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Konträre Chancen in einem Umfeld mit niedriger Volatilität nutzen


03.07.17 17:03
SYZ Asset Management

Genf (www.fondscheck.de) - Die Volatilität war in diesem Jahr allgemein verhalten, und der CBOE Volatility Index (VIX) erreichte vor Kurzem Tiefstwerte, die zuletzt Anfang 2007 zu beobachten waren, so Mike Clements, Head of European Equities bei SYZ Asset Management.

Es sei nicht klar, warum die Volatilität in den vergangenen Monaten so niedrig gewesen sei. Angesichts der Turbulenzen während der ersten Monate von Donald Trumps Präsidentschaft und der Wahlen in Europa hätte man annehmen können, dass die meisten Anleger erwarten würden, dass 2017 ein Jahr mit erhöhter Volatilität werde. Warum sei die Volatilität dann so verhalten? Liege dies an den günstigen makroökonomischen Bedingungen, den dämpfenden Effekten der Zentralbankpolitik oder einfach an der Selbstzufriedenheit der Anleger? Wahrscheinlich sei es eine Kombination all dieser und anderer Faktoren. Die Experten würden jedoch befürchten, dass Selbstzufriedenheit eine wichtige Rolle spielen könnte.

Trotz der Marktrally gebe es aber Anzeichen dafür, dass Anleger Vorsicht walten lassen würden. Denn: Die Barpositionen seien ziemlich hoch, und viele Anleger würden sich Sorgen machen, dass die Bewertungen allmählich teuer seien, insbesondere in den USA. Niedrige Volatilitätsindizes wie der VIX oder der EURO STOXX 50 Volatility (VSTOXX) könnten ebenfalls auf bevorstehende Krisen hindeuten: Wenige Tage nachdem der VIX Anfang Mai unter 10 abgerutscht sei, seien die US-Märkte abgesackt und hätten ihren schlechtesten Tag seit acht Monaten verzeichnet.

Die beiden anderen Male, in denen der VIX ebenfalls unter 10 gefallen sei, hätten sich als Vorboten einer Verkaufswelle am Obligationenmarkt im Jahr 1994 und des Beginns der globalen Finanzkrise im Jahr 2007 herausgestellt. An einem Markt, an dem die Experten viele Aktienbewertungen als ziemlich anspruchsvoll ansehen würden, scheine ihnen ein Engagement in Volatilität ein interessantes konträres Thema zu sein.

Im Finanzsektor gebe es einige Unternehmen, deren Handelsvolumina durch Volatilität belebt würden. Vor Kurzem hätten Investmentbanken eine rege Aktivität infolge des "Trump Bump" verzeichnet. In der Regel würden diese Unternehmen aber den Qualitätskriterien der Experten nicht gerecht. Es gebe einfach zu viele Bilanzrisiken, zu denen unter anderem die hohe Verschuldung sowie undurchsichtige, schwer zu bewertende Bilanzen zählen würden. In Stressphasen und volatilen Märkten wären dies nach Meinung der Experten besonders risikoreiche Anlagen.

Reine Handelsunternehmen wie Börsen, Marktmacher und spezialisierte Finanzintermediäre (sogenannte Interdealer-Brokers) seien dagegen attraktiv, denn sie würden gute Erträge und hohe Cashflows mit einem Engagement in von der Volatilität getragenen Handelsaktivitäten verbinden. Die britische IG Group etwa, der führende Anbieter in Differenzgeschäften, sei in der Regel auf eine kurzfristige Volatilität ausgerichtet. Die Regulierung sei zwar ein bedeutendes Risiko. Doch IG sei bestens in der Lage, sich auf Kosten kleinerer Akteure an das veränderliche Umfeld anzupassen.

Flow Traders sei eine weitere interessante Möglichkeit, auf die Volatilität zu setzen. Das niederländische Unternehmen sei ein führender Marktmacher für ETFs mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent in Europa. Zwar profitiere es auf längere Sicht vom strukturellen Wachstum von ETFs, kurzfristig würden seine Erträge aber stark von der Volatilität beeinflusst. Wenn diese verhalten sei, würden die geringen Handelsvolumina und niedrigen Spannen die Erträge belasten. In Stressphasen oder während Marktstörungen verleihe die Volatilität dem strukturellen Umsatzwachstum jedoch einen kräftigen Schub.

Das Geschäftsmodell erziele hervorragende Renditen und Cashflows. Es sei gut auf das strukturelle Wachstum von ETFs ausgerichtet, aber im Augenblick würden die Gewinne unter dem Mangel an Volatilität leiden. Infolgedessen sei der Aktienkurs schwach gewesen. Nach Meinung der Experten könnte das Unternehmen jedoch signifikantes Aufwärtspotenzial haben, wenn die Volatilität auf normalere Niveaus zurückkehre. Nach Meinung der Experten nehme die Bewertung von Flow Traders das unwahrscheinliche Szenario vorweg, dass die derzeit niedrige Volatilität noch jahrelang anhalte.

Als konträre Anleger seien die Experten vorsichtiger, wenn die Märkte steigen würden. In seinem Buch Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (2007), weise Nassim Nicholas Taleb darauf hin, dass "das Gefühl der Sicherheit den Höhepunkt erreicht, wenn das Risiko am größten ist". Die Experten könnten zwar kaum oder gar nicht vorhersehen, wann die Volatilität anziehen werde, seien aber der Ansicht, dass sie sich über ihren langfristigen Horizont zugunsten von Unternehmen wie Flow Traders oder die IG Group normalisieren werde. Aus diesem Grund hätten die Experten nach anderen derzeit unbeliebten Unternehmen gesucht, die von ähnlichen Themen beeinflusst würden. Zugleich würden die Experten bestehende Positionen in Vermögensverwaltern reduzieren, die unter schwankenden Märkten leiden könnten. Die Experten würden Ideen in unbeliebten Themen suchen, bei denen eine Erholung zu erwarten stehe. (03.07.2017/fc/a/m)