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Hurrikane sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren - zumindest am Ölmarkt


12.09.17 11:47
DekaBank

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Rohstoffpreise entwickelten sich im August uneinheitlich, so die Analysten der DekaBank.

Deutlich zulegen können hätten die Preise für Industrie- und Edelmetalle. Während der Anstieg des Goldpreises angesichts der Zuspitzung des Nordkoreakonflikts nachvollziehbar sei, habe die neuerliche Stärke von Kupfer doch etwas überrascht. Am Ölmarkt hätten sich die Auswirkungen von Hurrikan Harvey vor allem an den Preisen für Folgeprodukte gezeigt, da zahlreiche Raffinerien von den Überflutungen betroffen gewesen seien. Was den Ausblick betreffe, so gelte, solange eine erhöhte Unsicherheit vorherrsche, dürfte zumindest der Goldpreis weiter profitieren.

Weniger eindeutig sei das Bild für Industriemetalle, denn der jüngste Anstieg des Kupferpreises lasse sich kaum durch eine zunehmende Dynamik auf der Nachfrageseite begründen. Die wirtschaftliche Entwicklung in China sei zwar stabil, lasse aber wenig zusätzliches Nachfragepotenzial erwarten.

Am Ölmarkt könne die andauernde Hurrikan-Saison durchaus noch für kurzzeitige Preisspitzen sorgen, falls sich ein Wirbelsturm den Weg durch das Zentrum der Ölförderung im Golf von Mexiko bahnen sollte. Doch nachhaltige Preiseffekte wären auch davon nicht zu erwarten. Interessanter wäre es dagegen, wenn sich die jüngste Abschwächung der Bohrtätigkeit im wichtigsten Fördergebiet für Schieferöl fortsetze. Doch solange sich der Preis nahe der 50-Dollar-Marke einpendele, sei ein deutlicher Rückgang der Bohraktivitäten unwahrscheinlich. Insofern würden die Analysten vorerst eine volatile Seitwärtsbewegung bei Rohstoffpreisen erwarten.

Die Entwicklung der Rohstoffpreise werde langfristig vom Zusammenspiel zwischen physischem Angebot und Nachfrage bestimmt. Bis vor ein paar Jahren seien die Rohstoffmärkte stark durch die steigende Rohstoffnachfrage in den Schwellenländern aufgrund des wirtschaftlichen Aufholprozesses dominiert worden. Die bis zur Finanzkrise deutlich gestiegenen Preise hätten damals eine Investitionswelle im Rohstoffsektor losgetreten. In dieser Zeit seien die Produktionskapazitäten bei vielen Rohstoffen sogar so spürbar ausgeweitet worden, dass nicht nur die steigende Nachfrage problemlos habe bedient werden können, sondern zunehmend Überkapazitäten bei der Rohstoffproduktion entstanden seien. Die Folge sei ein über mehrere Jahre herrschender Abwärtstrend der Rohstoffpreise gewesen, der nunmehr beendet sei. Das niedrige Preisniveau habe bewirkt, dass die Investitionstätigkeit abgebremst worden sei.

In Verbindung mit der anhaltenden Zunahme der globalen Rohstoffnachfrage dürften die Rohstoffpreise also längerfristig wieder steigen. Die Anlageklasse Rohstoffe eigne sich als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio. Allerdings müsse beachtet werden, dass bei Investitionen in Rohstoffe starke Preisschwankungen auftreten könnten. (Ausgabe September/Oktober 2017) (12.09.2017/fc/a/m)