Rohölmarkt: Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien nehmen zu


14.11.17 10:16
Nord LB

Hannover (www.fondscheck.de) - Geopolitische Entwicklungen in Saudi-Arabien standen in der vergangenen Woche im Fokus der Rohölmärkte und sorgten zeitweise mit einem Sprung über die Marke von 64 USD je Barrel bei der Nordseesorte Brent für ein neues Zweijahreshoch, so Frederik Kunze und Georg Händel von der Nord LB.

Eine mit Korruptionsbekämpfung begründete Verhaftung mehrerer Prinzen und amtierender sowie ehemaliger Minister im größten Förderland der OPEC habe gewisse Unsicherheiten an den Finanzmärkten ausgelöst. Für besonderes Aufsehen habe jedoch eine Äußerung des saudischen Ministers für Golfangelegenheiten gesorgt, wonach er die Schiiten-Miliz Hisbollah für eine vom Jemen aus abgefeuerte Rakete auf den Hauptstadtflughafen von Riad verantwortlich gemacht und dies als Kriegserklärung des Libanon gegenüber Saudi-Arabien gewertet habe. Diese Vorgänge sowie der überraschende Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten würden auf die zunehmenden Spannungen in der Region insbesondere zwischen den Regionalmächten Iran und Saudi-Arabien hindeuten.

Insofern erscheint der Verweis auf eine nennenswerte Risikoprämie auf die Rohölpreise derzeit gerechtfertigt, wenngleich die Analysten der Nord LB im aktuellen Umfeld nicht von einer weiteren Eskalation ausgehen und entsprechend einen Rückgang bis zum Jahresende unter die 60 USD-Marke für das Barrel Brent erwarten.

Marktseitig seien der Wochenbericht der US Energy Information Administration (EIA) sowie der World Oil Outlook 2040 der OPEC von besonderem Interesse gewesen. Die EIA habe einen neuen Höchststand bei der US-amerikanischen Rohölproduktion (konventionell und Fracking) von 9,6 Mio. Barrel pro Tag vermeldet. Auch die OPEC habe in ihrem Bericht feststellen müssen, dass sich die US-Schieferölproduktion "überraschend widerstandsfähig" zeige. Daher habe sie ihre Prognose für die Frackingindustrie auf 7,5 Mio. Barrel pro Tag im Jahr 2021 heraufgesetzt, eine Erhöhung ihrer Vorjahresprognose um 56%. Gleichzeitig gehe das Kartell von einem konstanten Nachfragewachstum nach dem fossilen Energieträger bis 2040 aus.

Basierend auf positiven Wirtschaftswachstumsaussichten würden die Experten der OPEC erwarten, dass der weltweite Rohölbedarf von heute 97 Mio. auf 111 Mio. Barrel im Jahr 2040 ansteigen werde. Getrieben würde dieser Zuwachs vor allem durch den wachsenden Hunger einiger Entwicklungsländer, konkret Indien und China, nach dem schwarzen Gold, wohingegen aufgrund schrumpfender Bevölkerungszahlen und technologischen Fortschritts die Nachfrage der Industrienationen nachlassen sollte.

Diese Aussichten würden wohlmöglich auch Einfluss auf die anstehenden Beratungen der OPEC und weiterer ölproduzierender Staaten zur Verlängerung der Fördermengenbegrenzung haben. Das Meeting des Kartells am 30. November in Wien werde nun zunehmend in den Mittelpunkt der Marktteilnehmer rücken. Die Analysten der Nord LB gehen von einer Verlängerung des Deals aus, was letztlich in den aktuellen Notierungen schon weitgehend eingepreist sein dürfte. Entsprechend sähen sie kein nachhaltiges Aufwärtspotenzial. Vielmehr leite sich nunmehr schon ein gewisses Enttäuschungspotenzial ab. (Ausgabe vom 13.11.2017) (14.11.2017/fc/a/m)