Templeton Emerging Markets Fund: Emerging-Markets-Aktien schwächeln - das Ende der Rally?


07.09.18 10:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Schwellenländer-Aktien erlebten in den vergangenen Monaten einen Rückschlag, da die robusten Konjunktur- und Gewinndaten einem unsicheren geopolitischen Umfeld gegenüberstanden, so die Experten von Franklin Templeton im Kommentar zum Templeton Emerging Markets Fund.

Ausgelöst durch die Bedenken der Anleger um steigende US-Zinssätze, den stärkeren US-Dollar und das zunehmende Risiko von Handelskriegen infolge der protektionistischen Maßnahmen der US-Regierung (und entsprechender Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder), sei die Stimmung ins Negative umgeschlagen.

Vor allem Sorgen um steigende Zinsen in den USA und einen stärker werdenden US-Dollar hätten in der Vergangenheit die Aktien und Währungen der Emerging Markets belastet. Seien dann die befürchteten Entwicklungen eingetreten, wie beispielsweise eine Zinsanhebung durch die FED, hätten sich die Märkte jedoch recht häufig wieder erholen können. Dies spreche dafür, dass viele Marktteilnehmer dazu neigen würden, vor dem eigentlichen Ereignis ein Worst-Case-Szenario einzupreisen - möglicherweise sei dies auch aktuell der Fall. Insgesamt seien die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen in den Schwellenländern im Vergleich zu früheren Zyklen heute bei weitem besser, und diese Länder könnten allmähliche Zinsanhebungen der FED aus Sicht der Experten verkraften.

Für ähnlich übertrieben würden die Experten die derzeitige Sorge vor einem starken US-Dollar halten. Obwohl viele Unternehmen der Schwellenländer in USD verschuldet seien und eine Aufwertung der US-Währung die Gewinne beeinträchtigen würde, würden die Experten nicht die Auffassung vertreten, dass ein stärkerer US-Dollar die grundlegende Erfolgsgeschichte der Schwellenländer ernsthaft gefährde. Es sollte beachtet werden, dass die Auswirkungen heute wahrscheinlich andere seien als in Zeiten mit starkem US-Dollar. Dies sei darauf zurückzuführen, dass viele Schwellenländer heute verbesserte Leistungsbilanzen aufweisen würden und ihre Währungen in Systemen mit flexiblen Wechselkursen seien.

Die zunehmenden Handelsspannungen zwischen den USA und China seien Ursache für einen vorsichtigen Ausblick der Anleger, der die Schwellenländer auf kurze Sicht betreffe. Die Stimmung sei nicht wegen der Handelspolitik an sich, sondern wegen der fortgesetzten Handelsspannungen und Ungewissheit angeschlagen. Die Experten seien der Ansicht, dass sich die Unternehmen anpassen und langfristige Strategien in Bezug auf die Handelspolitik entwickeln könnten, sobald mehr Klarheit herrsche. Der Markt werde eine abwartende Haltung einnehmen, bis sich der Nebel gelichtet habe. Dies könnte die Erholung in den Schwellenländern bremsen, dürfte sie jedoch nicht umkehren.

Zudem sei auch zu beachten, dass der Handel der Schwellenländer untereinander in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe und ein zunehmender Protektionismus dazu führen könnte, dass verstärkt regionale Abkommen getroffen würden.

Eine zentrale Rolle im innerasiatischen Handel nehme China ein. Die Volksrepublik habe sich in den letzten Jahren zu einer konsumgetragenen Volkswirtschaft entwickelt, was neue Handelschancen im asiatischen Raum eröffne. Die Experten seien der Meinung, dass die Störungen im Außenhandel China lediglich kurzfristig beeinträchtigen dürften und dazu beitragen könnten, Chinas Bemühungen um eine Aufrüstung seiner Wirtschaft mit zusätzlichen Investitionen in den Dienstleistungssektor und in Sektoren mit höherer Wertschöpfung zu beschleunigen.

Ebenfalls sollte unbedingt beachtet werden, dass die Schwellenländer nicht homogen seien und dass diejenigen, die wie z. B. Indien eher binnenwirtschaftlich ausgerichtet seien, gegen globale Erschütterungen besser geschützt sein dürften. Indiens wachsende Mittelschicht könnte den Konsum, der bereits gut 60% des indischen Bruttoinlandsprodukts ausmache, stark beleben. Die stark binnenwirtschaftliche Ausrichtung könnte eine geringere Anfälligkeit gegenüber externen Faktoren mit sich bringen, insbesondere wenn sich der Handelskonflikt in die Länge ziehe.

Eine Sonderrolle nehme derzeit die Türkei ein. Türkische Aktien, die 2017 zu den Top-Performern in den Emerging Markets gezählt hätten, hätten seit März unter erheblicher Volatilität gelitten und seit Jahresbeginn einen Rückgang von über 50% in USD-Kursen verzeichnet (gemessen am MSCI Turkey Index ca. 19% in lokaler Währung). Der Markt habe sich schlechter entwickelt als die Schwellenländer und sei seit Jahresbeginn die mit Abstand schwächste Komponente des MSCI Emerging Markets Index. Zudem hätten die Renditen türkischer Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit Höchststände erreicht, die seit 2008 nicht mehr erreicht worden seien.

Das Vertrauen der Anleger sei durch politische und institutionelle Unsicherheiten, eine strukturell schwache Leistungsbilanzposition, höhere Ölpreise, eine starke Abwertung der Türkischen Lira und eine hohe zweistellige Inflation in einem schwierigen geopolitischen Umfeld gedämpft worden. Die im August von der US-Regierung verhängten Sanktionen als Reaktion auf die Entscheidung der Türkei, den amerikanischen Pastor Andrew Brunson, der in der Türkei wegen Spionage angeklagt worden sei, nicht freizulassen, hätten die Stimmung zusätzlich verschärft.

Um die Lage zu beruhigen, brauche es einen glaubwürdigen Wirtschaftsplan. Die Türkische Zentralbank habe zwar als Reaktion auf die aktuelle Situation einige Maßnahmen ergriffen, darunter die Änderung bestimmter Bankvorschriften, um Liquidität freizusetzen, aber die Anleger würden nach einer robusteren Reaktion als bisher suchen. Eine Lockerung der Spannungen zwischen den USA und der Türkei würde ebenso wie ein glaubwürdiger Finanzplan und ein breiteres Wirtschaftsprogramm die Marktstimmung stützen.

Was den Aktienmarkt betreffe, so werde der MSCI Turkey Index derzeit mit einem 12-monatigen, sektorbereinigten Gewinn gehandelt, was einem Abschlag von mehr als 50% gegenüber dem gesamten Emerging-Markets-Universum entspreche (gemessen am MSCI Emerging Markets Index). Auf Bewertungsbasis habe die Türkei das niedrigste KGV-Multiple unter den etablierten Emerging-Markets-Ländern.

Obwohl der türkische Markt ausgewählte Chancen biete, würden die Experten dennoch vorsichtig bleiben. Nach Jahren starken Wirtschaftswachstums sei eine Konjunkturabschwächung ein Risiko vor der jüngsten Volatilität gewesen, die sich nun noch verschärfen werde. Die Experten würden ihre begrenzten Aktienengagements in dem Land, in dem die Dynamik von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein könne, weiterhin genau beobachten.

Anleger in den Emerging Markets hätten in den letzten Monaten leider Verluste zu verbuchen gehabt. Wer allerdings frühzeitig eingestiegen sei, habe möglicherweise an der davor rund zwei Jahre andauernden Rally partizipieren können. Nach solch einer langen Aufwärtsbewegung sei eine Korrektur zwar ärgerlich, aber nicht ungewöhnlich.

Trotz der momentanen Marktvolatilität würden die Experten gegenüber Schwellenländern bei ihrer positiven Einschätzung bleiben, denn es herrsche ein Umfeld, in dem sich das Wirtschaftswachstum verbessere, sich die Rohstoffpreise erholen würden, Schwellenländer-Währungen aus Sicht der Experten unterbewertet seien und die Inflation unter Kontrolle sei. Insgesamt würden die Schwellenländer aufgrund günstiger Trends bei Demografie und Urbanisierung weiterhin eine gewichtige Rolle in der Weltwirtschaft spielen.

Auch auf Unternehmensebene bestehe nach Meinung der Experten Aufwärtspotenzial. Positiv hervorzuheben sei beispielsweise die im Vergleich zu Unternehmen aus Industrieländern niedrigere Verschuldung. Zudem seien die Bewertungen der Schwellenländer (gemessen am MSCI Emerging Markets Index) weiterhin attraktiv, und diese Länder würden nach wie vor mit einem Abschlag von rund 25% auf die Industrieländer (gemessen am MSCI World Index) gehandelt. Am wichtigsten sei aus Sicht der Experten allerdings, dass dieser Gewinnmultiplikator durch fundamentale Daten gestützt werde. Die Experten würden bei den Gewinnprognosen von Unternehmen in Schwellenländern eine höhere Transparenz feststellen und denken, dass die Gewinne immer noch Spielraum nach oben hätten. (Ausgabe 80 vom September 2018) (07.09.2018/fc/a/f)





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