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Sollten institutionelle Investoren ihre Allokation in Venture Capital erhöhen?


02.04.19 13:00
PGIM Fixed Income

Newark (www.fondscheck.de) - Sollten institutionelle Investoren bei aller Konzentration auf Technologie-IPOs ihre Allokation in Venture Capital erhöhen? Kurz gesagt, nein, so David Hunt, CEO von PGIM.

Es sei denn, man verfüge über eine sehr gute Beziehung zu einem der führenden Venture-Capital-Unternehmen. Viele Jahre sei David Hunt der Überzeugung gewesen, dass Venture Capital keine Anlageklasse für die meisten großen institutionellen Investoren sei und besser zu High-Net-Worth-Portfolios passe. Sein jüngster Besuch im Silicon Valley habe ihn in seiner Ansicht bestärkt. Drei für ihn wichtige Takeaways habe er von der Reise mitgenommen:

Erstens, Venture-Capital-Renditen, wenn man die durchschnittliche Rendite akzeptieren müsse, entspreche nicht den Risiko-Rendite-Zielen eines langfristig orientierten Investors. Hinzu komme, dass Venture-Capital-Unternehmen seit dem Jahr 2000 durchschnittlich nur 3 Prozent Rendite und kein Netto-Alpha generiert hätten. Schaue man hinter den Durchschnitt, so existiere da selbstverständlich eine enorme Varianz. Die Renditen führender Venture-Capital-Unternehmen seien natürlich viel attraktiver, da sie nachhaltiger seien und sich mit der Zeit sogar noch erhöhen könnten.

Zweitens, es sei äußerst schwierig ausreichend Geld einzusetzen, selbst für größere Fonds. Hier gelte zu berücksichtigen, dass die seit dem Jahr 2014 aufgelegten Fonds, durchschnittlich nur 140 Millionen US-Dollar eingesammelt hätten. Es würden darüber hinaus nur etwa zwei Dutzend Fonds existieren, die 2 Milliarden US-Dollar und mehr eingesammelt hätten. Für einen großen institutionellen Investor bedeute dies, dass selbst wenn er einen Anteil von 100 Millionen US-Dollar bekommen würde, keine großen Auswirkungen auf sein Portfolio haben werde - selbst dann nicht, wenn eine attraktive Rendite erzielt werde. Das Risiko, die operative Komplexität und die notwendige Beaufsichtigung seien nach Erachten des Experten zu groß für eine Anlageklasse, die am Ende keinen nennenswerten Beitrag zur Rendite des Portfolios liefere.

Drittens, werde heute von Tag zu Tag mehr Kapital in Venture Capital gesteckt. Die Preise für Venture-Capital-Unternehmen seien zudem heute viel höher als noch vor wenigen Jahren - was die Renditen für das laufende Jahr drücken dürfte. Als Beispiel; die durchschnittliche Finanzierung der Serie C habe vor zehn Jahren bei rund 9 Milliarden US-Dollar gelegen. Heute liege sie bei etwas über 40 Milliarden US-Dollar. Diese Erhöhung helfe diesen Unternehmen, viel länger privat zu bleiben, was wiederum bedeute, dass Venture-Capital-Investoren einen längeren Zeithorizont hätten, Renditen zu erwirtschaften.

In den vergangenen fünf Jahren hätten 425 neue Firmen Venture-Capital-Strategien angeboten - insgesamt seien sogar mehr als 2.300 lanciert worden. Einige von ihnen mögen in dieser Phase des Zyklus zu optimistisch gewesen sein. Eine bessere Erklärung sei jedoch, dass viele Unternehmen Venture Capital nicht als Anlageklasse, sondern als Forschung und Entwicklung betrachten würden. Es biete ihnen Zugang zu neuen Technologien, neuen Geschäftsmodellen und neuer Management-Denke. Viele Unternehmen seien daher dazu bereit, dafür zu bezahlen. Zwar mögen diese Investoren, wenn sie durch eben diese Brille schauen würden, mit ihrer Investition durchaus zufrieden sein. Es sei jedoch sehr wahrscheinlich, dass dadurch die zukünftigen Renditen für alle Investoren sinken würden. (02.04.2019/fc/a/f)