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Die Nachwirkungen des Brexit - verhaltene Wachstumsaussichten im Jahr 2018 erwartet


01.08.17 10:32
Legal & General IM

London (www.fondscheck.de) - Britische Investoren sehen sich neben den üblichen Herausforderungen der Märkte derzeit auch mit der wachsenden Unsicherheit durch den Brexit konfrontiert, so Rahil Ram, Multi-Asset-Analyst bei Legal & General Investment Management.

Obwohl die jüngste Marktperformance verlockend scheine - auf die kommenden Monate sollte diese nicht übertragen werden, finde Ram. Als Gründe dafür sehe der Experte im Verlauf des kommenden Jahres vor allem die zunehmend komplizierteren Brexit-Verhandlungen, die Unsicherheit über deren Ausgang sowie das wirtschaftliche Erstarken der Eurozone und der Einfluss der USA.

Rund ein Jahr sei es her, seit Großbritannien für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt habe. Während sich diese Entscheidung seither kaum auf das normale Leben ausgewirkt habe, habe sie an den Finanzmärkten bereits deutliche Spuren hinterlassen: "Am auffälligsten war wohl die Wertminderung des Pfund um rund 15 Prozent gegenüber dem US-Dollar sowie 13 Prozent gegenüber dem Euro. Vor allem große Unternehmen mit hohem Auslandsanteil konnten von der schwächeren Währung profitieren, denn die Gewinne aus dem Ausland waren zurückgerechnet mehr wert als zuvor", so Rahil Ram.

Diese Entwicklung habe sich mit einer Gesamtrendite von 20 Prozent auch im Blue-Chip-lastigen FTSE 100 Index widergespiegelt. "Das bedeutet jedoch nicht, dass die britischen Märkte die noch ausstehende Trennung von der EU befürworten. In US-Dollar gemessen lag die Performance des FTSE 100 immer noch hinter der von nennenswerten Blue-Chip-Indizes in jedem anderen G7-Land", fahre Ram fort. Bei der Betrachtung einzelner Sektoren des FTSE 100 sei zudem auffallend, dass Finanztitel und nichtzyklische Konsumgüter am besten abgeschnitten hätten, während Telekommunikation und Immobilien am schlechtesten performt hätten. Die Top-10-Performer hätten davon profitiert, dass die Auslandsgewinne bei ihnen rund 80 Prozent ausgemacht hätten, während es bei den zehn schlechtesten Performern nur 30 Prozent gewesen seien.

"Das Finanzministerium warnte vor dem Referendum im Falle des Austritts aus der EU vor Kapitalabflüssen und höheren Zinssätzen. Doch das Gegenteil trat ein: Britische Staatsanleihen verzeichneten sechs Prozent Zuflüsse seit letztem Juni, maßgeblich aufgrund der Entscheidung der Bank of England, den Leitzins zu senken und ihr Quantitative-Easing-Programm zu verlängern. Förderlich für diese Zahlen war zudem die Suche der Anleger nach einem sicheren Hafen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit und dem politischen Umfeld", fahre Ram fort.

Die Entscheidung für den Brexit habe unmittelbar zur Folge gehabt, dass Retail-Investoren ihre Positionen am Aktien- und Immobilienmarkt reduziert hätten, wohingegen Anleihen und gemischte Portfolios aufgrund ihres geringeren Risikos und ihrer höheren Diversifikation höhere Zuflüsse als gewöhnlich verzeichnet hätten. Seit Dezember 2016 hätten die Nettomittelzuflüsse in Aktien als Folge der starken Marktperformance jedoch wieder angezogen.

"Wir glauben nicht an einen Kollaps der Wirtschaft im Vereinigten Königreich, bleiben aber bezüglich der Wachstumsaussichten weiterhin verhalten. Die Entwicklung innerhalb des letzten Jahres sollte nicht leichtsinnig auf die kommenden zwölf Monate zu übertragen werden. Großbritannien wird im nächsten Jahr mit fortlaufenden und zunehmend komplizierteren Brexit-Verhandlungen konfrontiert werden. Zu den Herausforderungen eines unsteten globalen Marktumfelds kommen dann die zunehmende politische Unsicherheit und eine komplexere Wirtschaftsumgebung im Inland hinzu."

Die vorgezogene Wahl werde den Wirtschaftsaufschwung wahrscheinlich nicht ausbremsen, die mit dem Wahlergebnis verbundene erhöhte Unsicherheit wirke allerdings wie ein Bremsklotz auf Investitionen und Konsum. "Aus diesem Grund blieb der Handel mit dem Pfund zuletzt auf niedrigem Niveau. Andere Faktoren, wie das durchwachsene Wirtschaftsbild in den USA und die zunehmend stärker werdende Wirtschaft der Eurozone wirken sich ebenso auf die Entwicklung aus", so Ram.

Die Uhr bis zum endgültigen Austritt aus der EU ticke noch bis März 2019. "Es ist derzeit nicht vorherzusehen, ob der Brexit hart oder sanft von statten geht. Beide Szenarien hätten sehr unterschiedliche Auswirkungen auf Wachstum, Inflation und Assetpreise. Statt sich auf vage Vorhersagen zu verlassen, sollten Investoren ihr Portfolio deshalb mit globalen Assets diversifizieren und sich Gedanken darüber machen, wie sie mit den entsprechenden Fremdwährungsrisiken verfahren", so der Experte. Fremdwährungsrisiken einzugehen, wirke derzeit wegen möglicher weiterer idiosynkratischer Schocks verlockend. "Unserer Meinung nach ist eine zusätzliche Währungsabsicherung allerdings attraktiver, da das Britische Pfund in den letzten Monaten viel von seinem Wert eingebüßt hat." (01.08.2017/fc/a/m)