Rohölpreise sinken


20.11.17 12:47
Nord LB

Hannover (www.fondscheck.de) - Mit den nachlassenden Sorgen um eine mögliche Eskalation im arabischen Raum sinken auch die Rohölpreise, so die Analysten der Nord LB.

Erstmals seit Anfang Oktober hätten die Rohölmärkte auf Wochensicht ein leichtes Minus verzeichnet und bei 62,32 USD je Barrel für die Nordseesorte Brent und 56,55 USD für den amerikanischen WTI geschlossen. Auch wenn sich die geopolitischen Risiken in der Region keinesfalls gelöst hätten, seien in der vergangenen Woche wieder vermehrt Fundamentaldaten sowie das anstehende OPEC-Treffen am 30.11. in Wien in den Mittelpunkt der Marktteilnehmer gerückt.

Von besonderem Interesse sei der am Dienstag veröffentliche Weltenergieausblick der Internationalen Energieagentur (IEA) gewesen. Entgegen der in einigen Ländern stattfindenden Debatte über das Ende des Automobilverbrennungsmotors und den Ausbau erneuerbarer Energien werden die Experten der Pariser Agentur von einem anhaltenden Nachfragewachstum nach fossilen Energieträgern bis 2040 ausgehen, insbesondere nach Öl und Gas. Zwar werde aufgrund der genannten Klimaschutzbemühungen und technologischen Fortschritts die Nachfrage in Europa und den USA zurückgehen, dieser Effekt würde allerdings durch den wachsenden Bedarf aufstrebender Nationen, dabei vor allem Indien und China, mehr als kompensiert. Dementsprechend rechne die IEA mit einem Anstieg der Rohölnachfrage auf 105 Mio. Barrel pro Tag im Jahr 2040 von derzeit 97 Mio. Barrel. Ein großer Fokus des Berichts habe abermals auf der US-Schieferölproduktion gelegen. 80% des globalen Produktionsanstiegs bis 2025 werde auf die USA entfallen, so der IAE-Chef Fatih Birol.

In dieses Bild passe das am Mittwoch von der amerikanischen Energiebehörde EIA vermeldete erneute Rekordhoch der Ölproduktion in den USA in Höhe von 9,65 Mio. Barrel pro Tag. Darüber hinaus sei ebenfalls ein überraschender Anstieg der US-Rohöllagerbestände vermeldet worden, der preisdrückend gewirkt habe. Bezüglich des Abkommens zur Fördermengenbegrenzung der OPEC und weiterer ölproduzierender Staaten auf dem anstehenden OPEC-Treffen würden sich die Anzeichen verdichten, dass sich die betreffenden Länder auf eine Verlängerung verständigen könnten, über Umfang und Dauer jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt mit besserer Datenlage entschieden werde. Eine verfehlte Kommunikation der OPEC und Russlands zur gemeinsamen Austrittsstrategie könnte tendenziell preisdrückend wirken, da an den Rohölmärkten bereits mit einer Verlängerung des Abkommens gerechnet werde. Die Analysten würden erwarten, dass sich kurz- bis mittelfristig ein Preisniveau von unter 60 USD je Barrel einstellen werde. (20.11.2017/fc/a/m)