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Ölmarkt: Nachfragedaten für Juni deuten auf erfreuliches Wachstum hin


11.08.17 10:06
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.fondscheck.de) - Die Rohölpreise haben in der vergangenen Woche eine Verschnaufpause eingelegt, nachdem diese zuvor binnen fünf Wochen um rund 17% zulegen konnten, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Aktuell notiere die Nordseesorte Brent bei 52,50 US-Dollar/Barrel. Das Makrobild an den globalen Rohölmärkten sei dabei gegenwärtig sehr vielversprechend und deutlich besser als zu Beginn des Jahres, was an der Terminkurve für Brentöl abzulesen sei. So weise diese für die beiden nächstgelegenen ("prompt") Kontrakte Backwardation (Spotpreis höher als Terminpreise) auf, wobei die Kurve insgesamt relativ flach sei.

Dies zeige deutlich, dass der dynamische Anpassungsprozess Woche für Woche Fortschritte mache, wobei die Nachfrageentwicklung eine wichtige Rolle spiele. Die ersten verfügbaren Juni-Daten würden auf ein sehr dynamisches Nachfragewachstum hindeuten. Gegenwärtig lägen für den Monat Juni Daten aus neun Ländern vor, welche für 52% der weltweiten Ölnachfrage stünden: Den USA, Japan, Indien, China, Südkorea, Brasilien, Mexiko, Spanien und Frankreich. Die Juni-Daten würden auf eine Fortsetzung eines soliden Nachfragewachstums hindeuten. Genauer gesagt würden diese ein Wachstum der weltweiten Ölnachfrage um 1,54 Mio. Barrel/Tag implizieren.

Triebfeder dieser Dynamik sei ein starkes Wachstum der Weltwirtschaft. Während sich der Konjunkturoptimismus Anfang dieses Jahres vor allem auf guten Stimmungsindikatoren gegründet habe, würden sich diese nun auch in den harten Zahlen (Industrieproduktion und BIP) widerspiegeln. Diese Beschleunigung der weltwirtschaftlichen Aktivitäten zeige sich sowohl in den Emerging Markets als auch in den westlichen Volkswirtschaften. Für das Gesamtjahr 2017 erwarten die Analysten der HSH Nordbank AG im Durchschnitt ein Wachstum der Ölnachfrage von 1,55 Mio. Barrel/Tag. Diese Prognose basiere auf einem erwarteten Wachstum der Weltwirtschaft von 3,6% und einem durchschnittlichen Brentöl-Preis von 53 US-Dollar/Barrel in diesem Jahr.

Das kräftige Nachfragewachstum spiegele sich auch in der Entwicklung der weltweiten Öllagerbestände wider. Unser globales Lagerbestandsmodell zeigt für den Monat Juli einen Abbau der Rohöl- und Ölproduktvorräte von 39 Mio. Barrel, wohingegen lediglich mit einem saisonalen Abbau von 6,6 Mio. Barrel zu rechnen war, so die Analysten der HSH Nordbank AG. Dieser Trend habe sich auch in der vergangenen Woche fortgesetzt.

Wie das US-Energieministerium vorgestern (09.08.) vermeldet habe, seien die Gesamtlagerbestände in den USA im Wochenvergleich um 4,6 Mio. Barrel (Rohöl: -6,5 Mio.) rückläufig gewesen. Setze sich der Lagerbestandsabbau in diesem Tempo fort, dürften im dritten Quartal durchschnittlich 1,5 Mio. Barrel/Tag an Öllagervorräten abgebaut werden. Dies bedeute, dass die weltweiten Öllagerbestände bis Mitte Herbst auf Normalniveau (Fünfjahresdurchschnitt) zurückgefahren sein und die OPEC ihre explizites Ziel mittels des Förderkürzungen erreicht haben dürfte.

Unterdessen habe die US-Energiebehörde ihre Projektion für die US-Rohölproduktion leicht nach oben angepasst. Für 2017 erwarte sie einen Anstieg um 490 Tsd. auf durchschnittlich 9,35 Mio. Barrel/Tag und für 2018 einen Anstieg um 570 Tsd. auf 9,91 Mio. Barrel/ Tag. Per Ende 2018 solle die US-Rohölproduktion dann über 10 Mio. Barrel/Tag erreichen.

Insgesamt würden sich die Ölmärkte derzeit in einer recht robusten Verfassung zeigen, was sich auch in gestiegenen Ölpreisen widerspiegele. Da die Nachfrage im zweiten Halbjahr tendenziell stärker ist als im ersten, sehen die Analysten der HSH Nordbank AG daher Potenzial für ein höher als von ihnen erwartetes Wachstum im Gesamtjahr 2017, was sich positiv auf die Ölpreise auswirken sollte. (Ausgabe vom 10.08.2017) (11.08.2017/fc/a/m)