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Ölmarkt: Brent auf Zweieinhalbjahreshoch - Wahrscheinlichkeit einer OPEC-Abkommensverlängerung bei mehr als 70%.


03.11.17 10:26
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.fondscheck.de) - Die Rally am Ölmarkt setzte sich in der vergangenen Woche ungebremst fort, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Brentöl habe am Freitag erstmals seit Juli 2015 die Marke von 60 US-Dollar/Barrel übersprungen und notiere gegenwärtig bei 61,5 US-Dollar. WTI sei im Schlepptau auf ein 10-Monatshoch von 54 US-Dollar/Barrel gestiegen. Robuste Ölfundamentaldaten und das dynamisch globale konjunkturelle Umfeld seien vorrangig für diesen Preisanstieg verantwortlich. So schreite der globale Öllagerabbau weiter voran: Die OPEC-Staaten hätten dank der starken Nachfrage nach Öl in diesem Jahr von bisher durchschnittlich 1,7 Mio. Barrel/Tag und der Produktionskürzungen bereits 70% ihres Ziels erreicht. Das Ziel sei, die globalen Öllagerbestände auf den Fünfjahresdurchschnitt zurückzuführen.

Als zweiten Grund für den Sprung auf das Zweieinhalbjahreshoch seien auch die Kommentare des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman auszumachen, der eine Verlängerung des OPEC-Abkommens unterstütze. Der Markt preise gegenwärtig eine Wahrscheinlichkeit von über 70% ein, dass das Abkommen bis Ende 2018 verlängert werde. Die Analysten der HSH Nordbank AG sehen eine Verlängerung der Produktionskürzungen als erforderlich an, um die globalen Öllagerbestände auch in 2018 nahe dem Durchschnittsniveau der vergangenen fünf Jahre zu halten, um somit eine nachhaltige Backwardation (Spotpreis höher als Futurepreis) sicherzustellen.

Sollten sich die OPEC-Staaten wider Erwarten nicht für eine Verlängerung der Produktionskürzungen über Ende März hinaus entscheiden, sondern eine unmittelbare Rückkehr der OPEC und Russland zu ihren Marktanteilsstrategien verfolgt würden, sei mit einer starken Ausweitung der Fördermengen zu rechnen. Den Erwartungen der Analysten zufolge könnte die durchschnittliche gemeinsame Produktion der OPEC-Staaten und Russland im kommenden Jahr 46,3 Mio. Barrel/Tag (ungefähr die Hälfte der weltweiten Gesamtförderung) betragen. Dieses ungezügelte Wachstum der beiden Partner im kommenden Jahr würde ein Plus von 2 Mio. Barrel im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 bzw. 1 Mio. Barrel über der bisherigen Rekordförderung (Ende 2016) bedeuten. Dies erwarten die Analysten der HSH Nordbank AG und der Markt gegenwärtig jedoch nicht. Der Markt preise vielmehr eine Wahrscheinlichkeit von über 70% ein, dass das Abkommen bis Ende 2018 verlängert werde.

Als dritten Aspekt sehen die Analysten der HSH Nordbank AG die Backwardation. Seit dem 20. September notiere die Brent-Terminkurve in Backwardation, was Ausdruck eines Marktes sei, in dem die Nachfrage größer sei als die tägliche Fördermenge und folglich Lagerbestände abgebaut werden müssten, um die Nachfrage zu decken. Folge der Backwardation sei auch ein Anstieg der spekulativen (Netto-)Long-Positionierungen institutioneller Anleger auf Rekordniveau. Dies stärke tendenziell das vordere Ende der Terminkurve (also steigender Kassakurs). Wohingegen staatliche und private Ölförderer durch Hedging-Aktivitäten am hinteren Ende (drücke auf die Preise durch öffnen von Short-Positionen) die Backwardation zusätzlich verstärkt hätten, die derzeit offensichtlich die Absicherungsaktivitäten der Ölkonsumenten überkompensieren würden. Wir gehen davon aus, dass diese Backwardation nachhaltig sein wird und auch dazu beitragen wird, dass wir in 2018 eine relativ enge Handelsspanne bei Brent von 54 bis 58 USD/Barrel beobachten werden, so die Analysten der HSH Nordbank AG. (Ausgabe vom 02.11.2017) (03.11.2017/fc/a/m)