Rohöl: Verlängerung der Fördermengenbegrenzungen wahrscheinlicher


09.10.17 12:38
Nord LB

Hannover (www.fondscheck.de) - Erstmals seit Anfang September verbuchen die globalen Rohölnotierungen auf Wochensicht ein Minus, so Frederik Kunze und Georg Händel von der Nord LB.

Nach den zuletzt starken Preisanstiegen hätten Marktbeobachter von fehlenden positiven Impulsen in der vergangenen Handelswoche gesprochen. Gleichzeitig seien steigende Fördermengen in den USA und den OPEC-Ländern vermeldet worden. Die US-Produktion habe im September mit 9,55 Mio. Barrel pro Tag (bpd.) nur knapp unter dem Rekordhoch von 9,61 Mio. bpd. vom Juni 2015 gelegen. Zur zweiten Wochenhälfte hätten die Preisnotierungen jedoch wieder etwas angezogen, nachdem zum einen die US Energy Information Administration (EIA) in ihrem Wochenbericht einen stärker als erwarteten Rückgang der US-Rohölbestände ausgewiesen habe. Entgegen der Erwartungen einer Reduzierung um rund 0,8 Mio. Barrel hätten sich die Vorräte sogar um 6 Mio. Barrel verringert. Zum anderen hätten (wieder einmal) die Diskussionen um eine Verlängerung der Produktionskürzungen durch die OPEC-Staaten und den zehn weiteren Rohölförderländern das Geschehen an den Märkten bestimmt.

Anlässlich des Besuchs des saudischen Königs Salman in Russland habe dessen Ölminister verkündet, das Land sei "flexibel" bezüglich einer Einigung, die zu einem Marktverhältnis führe, das den eigenen Erwartungen entspreche. Auch der russische Präsident Putin habe erkennen lassen, dass er grundsätzlich zu einer Verlängerung der Produktionskürzungen über den März-Ultimo des nächsten Jahres hinaus bereit sei.

OPEC-Generalsekretär Mohammad Barkindo habe zudem die Notwendigkeit "außergewöhnlicher Maßnahmen" zur Sprache gebracht, die zum Ziel hätten, die Stabilität an den Rohölmärkten auch zukünftig zu sichern. Gleichwohl würden an den Märkten Stimmen laut, nach denen diese Diskussionen im Umfeld der OPEC vornehmlich die Verzweiflung gegenüber den US-amerikanischen Schieferölproduzenten widerspiegeln würden. Schließlich dürften die Rohölförderer in den Vereinigten Staaten perspektivisch nach Auffassung vieler Branchenexperten weiterhin im ausgeprägten Umfang Effizienzgewinne materialisieren und so ihre Produktionskosten auch zukünftig nachhaltig senken können.

Darüber hinaus hätten die amerikanischen Küstenregionen einen weiteren Hurrikane verkraften müssen. Nachdem der Wirbelsturm "Harvey" rund um die Stadt Houston vor einigen Wochen für schwere Überschwemmungen gesorgt habe, habe "Nate" am Sonntagabend direkt bei New Orleans aufs Festland getroffen. Bereits im Vorfeld seien einige Förderplattformen im Golf von Mexiko runtergefahren worden. Im Gegensatz zu "Harvey" dürfte "Nate", der als Wirbelsturm der Kategorie eins eingestuft worden sei, als er auf Land getroffen habe, nicht zu starken Marktverwerfungen im Rohölsegment beitragen. (09.10.2017/fc/a/m)