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China: Nachlassendes Kreditwachstum könnte Wirtschaft in den kommenden Quartalen bremsen


11.08.17 11:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.fondscheck.de) - Oberflächlich betrachtet präsentiert sich Chinas Volkswirtschaft weiterhin sehr robust, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".

Wirtschaftswachstum (+6,9% Jahresrate) sowie Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion hätten zuletzt sogar wieder über den Erwartungen der Analysten gelegen. Doch bei genauem Hinsehen gebe es recht starke Anzeichen für eine Abschwächung des Wachstums in den kommenden Quartalen.

Der Schlüssel liege im Finanzsystem, speziell bei der Kreditvergabe. Das Einschreiten der Regulierungsbehörden gegen Exzesse im Schattenbanksystem und die Maßnahmen zur Beruhigung des heiß gelaufenen Immobilienmarktes würden Spuren hinterlassen. Die Kredite für Geschäftskunden würden derzeit so schwach wachsen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Freilich sei das vor dem Hintergrund einer geradezu gigantischen Kreditexplosion seit 2009 zu sehen, die sich seit 2014 nochmals beschleunigt habe. Höhere Finanzierungskosten und der erschwerte Zugang für den Mittelstand zu Krediten würden die Wirtschaftsaktivitäten bremsen. Beschränkungen am Immobilienmarkt hätten bereits im Mai die Immobilieninvestitionen belastet. Halte dieser Trend an, dürfte das in den folgenden Quartalen verstärkt den Bausektor treffen, bisher die treibende Kraft für das Wirtschaftswachstum.

Die meisten Beobachter und Investoren würden davon ausgehen, dass die Regierung im Falle eines zu starken Abschwungs stimulierend eingreifen und bei etwaigen Problemen im Finanzsektor notfalls einspringen werde. Diese Annahme sei höchstwahrscheinlich korrekt, auch wenn Peking derzeit eine gegenteilige Botschaft aussende. Ein etwaiges Eingreifen könnte aber erst mit zeitlicher Verzögerung erfolgen und nochmals verspätet wirken. Anders als 2009 hänge derzeit auch nicht das Wohl der gesamten Weltwirtschaft davon ab. Das könnte Peking dazu bewegen, zumindest eine zaghafte Bereinigung im Finanzsystem zu versuchen.

Die Aktien auf dem chinesischen Festland hätten im Juli um etwas über zwei Prozent zugelegt; die H-Aktien in Hongkong fast doppelt so stark. (Ausgabe August 2017) (11.08.2017/fc/a/m)