Erweiterte Funktionen

Ölpreise mittelfristig um 55 US-Dollar je Barrel erwartet


11.10.17 13:10
DekaBank

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die europäische Rohölsorte Brent kostet zurzeit gut 6 US-Dollar mehr als die US-Sorte WTI, so die Analysten der DekaBank.

Solch eine hohe Preisdifferenz habe es seit zweieinhalb Jahren nicht mehr gegeben. Zugleich hätten sich in den vergangenen Wochen beide Ölsorten verteuert, wobei der Anstieg bei Brent insbesondere durch höhere Wetten der spekulativ orientierten Ölmarktteilnehmer auf steigende Brent-Preise verstärkt worden sei. Für Verunsicherung habe u.a. die Drohung des türkischen Ministerpräsidenten gesorgt, die Öllieferungen aus der irakischen Kurdenprovinz zu blockieren. Für beide Ölsorten gebe es zurzeit aber auch fundamentale Unterstützung: Sowohl die OECD- als auch die US-Lagerbestände würden - wenngleich von hohen Niveaus aus - in der Tendenz abgebaut. Das dürfte für eine Stabilisierung der Ölpreise bei 50 bis 55 US-Dollar ausreichen, nicht aber für eine deutliche Verteuerung.

Der globale Ölmarkt werde noch immer von einem Überangebot dominiert. Daher halte sich der Ölpreis seit geraumer Zeit auf niedrigem Niveau. Das Überangebot werde jedoch langsam abgebaut. Die OPEC-Mitglieder und einige Nicht-OPEC-Länder hätten sich darauf geeinigt, von Januar 2017 bis März 2018 ihre Ölförderung zu drosseln, eine Verlängerung erscheint wahrscheinlich. Derweil steige die globale Ölnachfrage weiterhin moderat. Diese Konstellation führe dazu, dass die laufende Rohölproduktion seit einiger Zeit im Durchschnitt etwas niedriger sei als die Nachfrage.

Der Abbau der hohen Lagerbestände schreite im Prognosezeitraum aber nur langsam voran. Denn die Auswirkungen der vereinbarten Produktionskürzung zwischen den OPEC- und den Nicht-OPEC-Ländern seien nur vorübergehender Natur. Hinzu komme, dass US-Präsident Trump die Förderung von fossilen Energieträgern in den USA unterstütze. Dies spreche dafür, dass die US-Fracking-Produktion nur noch durch den Wirtschaftlichkeitsaspekt begrenzt werde. Und die Kosten der unkonventionellen US-Ölförderung seien in den vergangenen Jahren massiv gesunken. Trotz der niedrigen Ölpreise würden die USA ihre Förderung und damit das Ölangebot ausweiten und hierdurch das Potenzial für Ölpreisanstiege begrenzen.

Die mittelfristige Ölpreisentwicklung werde maßgeblich von den Produktionskosten der US-Fracking-Unternehmen beeinflusst, und in diesem Bereich sei der technische Fortschritt enorm. Die Preissetzungsmacht der OPEC am Ölmarkt sei also sehr gering. Daher dürfte sich Rohöl im Prognosezeitraum bis Ende 2018 nicht nennenswert verteuern. Die Analysten der DekaBank rechnen mittelfristig mit Ölpreisen im Schnitt um 55 US-Dollar je Barrel. (Ausgabe Oktober/November 2017) (11.10.2017/fc/a/m)