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Ölmärkte: Nach Harvey droht Irma die US-Ostküste heimzusuchen


07.09.17 12:43
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.fondscheck.de) - Nach Hurrikan Harvey ist vor Irma, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Dieser Hurrikan der höchsten Stufe 5 sei einer der stärksten der vergangenen Jahrzehnte und dürfte in einigen Tagen Florida erreichen. Im Gegensatz zu Harvey, welcher vor allem in Texas gewütet, zu Überschwemmungen geführt und somit auch die dortigen Ölförderanlagen und Raffinerien beschädigt habe, dürfte Irma vor allem auf der Nachfrageseite Spuren hinterlassen. Dies sollte den Erholungsprozess bei der Nachfrage nach Wirbelsturm Harvey vorerst unterbrechen. Während die Sorgen um Irma größer würden, habe dagegen die Erholung der Ölnachfrage und der Wiederaufbauprozess in Texas in der vergangenen Berichtswoche begonnen. Dies sei durch anhaltend trockenes Wetter unterstützt worden, was zu einem schnelleren Rückgang des Hochwasserpegels führe.

Die Analysten würden schätzen, dass die Hälfte der Raffineriekapazitäten voraussichtlich bis heute (07.09.) wieder ans Netz kommen werde. Dennoch sei der entsprechende Ausfallgrad von 2,0 Mio. Barrel/Tag noch immer signifikant relativ zu den tatsächlich beschädigten Kapazitäten (0,3 Mio. Barrel/Tag). Dagegen seien nun fast alle Häfen wieder geöffnet, was der Schlüssel hin zu einer Normalisierung bei der Rohöl- als auch Petroleumproduktversorgung sei. Dennoch dürfte es im ersten Monat nach Hurrikan Harvey zu einem Aufbau der US-Rohölvorräte von bis zu 40 Mio. Barrel/Monat kommen, während die Benzin- und Destillatevorräte um 16 bzw. 13 Mio. Barrel/Monat rückläufig sein sollten. Insgesamt seien die Auswirkungen des Hurrikans in der kurzen Frist tendenziell preisbelastend gewesen. Das Potenzial für einige anhaltende US-Onshore-Produktionskürzungen und die voraussichtlich steigende Nachfrage während und nach dem Wiederaufbau würden darauf hindeuten, dass nach einigen Monaten sogar positive Auswirkungen auf die Preise haben könnte. Diese Einschätzung müsste jedoch revidiert werden, wenn der Hurrikan Irma eine heftige Landung an der südlichen US-Ostküste und Florida mache.

Global betrachtet zeichne sich ein Bild eines gegenwärtig sehr intakten und robusten Marktumfeldes. Die weltweite Ölnachfrage habe die Marktteilnehmer den dritten Monat in Folge auf der Oberseite überrascht. Bedingt durch ein sehr unterstützendes makroökonomisches Umfeld sei die Ölnachfrage im Juli um durchschnittlich mehr als 2 Mio. Barrel/Tag YoY gestiegen. Interessant hierbei sei, dass das Wachstum der Ölnachfrage in den OECD-Staaten sogar das Wachstum in den Nicht-OECD-Staaten überstiegen habe. Diese positive Entwicklung spiegle sich auch in der Preisentwicklung bei Rohöl wider. So notiere die Nordseesorte Brent erstmalig seit Mitte April wieder über der Marke von 54 USDollar/Barrel. Zur Preisentwicklung beigetragen hätten zudem Gespräche zwischen Russland und Saudi-Arabien über eine mögliche Verlängerung der Produktionskürzungen.

Das russische Energieministerium habe zugleich sein Bekenntnis zum Abkommen mit der OPEC bekräftigt und eine Übererfüllung der Produktionskürzung im August um rund 50.000 Barrel/Tag vermeldet. Die starke Kooperation der wichtigsten Ölproduzenten bei der Bekämpfung der "Ölschwemme" schüre Hoffnungen der Marktteilnehmer auf einen weiter anhaltenden Abbau der OECD-Öllagerbestände. Diese Kooperation dürfte anhalten, bis die Lagerbestände sichtbar unterhalb des Fünfjahresdurchschnitts gefallen seien und die Terminkurve vollständig und nachhaltig in Backwardation (Spot- > Terminpreise) notiere. Letzteres könne relativ rasch gehen. Ein Vergleich hierzu liefere das Jahr 2007. Damals sei die Terminkurve innerhalb von drei Tagen von Contango in Backwardation übergegangen, nachdem sich die Lagerbestände normalisiert hätten. (07.09.2017/fc/a/m)