Erweiterte Funktionen

Globaler Ölmarkt immer noch von Überangebot dominiert


12.07.17 08:43
DekaBank

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Im Juni drückten Angebotsfaktoren und Spekulationseffekte temporär auf die Ölnotierungen, so die Analysten der DekaBank.

Die OPEC-Ölförderung sei aufgrund der Zunahme in Libyen und Nigeria angestiegen. Zudem steige die US-Ölproduktion. Doch Ölpreise von etwa 45 US-Dollar je Barrel scheinen für diese eine Grenze darzustellen: Zwar würden nach einer Befragung der Federal Reserve Bank of Dallas für bereits erschlossene US-Ölschieferförderanlagen Ölpreise im Bereich von nur 24 bis 38 US-Dollar als notwendig gelten, um kostendeckend produzieren zu können. Doch die entsprechenden Preise für neue Ölförderanlagen seien mit 46 bis 55 US-Dollar höher. Sollten die Ölpreise länger im Bereich von 45 US-Dollar oder gar darunter verharren, würde sich dies negativ auf die US-Ölproduktion auswirken. Die Analysten würden erwarten, dass die Ölnotierungen gegen Ende des Jahres und im kommenden Jahr im Durchschnitt im Bereich von 50 bis 55 US-Dollar je Barrel schwanken werden.

Der globale Ölmarkt werde noch immer von einem Überangebot dominiert. Daher halte sich der Ölpreis seit geraumer Zeit auf niedrigem Niveau. Es gebe jedoch Anzeichen dafür, dass das Überangebot etwas abgebaut werde. Die OPEC-Mitglieder und einige Nicht-OPEC-Länder hätten sich darauf geeinigt, von Januar 2017 bis März 2018 ihre Ölförderung zu drosseln. Derweil steige die globale Ölnachfrage weiterhin moderat. Diese Konstellation führe dazu, dass die laufende Rohölproduktion seit einigen Monaten im Durchschnitt etwas niedriger sei als die Nachfrage. Der Abbau der hohen Lagerbestände werde im Prognosezeitraum aber nur langsam voranschreiten. Denn die Auswirkungen der vereinbarten Produktionskürzung zwischen den OPEC- und den Nicht-OPEC-Ländern seien nur vorübergehender Natur.

Hinzu komme, dass Donald Trump die Förderung von fossilen Energieträgern in den USA unterstütze. Dies spreche dafür, dass die US-Fracking-Produktion nur noch durch den Wirtschaftlichkeitsaspekt begrenzt werde. Und die Kosten der unkonventionellen US-Ölförderung seien in den vergangenen Jahren massiv gesunken. Trotz der niedrigen Ölpreise würden die USA ihre Förderung und damit das Ölangebot ausweiten und hierdurch das Potenzial für Ölpreisanstiege begrenzen. Die mittelfristige Ölpreisentwicklung werde maßgeblich von den Produktionskosten der US-Fracking-Unternehmen beeinflusst, und in diesem Bereich sei der technische Fortschritt enorm. Die Preissetzungsmacht der OPEC am Ölmarkt sei also sehr gering. Daher dürfte sich Rohöl im Prognosezeitraum bis Ende 2018 nicht nennenswert verteuern. (Ausgabe Juli/ August 2017) (12.07.2017/fc/a/m)