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Investments in chinesische Kohle bergen schwer kalkulierbares Risiko


11.09.17 11:24
Legal & General IM

London (www.fondscheck.de) - Kohle ist nach wie vor einer der weltweit wichtigsten Energieträger. Insbesondere die Emerging Markets nutzen die günstige und effiziente Ressource. Alleine 51 Prozent des globalen Kohleverbrauchs entfallen auf China. Kohle ist jedoch sehr umweltschädlich. Der Umstieg auf andere Energien wird enorme Folgen für Wirtschaft und Investoren haben, ist Anton Eser, CIO bei Legal & General Investment Management (LGIM) überzeugt.

Kohle zur Energiegewinnung zu verbrennen, sei zunächst sehr günstig. Die dabei entstehenden Folgekosten seien allerdings enorm, durch den immensen CO2-Ausstoß trage Kohle nicht unwesentlich zum Klimawandel bei, Luft und Umwelt würden verschmutzt. "Besonders gut lassen sich die Folgen in China beobachten, denn das Land ist der weltweit größte Kohlekonsument - aber das wird sich ändern", sage Anton Eser, Chief Investment Officer (CIO) bei LGIM.

Denn China nutze nur die Hälfte seiner Kohle zur Energiegewinnung, die andere Hälfte zum Heizen. "Zum Vergleich - die USA verwenden 93 Prozent ihrer Kohle für die Energiegewinnung", sage Eser. "Der Grund dafür sind die in China genutzten, kleinen, sehr ineffizienten, mit Kohle betriebenen Heizöfen." Der erste Schritt in Chinas Energiewandel sei es, diese Heizöfen wahlweise durch elektronische Energiequellen antreiben zu lassen oder durch Gasöfen zu ersetzen. "Selbst wenn die dafür nötige Energie aus Kohlekraftwerken käme, wäre der Kohleverbrauch dennoch rund 15 Prozent niedriger, weil diese Öfen so ineffizient sind", sage Eser. Auch die zu erwartenden Kosten einer Umstellung von Kohle auf Gas würden geringer ausfallen als zu befürchten sei, da die chinesische Regierung zunehmend Fördermittel zur Verfügung stelle, um diesen Wechsel zu ermöglichen. Außerdem würden auch erneuerbare Energien sowie der Import von Gas immer günstiger.

"Durch diese Modernisierung wird der Bedarf an Kohle weiter zurückgehen", sage Eser. "Das wird nicht von heute auf morgen passieren, aber wir glauben, dass viele Investoren die Geschwindigkeit unterschätzen, mit der dies geschehen wird." Zwar investierten viele eher in den globalen Kohlemarkt, dieser sei aber sehr eng mit dem chinesischen verbunden. "Chinas Bedarf an Kohle ist in den vergangenen Jahren schon erheblich gesunken, sodass ungenutzte Kapazitäten im eigenen Land entstanden sind", sage Eser. "Bis jetzt hat China sehr viel Kohle importiert, doch durch den sinkenden Bedarf und die überzähligen Kapazitäten stellt sich die Frage, wie lange dies noch der Fall sein wird." Sollte China den Import gänzlich stoppen, hätte das Auswirkungen auf das Verhältnis von Nachfrage und Angebot auf dem globalen Markt. Davon wären auch viele Investoren betroffen. "Es ist allerdings schwierig abzuschätzen, wann das passieren wird."

Zum Beispiel hätten die Entwicklungen im vergangenen Jahr den stetigen Fortschritt unterbrochen, kohleunabhängig zu werden. "Entgegen den Erfahrungen der vergangenen fünf Jahre, während der der Kohlepreis stetig gesunken ist, hat er sich 2016 allein in der ersten Jahreshälfte verdoppelt", sage Eser. "Der Grund für diesen Rückschritt war die chinesische Regierung. Da das Geschäft mit Kohle so profitabel war, wurden zwischen 2009 und 2011 in China viele kleinere Kohleminen eröffnet. Als die Preise zu fallen begannen, nahmen diese Minen hohe Schulden auf, sodass gegen Ende des Jahres 2015 die mangelnde Solvenz des chinesischen Kohlesektors die finanzielle Stabilität des ganzen Landes gefährdete." Daraufhin habe die chinesische Regierung Anfang 2016 die Anzahl der Tage begrenzt, an denen die Minen Kohle hätten fördern dürfen. "Durch das so verknappte Angebot ist der Kohlepreis stark angestiegen."

"Das zeigt, dass der Niedergang der Kohle kein linearer sein wird und zudem stark von politischen Maßnahmen abhängt", sage Eser. "Nach wie vor spielt Kohle in der Wirtschaft eine bedeutende Rolle. 2016 wurden durch Kohle 81 Milliarden US-Dollar eingenommen." Falle diese Quelle weg, hätte das enorme Konsequenzen für die Investoren.

"Wir vermuten, dass sich China in den nächsten zehn bis 20 Jahren zunehmend selbst mit Energie versorgen und nicht mehr so viel Kohle importieren wird." Im besten Falle nehme die Kohle in Zukunft eine abnehmende Rolle im chinesischen Energiemix ein. "Vermutlich hat Kohle den Höhepunkt der Nachfrage überschritten. Deswegen ist es ratsam, Investitionen in den globalen sowie den chinesischen Kohlemarkt zu überdenken." Investoren in den globalen Kohlemarkt müssten aufgrund der zu erwartenden abnehmenden Nachfrage mit Verlusten rechnen.

"Bei allen Konsequenzen für Investoren, Wirtschaft und die Kohleunternehmen selbst sollte weiter daran gearbeitet werden, den Kohlebedarf zu senken," sage Anton Eser. "Je weniger Kohle genutzt wird, umso besser für das Klima und umso besser auch für die Wirtschaft." (11.09.2017/fc/a/m)