Geopolitik sorgt für Bewegung beim Rohöl


02.10.17 12:47
Nord LB

Hannover (www.fondscheck.de) - Die Entwicklungen der globalen Rohölnotierungen standen in den vergangenen Handelstagen vor allem aufgrund eines überraschenden Preisauftriebs im Fokus der Marktteilnehmer, so die Analysten der Nord LB.

So sei für die Nordseesorte Brent im Wochenverlauf sogar die vor allem psychologisch bedeutende Marke von 60 US-Dollar pro Barrel Rohöl ins Blickfeld gekommen. Auslöser seien vor allem geopolitische Gründe gewesen. Die autonome Kurdenregion im Nordirak habe in einem Unabhängigkeitsreferendum für Abspaltung vom Rest des Landes votiert. Daraufhin habe der türkische Staatspräsident Erdogan bereits angekündigt, beim Rohölexport nur noch mit der irakischen Zentralregierung zusammenzuarbeiten und gegebenenfalls Ausfuhren aus der Kurdenregion zu blockieren.

Gleichzeitig sei an den Märkten der gestiegene Bedarf an Rohöl im ersten Halbjahr thematisiert worden, der von der OPEC und der Internationalen Energieagentur IEA ausgewiesen worden sei. Die Nachfrage sei zuletzt im Vorjahresvergleich um durchschnittlich 1,85 Mio. Barrel pro Tag und somit auf den zweithöchsten Wert seit 2010 gestiegen. In Kombination mit den andauernden Überlegungen in Bezug auf eine mögliche Verlängerung der Produktionskürzungen der OPEC über März 2018 hinaus, führe dies zu einem sehr freundlichen Marktumfeld für die Rohölnotierungen, welches zunehmend von Fundamentaldaten unterlegt zu werden scheine.

Kommentare von Branchenbeobachtern aus Kalifornien in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit der US-Schieferöl-Industrie hätten jüngst durchaus für gewisses Aufsehen gesorgt. So dürften nach Auffassung der Experten die so genannten Breakeven-Preise (also die marginalen Produktionskosten) in der Branche in den kommenden Jahren deutlich fallen. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung könnten entsprechende langfristige Produktivitätsgewinne in der Größenordnung von 50% bis 70% zu Buche schlagen. Dieser Ausblick würde selbstverständlich das Aufwärtspotenzial an den globalen Rohölmärkten nachhaltig dämpfen - bzw. sogar eine neuerliche Trendumkehr bei den Preisen für fossile Energieträger einleiten.

Tatsächlich würden die Analysten am aktuellen Rand noch nicht davon ausgehen, dass diese Sichtweise die unter den Marktteilnehmern einhellig vorherrschende Meinung darstelle. Gleichwohl würden sie auch keine dynamische Preisentwicklung an den internationalen Rohölmärkten voraussehen. Die jüngsten Preisanstiege hätten sich entsprechend kurzfristig neutralisiert. (02.10.2017/fc/a/m)