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Bei Small und Mid Caps sind höhere Renditen nicht zwingend mit höheren Risiken verbunden


23.11.17 16:55
Degroof Petercam

Brüssel (www.fondscheck.de) - "Es mag wie ein Klischee klingen, aber auch große Unternehmen haben einmal klein angefangen. Deshalb ist es umso überraschender, dass kleine und mittlere Unternehmen in diversifizierten Aktienportfolios oftmals außer Acht gelassen werden", stellt Guy Lerminiaux, CIO für die fundamentale Aktienanalyse bei Degroof Petercam AM, fest.

"Small- und Mid Caps bieten im Umfeld eines reifen Bullenmarktes derzeit attraktive Gelegenheiten. Unterbewertungen finden sich insbesondere in Nischenmärkten."

Anlagestrategen seien sich häufig darüber einig, bestimmte Regionen, Sektoren oder Anlagestile zu bevorzugen. Sie seien sich aber selten einig darüber, in welche Marktkapitalisierungen man investieren sollte. Fakt sei, dass Unternehmen mit kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung beständig höhere Renditen erzielen würden. Anleger, die seit der Jahrtausendwende ausschließlich in einen Index der 50 größten Unternehmen der Welt investiert gewesen seien, wäre ein ansehnlicher Teil zusätzlicher Rendite entgangen.

"Ein Large-Cap-Portfolio ist seit Anfang 2003 um etwa 30 Prozent gestiegen, während ein Portfolio aller anderen Unternehmen im MSCI World etwa um 130 Prozent zulegte. Das ist ein recht bedeutender Performanceunterschied, wenn man berücksichtigt, dass die 50 Mega-Marktkapitalisierungen starke Marken und solide Bilanzen haben und extrem rentabel sind", sage Guy Lerminiaux. "Noch bemerkenswerter ist, dass die Mega-Kapitalisierungen beständig eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung im Vergleich zu mittleren und kleineren Unternehmen verzeichneten. Die Outperformance von Small- und Mid Caps wird dabei umso größer, je länger der betrachtete Anlagehorizont ist."

Nach der traditionellen Wirtschaftstheorie seien höhere Renditen stets mit höheren Risiken verbunden. Dies müsse nach Ansicht des Degroof Petercam-Aktienexperten jedoch nicht zwingend für qualitativ hochwertige Small- und Mid Caps gelten - also geringer kapitalisierte Unternehmen, die beständig solide Cashflows generieren und durch einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil eine starke Position in ihren jeweiligen Märkten einnehmen würden.

Die Möglichkeiten, solche hochwertigen Qualitätstitel aufzuspüren, seien immens. Denn 80 Prozent der Titel im weltweiten Aktienuniversum seien Small Caps. Auf sie würden aber nur 20 Prozent der globalen Marktkapitalisierung entfallen.

Die Outperformance von Small und Mid Caps lasse sich jedenfalls nicht mit höherer Rentabilität, höheren Margen, einer solideren Bilanz oder einem unterschiedlichen Mix geografischer Regionen oder Sektoren erklären. Denn diese Kriterien würden weitgehend denen von großen Unternehmen entsprechen und Small- und Mid Caps sogar etwas schlechter abschneiden lassen. Es seien vor allem die höheren Wachstumsraten, die den Hauptunterschied ausmachen würden. Small- und Mid Caps würden sich häufig in einem früheren Stadium ihres Wachstums oder ihres Produktzyklus befinden und hätten daher ein größeres Wachstumspotenzial. Sie seien in der Regel stärker fokussiert und auf ein oder zwei Nischen spezialisiert. Zudem hätten sie eine flexiblere Struktur, also weniger Managementebenen und damit weniger Bürokratie.

"Ein in der Regel stärker ausgeprägter Unternehmergeist ermöglicht kleineren Gesellschaften, neue Trends besser zu nutzen. Eine Kombination dieser Faktoren führt dazu, dass ihr Umsatz schneller steigt als der ihrer großen Mitbewerber. Daher gelingt es ihnen, ein stärkeres Gewinnwachstum zu erzielen. Langfristig führt dies zu einer besseren Wertentwicklung am Aktienmarkt", betone Guy Lerminiaux.

Als weitere Erklärung für die Outperformance von Small- und Mid Caps nenne er Fusionen und Akquisitionen. Sie seien häufig Übernahmeziele von größeren Unternehmen, die neue Technologien, Nischen oder Marktanteile hinzukaufen wollten. Große Unternehmen seien hingegen nur selten Gegenstand eines Übernahmeangebots. Dies erkläre implizit die Underperformance von Mega-Kapitalisierungen im Vergleich zu kleineren Branchenvertretern, deren CEOs keiner Kontrolle eines Konzerns unterlägen.

"Die wahrgenommene schwächere Corporate Governance bei Small- und Mid Caps wird oft als Risikofaktor angeführt. Aber das Risiko, aufgrund einer Akquisition seinen Job zu verlieren, dürfte den CEO eines kleineren Unternehmens stärker motivieren, der Wertschaffung für die Aktionäre eine hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Im Unternehmensdschungel muss sich der CEO eines Unternehmens mit einer Mega-Marktkapitalisierung hingegen keine Sorgen machen, dass er aufgrund einer feindlichen Übernahme seinen Posten verliert, sodass Anleger diesbezüglich keinen Aufschlag zahlen müssen, es sei denn, die Ungewissheit am Markt nimmt zu", sage der Degroof Petercam-Aktienexperte. (23.11.2017/fc/a/m)