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Überzogene Erwartungen an OPEC schicken Ölpreise erneut auf Talfahrt


07.07.17 09:49
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.fondscheck.de) - Für acht Handelstage in Folge ging es für die Ölpreise nach oben, die längste Aufwärtsbewegung in diesem Jahr, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die Analysten sähen das als eine technische Gegenbewegung, nachdem zuvor das Preisniveau in der Folge der OPEC-Sitzung vom Mai kräftig gefallen sei. Der Ölpreis habe jedoch nicht die psychologisch wichtige Marke von 50 US-Dollar/Barrel (Brent) erreicht, sondern sei am Mittwoch erneut abgesackt. Auslöser seien Kommentare aus Russland gewesen, dass man weitere Produktionskürzungen, wie sie bereits im Rahmen des OPEC-Deals beschlossen worden seien, nicht unterstützen würde. Aus Sicht der Analysten der HSH Nordbank AG ist die Position Russlands nachvollziehbar, allerdings brachte die Äußerung unnötige Unruhe in den Markt. An den Märkten sei bislang eine Ausweitung des Abkommens praktisch gar nicht diskutiert worden. Belastet würden die Preise zudem von einer höheren Fördermenge aus Libyen und Nigeria. Der Brent-Ölpreis notiere gegenwärtig bei 48,40 US-Dollar/Barrel.

Doch die sich seit Mitte März wiederholenden Ausverkäufe an den Ölmärkten seien in einen breiteren Rahmen einzuordnen: Sie seien eine eindeutige Demonstration dafür, dass Rohstoffe keine antizipatorischen Asset-Klassen seien. D.h. Rohstoffe würden nicht nach Erwartungen gehandelt, sondern vielmehr nach den unmittelbaren Fundamentaldaten. Das physische Angebot und die physische Nachfrage seien also entscheidend für die Herstellung des Marktgleichgewichts. Dies sei ein wichtiger Unterschied zu Aktien, die als antizipatorische Asset-Klassen gelten würden. D.h. Aktienkurse würden dann steigen, wenn die Erwartungen an künftige Cash-Flows oder den Gewinn je Aktie höher eingeschätzt würden.

Diese Einsicht scheine sich aber erst jetzt durchzusetzen. Denn nach der OPEC-Sitzung Ende vergangenen Jahres hätten viele Investoren noch Erwartungen gehandelt: Die Ölpreise hätten nach der Ankündigung Ende 2016, die Fördermenge um 1,8 Mio. Barrel/Tag zu kürzen, kräftig zugelegt, in der Erwartung, dass möglicherweise ein halbes Jahr später ein Defizit an den Ölmärkten eintreten könnte. Dies habe der US-Schieferölindustrie genügend Zeit gegeben, um auf die gestiegenen Preise zu antworten. Die Schieferölindustrie hat seither die Fördermenge um mehr als 530 Tsd. Barrel/Tag ausgeweitet (zum Vergleich: Die Prognose der Analysten der HSH Nordbank AG aus dem Dezember 2016 lag bei 600 bis 700 Tsd. Barrel/Tag für das Gesamtjahr 2017).

Jetzt zeige sich, das die fundamentalen Angebots- und Nachfragekonstellationen der physischen Marktteilnehmer die Preise an den Ölmärkten bestimmen würden, und dass sich spekulative Preisbewegung wegen der kurzen Reaktionszeit der US-Fracking-Industrie (sowohl in Bezug auf Produktionssteigerungen als auch in Bezug auf Produktionskürzungen) nur über einen kurzen Zeitraum halten könnten.

Konkret bedeute dies, dass die Ölpreise gemessen an den Fundamentaldaten zu niedrig seien, während sie nach der OPEC-Sitzung zu hoch gewesen seien. Entsprechend optimistisch blicken die Analysten der HSH Nordbank AG nun in die allmählich an Fahrt gewinnende Sommerfahrsaison in den USA. Sie würden daher über die nächsten Monate zunächst höhere Ölpreise erwarten. (Ausgabe vom 06.07.2017) (07.07.2017/fc/a/m)