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Strukturelle Wachstumstreiber der Schwellenländer


29.11.17 10:01
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Carlos von Hardenberg, Executive Vice President und Managing Director der Templeton Emerging Markets Group, erklärt, wie die sich wandelnde Verbraucherdynamik in den Schwellenländern die Nachfrage nach neuen und innovativen Gütern und Dienstleistungen vorangetrieben hat.

Wir haben einige weit verbreitete Missverständnisse in Bezug auf Schwellenmärkte aufgedeckt, die dazu führen könnten, dass vereinzelte Anleger Chancen in dieser dynamischen Anlageklasse verpassen, so die Experten von Franklin Templeton. Eines davon sei, dass sich die hier gebotenen Anlagemöglichkeiten in erster Linie auf Rohstoffe beziehen würden. Eine kürzlich von Franklin Templeton gesponserte Umfrage unter Anlegern in Großbritannien bestätige dies - auch wenn der Mythos ein wenig zu verblassen scheine.

Etwa die Hälfte der Teilnehmer der Franklin Templeton-Umfrage habe Schwellenländer mit traditionellen Industrien wie Rohstoffen (56%) und dem Verarbeitenden Gewerbe (50%) verbunden, während 42% von ihnen diese Länder mit Informationstechnologie in Verbindung gebracht hätten.

Es scheinen zwar weiterhin Missverständnisse zu bestehen, die Realität ist jedoch, dass viele Schwellenländer ihr Tätigkeitsspektrum deutlich ausgeweitet haben, so die Experten von Franklin Templeton. Daher würden sich die Experten freuen, dass Anleger dies allmählich zur Kenntnis nehmen würden. Schwellenländer seien nicht mehr eindimensional. Man beobachte die Entwicklung einer völlig neuen Generation innovativer Unternehmen in Schwellenländern. Dies diversifiziere nicht nur die Volkswirtschaften dieser Länder, sondern auch die Chancen, die sich für Anleger eröffnen würden.

Gleichzeitig sei die Mittelschicht in den Schwellenländern auf dem Vormarsch. Die gestiegene Kaufkraft der Verbraucher habe lokale Unternehmen dazu veranlasst, auf die Nachfrage nach neueren Arten von Gütern und Dienstleistungen einzugehen. Die Experten von Franklin Templeton gehen davon aus, dass dieser Trend das Wachstum und die Innovation in den Schwellenländern weiter bestimmen wird. So sei Technologie inzwischen zu einem der größten Sektoren im MSCI Emerging Markets Index geworden.

Der Technologiesektor als Ganzes hat unser Leben grundlegend verändert, so die Experten von Franklin Templeton. 1982 sei etwa das Patent für den weltweit ersten kommerziellen CD-Player in den USA erworben worden, und jede CD sei für ca. 14 USD verkauft worden. Heute könnten Nutzer dank Cloud-Technologie für eine geringere Summe auf Millionen von Musiktiteln zugreifen - und das, ohne eine physische Schallplatte oder CD zu benötigen.

Darüber hinaus werde inzwischen fast die Hälfte der Patentanmeldungen weltweit in Schwellenländern registriert - Technologie habe die Schwellenländer innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums verändert.

Die Experten von Franklin Templeton sind davon überzeugt, dass viele Unternehmen aus den Schwellenländern Spielraum haben, um schneller zu wachsen als viele Unternehmen in den Industrieländern. Diese Schwellenmarktunternehmen würden nicht nur eine dynamische inländische Verbraucherbasis bedienen, sondern würden auch einen immer größeren Anteil an den weltweiten Exporten erobern.

Aus Sicht der Experten seien die Investitionen in den Technologiesektor der Schwellenländer bislang unzulänglich. Sie würden Wert in vielen Bereichen sehen, etwa bei E-Commerce-Unternehmen in Mittelamerika, bei Komponentenentwicklern in Taiwan und Südkorea sowie im Digital Banking-Sektor in Südafrika und Asien.

Vielen Technologieunternehmen in Schwellenländern sei es gelungen, sehr schnell zu wachsen, wobei mit einem relativ hohen Marktanteil stets auch ein Wettbewerbsvorteil verbunden sei. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich dieses Wachstum noch eine ganze Weile fortsetzen könnte.

Für die Experten von Franklin Templeton ist Technologie eine spannende Branche, die sie genau im Auge behalten. Was die Nachfrage nach diesen Arten von Gütern und Dienstleistungen jedoch wirklich ankurble, sei die Veränderung der demografischen Gegebenheiten in den Schwellenländern. Aus Sicht der Experten sei Asien heute nach wie vor eine der weltweit spannendsten Regionen im Schwellenmarktuniversum.

Die Förderung und der Export von Rohstoffen sei für viele Volkswirtschaften zwar weiterhin von entscheidender Bedeutung, die Region habe sich inzwischen jedoch weit von ihrer traditionellen reinen Rohstofforientierung entfernt. Dies gelte insbesondere für China. Das Land habe die Herstellung relativ billiger Ware inzwischen hinter sich gelassen und stelle heute sehr viel anspruchsvollere Produkte her. Angesichts der veränderten Verbraucherdynamik habe die Nachfrage nach neuen Gütern und Dienstleistungen den Fertigungssektor dazu gebracht, sich auf Neuland zu wagen.

Insgesamt beobachte man, dass eine neue Generation von Unternehmen in aufstrebenden asiatischen Ländern mehr und mehr in wertschöpfende Produktionsprozesse einsteige. Viele dieser Unternehmen hätten ein hohes Maß an Innovationskraft und nachhaltiges Wachstum an den Tag gelegt.

Und dennoch: Auch wenn die reiferen und größeren Volkswirtschaften Asiens zahlreiche potenzielle Chancen bieten könnten, beobachte man gleichzeitig auch großes Interesse an den kleineren asiatischen Ländern. Generell sehe man auf den Philippinen sowie in Indonesien, Indien und Vietnam eine wachsende und zunehmend vielseitige Konsumentenbasis.

So sei allein in Vietnam beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von unter 300 USD im Jahr 1985 auf über 2.000 USD im Jahr 2016 gestiegen. Verbraucher würden nun nach "neueren" Arten von Gütern und Dienstleistungen suchen, die zu ihrer höheren Kaufkraft je Haushalt passen würden. Man beobachte Schwellenmarktunternehmen, die dieses zunehmende und sich verändernde Konsumverhalten mit lokalen Marken und lokal hergestellten Gütern bedienen würden. Eine ganzheitliche Betrachtung der Region Asien mache deutlich, dass der innerasiatische Handel zunehmend an Bedeutung gewinne.

Es gibt zwar einige sich in der Ferne abzeichnende Risiken, die genau im Auge behalten werden müssen, wir glauben jedoch, dass Aktien aus Schwellenländern noch erhebliches Potenzial bergen - insbesondere, wenn wir uns von der Vorstellung trennen, dass sich Investitionen in Schwellenländern ausschließlich auf Rohstoffe beziehen müssen, so die Experten von Franklin Templeton.

Die Experten von Franklin Templeton sind der Ansicht, dass Anleger Schwellenmarktunternehmen aus einer neuen Perspektive betrachten sollten. Wenn man auf die Ergebnisse der Franklin Templeton-Umfrage zurückkomme, sei die größte angegebene Hürde für eine Anlage der Mangel an Wissen gewesen. Von den Befragten hätten 58% angegeben, keine Investitionen in Schwellenländern in Erwägung ziehen zu wollen, da sie der Meinung seien, nicht über den erforderlichen Wissensstand zu verfügen.

Die häufigsten Missverständnisse unter den befragten Anlegern hätten Annahmen zur Volatilität und zum Risiko betroffen - 26% hätten angegeben, kein Engagement in Schwellenländern zu halten, weil sie es als "zu riskant" ansehen würden. Die Experten würden das für eine echte Schande halten.

Auch wenn viele Anleger Schwellenländer als zu riskant abtun, sind die Experten von Franklin Templeton der Meinung, dass die potenziellen Gewinne, die sie langfristig liefern können, nicht ignoriert werden dürfen. Im gegenwärtigen, von niedrigem Wachstum und niedrigen Renditen geprägten Umfeld könnten Schwellenländer Anlegern Zugang zu innovativen, schnell wachsenden Unternehmen bieten, die zu attraktiven Bewertungen gehandelt würden. (Ausgabe vom 22.11.2017) (29.11.2017/fc/a/m)