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Ölmärkte: Hurrikan Harvey sorgt für Produktionsausfälle in US-Raffinerien


01.09.17 09:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.fondscheck.de) - Die Ölpreise stehen seit Beginn des Wirbelsturms Harvey unter Druck, wobei die amerikanische Sorte WTI deutlich stärker verlor als die Nordseesorte Brent, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die Analysten würden die Auswirkungen des Wirbelsturms Harvey auf den Gesamtmarkt als "bearish" bewerten, was dadurch bedingt sei, dass die Nachfrage nach Rohöl weitaus stärker getroffen sei als das Angebot, da insbesondere Raffinerien von dem Unwetter betroffen seien. Brent handele gegenwärtig bei 50,8 US-Dollar/Barrel, WTI unterhalb von 45,9 US-Dollar/Barrel. Die Preisdifferenz zwischen beiden Ölsorten habe sich somit auf knapp 5 US-Dollar ausgeweitet (Vorwoche: 4 US-Dollar).

Preisbelastend wirke vor allem, dass an der US-Golfküste aufgrund von Hurrikan Harvey mittlerweile die meisten Raffineriekapazitäten vor allem aus präventiven Gründen heruntergefahren worden seien. Dies entspreche einer Kapazität von rund 4 Mio. Barrel/Tag (etwa 21% der gesamten 18,2 Mio. Barrel/Tag ab US-Raffineriekapazitäten). Die Gefahr weiterer Überschwemmungen aufgrund des anhaltenden Regens sei noch nicht gebannt, sodass die Stillstände in den kommenden Tagen andauern und auch weitere Schäden entstehen könnten. Allerdings sei aufgrund des anhaltenden Regens damit zu rechnen, dass der Kapitalstock des US-Ölsektors anhaltenden Schäden davon tragen werde und die Produktionsausfälle andauern würden.

Die Auswirkungen auf die Rohölproduktion seien mit bisher 1 Mio. Barrel/Tag (11% von 9,3 Mio. Barrel/Tag) an Ausfällen noch verhältnismäßig moderat. Auch bei der Gasproduktion (ca. 2 Bcf/Tag; 3% von 72 Bcf/Tag) seien die Produktionsstörungen deutlich moderater. Die derzeit zu beobachtenden Überschwemmungen würden jedoch zu einem größeren Verlust an Onshore-Produktion aus der Region Eagle-Ford führen, als es bei früheren Wirbelstürmen und einhergehende Überschwemmungen der Fall gewesen sei.

Des Weiteren seien gegenwärtig die meisten Häfen an der US-Golfküste geschlossen. Nach Angaben von Reuters hätten diese Häfen im bisherigen Jahresverlauf durchschnittlich 600 Tsd. Barrel/Tag an Netto-Rohölimporten, 250 Tsd. Barrel/Tag an Netto-Benzinexporten und 250 Tsd. Barrel/Tag an Netto-Destillatexporten verladen. Sollten diese Ausfallphasen bestehen bleiben und würden die Analysten vergangene Wirbelstürme als Proxies für die Auswirkungen auf die Ölnachfrage zugrunde legen, dürften in den kommenden Wochen aufgrund der Raffinerieausfälle 1,9 Mio. Barrel/Tag an Rohöl zu viel produziert werden. Damit dürfte sich der Lagerabbau-Prozess v.a. in den USA verlangsamen bzw. könnte es sogar zu einem Rohöllageraufbau kommen. Dagegen sei damit zu rechnen, dass die Lagervorräte an Benzin und Destillaten in den kommenden Wochen um 1,1 bzw. 0,8 Mio. Barrel/Tag abgebaut würden. Weitaus größere Produktionsausfälle in den Raffinerien hätten stärkere Auswirkungen auf die Lagerbestandsentwicklungen sowohl bei Rohöl (Aufbau) als auch den raffinierten Produkten (Abbau).

Die Analysten würden davon ausgehen, dass der Nachfrageverlust im ersten Monat nach Harvey mehr als 700 Tsd. Barrel/Tag betragen dürfte. Aufgrund dieses "bearishen" Ausblicks dürfte die Prognose der Analysten von 56 US-Dollar/Barrel per Ende 3Q-2017 nicht mehr erreicht werden. Hinzu komme, dass der Plan der OPEC, die globalen Öllagerbestände bis Jahresende auf den Fünfjahresdurchschnitt abzubauen, in Gefahr gerate, sodass die OPEC auch deswegen gezwungen sein werde, das Förderabkommen zu verlängern. (Ausgabe vom 31.08.2017) (01.09.2017/fc/a/m)