität" und seine Auswirkungen sollten im Folgenden näher erläutert werden.

Üblicherweise werde die Standardabweichung als Kennzahl der Volatilität verwendet. Berechnet werde sie nicht für den Kurs selbst, sondern für dessen Veränderungsrate. Oft jedoch würden die Standardabweichung und damit auch die Volatilität fehlinterpretiert. Weit verbreitet sei die Ansicht, dass eine Kursreihe volatil sei, wenn sie häufig die Richtung wechsle. Das sei jedoch schlichtweg falsch. Die Standardabweichung messe nicht die Häufigkeit der Richtungswechsel, sondern vielmehr die Abweichungen vom Mittelwert. Bei einem Geldmarktfonds mit niedriger Volatilität sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der morgige Ertrag dem kurzfristigen Durchschnitt entspreche. Bei einem Aktienfonds mit hoher Volatilität sei die Wahrscheinlichkeit dagegen viel niedriger. Die Standardabweichung messe also das Risiko, dass der tatsächliche zukünftige Ertrag nicht dem durchschnittlichen Ertrag entspreche.


Würde man eine Aktie kaufen, deren durchschnittlicher Ertrag bei +25% liege? Und zwar mit Sicherheit in den nächsten zwei Jahren? Das klinge nach einem bedenkenlosen Kauf. Was aber, wenn der Kursverlauf extrem schwanke? Eine Aktie, die im ersten Jahr von 100 auf 200 steige, verzeichne einen Gewinn von 100%. Falle die Aktie im zweiten Jahr von 200 auf 100, betrage der Verlust lediglich 50%. Der durchschnittliche jährliche Ertrag liege bei +25%, der tatsächliche jedoch bei null. Wie könne das sein? Der durchschnittliche jährliche Ertrag sei nämlich nur dann ein guter Indikator, wenn die Volatilität niedrig sei.

Man sehe an dem simplen Beispiel, dass die Volatilität den tatsächlichen Ertrag nie positiv beeinflussen könne. Bekannt sei der Zusammenhang unter dem Begriff "volatility tax". Der Ausdruck betone den negativen Aspekt der Volatilität, der den tatsächlichen Ertrag reduziere und wie ein Steuerabzug wirke.

Volatilität scheine unberechenbar zu sein. Jedoch trete Volatilität in Klumpen auf. Ein Anstieg der Volatilität sei kein isoliertes Ereignis, sondern gehe mit einer Phase erhöhter Volatilität einher. Wenn man die Schwankungsbreite seines Portfolios konstant halten möchte, sei man in der Regel gut beraten, bei steigender Volatilität das entsprechende Portfoliogewicht zu reduzieren. In welchem Umfang dies geschehen müsse, hänge davon ab, wie sich die Volatilitäten der anderen Vermögenswerte und die Korrelationen verändern würden.

Volatilität bleibe gefährlich wenn sie unkontrolliert und zu hoch sei. So laute das Fazit. Viele Anleger seien sich dieser Gefahr nicht bewusst. Ihre Anlagestrategie sei ertragsorientiert. Risiken würden erst wahrgenommen, wenn sie sich als Verluste manifestiert hätten. Der Übergang von einem ertragsorientierten Anleger zu einem risikoorientierten Anleger sei nicht ganz einfach. (10.03.2010/ac/a/m)


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