grundbesitz europa-Fonds: Wohnimmobilien - Drei Gründe, warum der Boom anhalten dürfte


04.02.20 10:30
DWS

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Wo einst Züge über die Gleisanlagen rollten, Arbeiter Güter umluden und Dieselloks betankten, reihen sich heute mehrgeschossige Häuser um einen frisch angelegten Park: Aus einem Ort der Arbeit ist ein Ort des Wohnens geworden, so die Experten der DWS im Kommentar zum grundbesitz europa.

Hamburgs "Mitte Altona", die auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs wachse, sei eines der Vorzeigeprojekte der Hansestadt. Bis zu 3500 Wohnungen entstünden im Herzen der Stadt.

Begehrter Wohnraum, der wie in vielen Metropolen knapp sei - und für steigende Preise sorge. Diese hätten für Wohnimmobilien in Deutschland im dritten Quartal 2019 durchschnittlich um 4,9 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum gelegen. Besonders stark hätten sich Eigentumswohnungen und Häuser in urbaner Lage verteuert: In den sieben größten deutschen Städten seien zuletzt die Preise dafür binnen Jahresfrist um 9 beziehungsweise 7,5 Prozent geklettert.

Gleichzeitig würden Angebot und Bedarf an neuem Wohnraum in Deutschland weiter auseinanderklaffen. So seien 2018 bundesweit rund 286.000 Wohnimmobilien fertiggestellt worden, lediglich 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit bleibe der Bau deutlich hinter der politischen Zielvorgabe von jährlich 375.000 Wohnungen zurück. Der Aufwärtsdruck bei den Preisen sollte daher anhalten. Anleger könnten von diesem Boom über Immobilienfonds, die aktuell verstärkt auf Wohnobjekte setzen würden, profitieren.

"Der Trend zur Urbanisierung hält an, die Bevölkerung in den Städten wächst. Die Zuwanderung sorgt weiter für eine steigende Nachfrage nach städtischem Wohnraum", erkläre Taskin Mutlu, Immobilienfondsmanager bei der DWS. Für das Jahr 2035 würden Demografie-Experten gegenüber heute beispielsweise 11 Prozent mehr Berliner prognostizieren, für Leipzig sogar ein Einwohnerplus von 16 Prozent.

"Die Zahl der Neubauten bleibt in vielen Städten weit hinter dem Bedarf der Zuzügler zurück." Diese Lücke werde nicht so schnell geschlossen werden. Das habe laut Mutlu mehrere Gründe: Eine konservative Baulandschaffung, steigende Baukosten und der Fachkräftemangel im Baugewerbe. Aber auch Grundstücksspekulationen, die neue Bebauungen verzögern würden, langwierige Baugenehmigungen und die verschärften energetischen Anforderungen seien Hemmnisse. Als Konsequenz erwarte Mutlu, dass Miet- und Kaufpreise mittelfristig weiter steigen dürften. Und nicht nur in Deutschland würden die Metropolen wachsen, auch europaweit ziehe es die Menschen in die Ballungszentren. Im Jahr 2050 sollten laut EU-Statistikbehörde Eurostat mehr als 80 Prozent der europäischen Bevölkerung in Städten leben.

Die auseinanderklaffenden Kaufpreise von Stadt- und Landobjekten würden die Attraktivität der Metropolen widerspiegeln. So würden die Immobilienpreise in deutschen Städten den Bundesdurchschnitt um die Hälfte übersteigen. München verzeichne mit 130 Prozent den höchsten deutschen Wert. Ein Blick ins europäische Ausland zeige ein noch extremeres Bild. Die Preise in London lägen um 198 Prozent, in Paris und Lissabon sogar um 220 Prozent über dem landesweiten Durchschnitt.

"Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung auf den Wohnimmobilienmärkten sind gegenwärtig neben Deutschland insbesondere die Niederlande, Spanien, Irland und die nordeuropäischen Länder interessant", berichte Mutlu. Vom starken Nachfrageüberhang im Zentrum der europäischen Metropolen würden zunehmend auch der Stadtrand und das nähere regionale Umfeld profitieren. So steige die Zahl der Haushalte beispielsweise im Hinterland von Danzig und Amsterdam stark - aber etwa auch zum Beispiel im von München rund 70 Kilometer entfernten Landshut.

Ein demografischer Faktor, der die Nachfrage nach Wohneinheiten stark befeuere, sei die wachsende Zahl der Singles und Senioren. Seit 1991 habe der Anteil der Einpersonenhaushalte in Deutschland um fast die Hälfte zugenommen. Damit wachse auch die beanspruchte Wohnfläche pro Person. Diese habe hierzulande im Jahr 2018 bei 46,7 Quadratmetern gelegen, zehn Jahre zuvor seien es lediglich 42,2 Quadratmeter gewesen - ein Plus von fast elf Prozent.

Hinzu würden aktuelle Trends wie etwa Co-Living kommen. Bei der modernen WG-Variante würden einzelne Zimmer einer Wohnung vermietet, schick möbliert, technisch gut ausgestattet und somit angepasst an die Bedürfnisse wachsender Pendlerströme. Auch das Segment der Studentenapartments boome: Denn immer mehr Studierende würden immer mehr Unterkünfte brauchen. In beiden neuen Wohnformen seien es oft Investmentfonds, die die Liegenschaften erwerben und dann an die Betreiber als Nutzer langfristig vermieten würden.

Der Blick ins europäische Ausland, wo die Mietniveaus gerade in Metropolen deutlich über denen von Deutschland lägen, gebe einen weiteren Hinweis darauf, wie sich der deutsche Markt in Zukunft entwickeln könnte. Dazu Fondsmanager Mutlu: "Angesichts des europäischen Mietumfeldes zeichnet sich eine weiter steigende Mietpreisentwicklung in deutschen Städten ab - gute Aussichten also für Investoren." (Ausgabe vom 03.02.2020) (04.02.2020/fc/a/f)





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