Smart Cities: "Die Investmentchance ist sehr groß"


02.04.19 15:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Ivo Weinöhrl managt bei Pictet Asset Management den ersten Fonds, der es Privatanlegern ermöglicht, in "smarte" Städte von morgen zu investieren, so die Experten von "FONDS professionell".

Im Interview mit "FONDS professionell" erkläre er, was eine Smart City eigentlich sei und warum es sich lohnen könne, auf dieses Thema zu setzen.

Ob Biotech, künstliche Intelligenz oder Wasser: Pictet Asset Management sei für Themenfonds bekannt. Im August 2018 habe der Schweizer Vermögensverwalter den Pictet-Smart City (ISIN LU0503634221 / WKN A1CYMB) aufgelegt - den ersten globalen Aktienfonds, mit dem Privatanleger in die Entwicklung moderner Städte investieren könnten. "Die Stadt der Zukunft ist intelligent", sei Weinöhrl überzeugt. "Smarte Konzepte bereiten Städte auf Entwicklungen vor, deren Auswirkungen in zehn, vielleicht erst in 20 Jahren spürbar werden", erkläre er.

Der Pictet-Smart City werde von vier langfristigen Entwicklungen, sogenannten Megatrends, getragen. Dazu würden Nachhaltigkeit, das Vordringen von Technologie in immer weitere Lebensbereiche und das Wirtschaftswachstum zählen. Bereits heute würden 80 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts in Städten erwirtschaftet. Das werde weiter zunehmen. Verantwortlich dafür sei die fortschreitende Urbanisierung. "Diese ist für uns - als Subtrend der demografischen Entwicklung - der wichtigste Megatrend, der den Fonds unterstützt", sage Weinöhrl.

Heute würden weltweit 55 Prozent aller Menschen in Städten leben. Bis zum Jahr 2050 würden es Studien zufolge 70 Prozent sein - bei einer gleichzeitigen Zunahme der Weltbevölkerung von 7,5 auf zehn Milliarden Menschen. "Das heißt, wir haben einen doppelten Effekt, der dazu führt, dass Städte geradezu explodieren", erkläre Weinöhrl. Hinzu würden demografische Veränderungen kommen: Die Menschen würden nicht nur länger leben, sie würden auch später heiraten, weniger Kinder bekommen, neue Formen des Zusammenlebens entstünden. "Durch diese Entwicklungen wird die Stadtbevölkerung in zehn bis 20 Jahren eine ganz andere Struktur haben als heute", sage der Fondsmanager.

Von den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen sehe das Ziel Nummer elf Städte und Gemeinden vor, die inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestaltet sein sollten. Die Investitionen, die anfallen würden, um das Ziel bis 2030 zu erreichen, schätze etwa die Citigroup auf zwei Billionen US-Dollar pro Jahr. Die Kommunen allein könnten das nicht stemmen, daher müsse der private Sektor eingebunden werden. "Selbst wenn nur ein geringer Prozentsatz aller notwendigen Projekte umgesetzt wird, sind das immer noch Hunderte von Milliarden jährlich. Die Investmentchance ist also sehr groß", sage Weinöhrl.

Um sie zu nutzen, sei das Portfolio des Pictet-Smart City in drei Kernbereiche unterteilt. "Unter 'Building the City' ordnen wir Unternehmen ein, die intelligente Gebäude bauen, in der Stadtentwicklung tätig sind oder aber Finanzlösungen anbieten", erläutere Weinöhrl. Der Bereich "Running the City" umfasse Firmen, die Infrastruktur entwickeln würden. Für "Living in the City" habe Weinöhrl Unternehmen ausgewählt, deren Produkte das urbane Leben des 21. Jahrhunderts angenehm und praktisch machen würden.

Weinöhrl nenne ein Investment-Beispiel aus dem Bereich "Buliding the City". "Wir haben die Aktie des finnischen Fahrstuhl-Herstellers Kone im Portfolio", sage er. Das Unternehmen habe ein Aufzugsystem entwickelt, bei dem pro Schacht mehrere Kabinen gleichzeitig zirkulieren könnten. Wenn immer mehr Hochhäuser gebaut würden, sei ein solches Fahrstuhlsystem enorm vorteilhaft. "Das Unternehmen wird vom Thema Smart City also profitieren", so Weinöhrl.

Ivo Weinöhrl, Fondsmanager bei Pictet Asset Management: "Wir verstehen unter dem Begriff 'Smart City' eine Stadt, die darauf fokussiert ist, die Lebensqualität ihrer Bürger zu verbessern."

"Die Beratungsgesellschaft McKinsey hat untersucht, in welche Teilbereiche sich Lebensqualität untergliedern lässt. Die Experten haben zudem analysiert, mit welchen Konzepten sich Verbesserungen in den einzelnen Teilbereichen erzielen lassen. Hier ein Ergebnis der 2018 veröffentlichten Studie: Mit automatisiertem Heizen und Kühlen von Gebäuden sowie intelligenten Energienetzen ließe sich der Wasserverbrauch in Städten um bis zu 30 Prozent verringern."

"Die Stadt der Zukunft ist intelligent. Smarte Konzepte bereiten Städte auf Entwicklungen vor, deren Auswirkungen in zehn, vielleicht erst in 20 Jahren spürbar werden."

"Die Stadtbevölkerung wird in zehn bis 20 Jahren eine ganz andere Struktur haben als heute. Also muss man die Städte entsprechend anpassen."

"Die durchschnittliche Größe von Haushalten sinkt. Daher werden wir in Zukunft einen viel höheren Bedarf an kleinen City-Wohnungen haben. Für Singles lohnt es sich auch weniger, selbst zu kochen, als für eine vierköpfige Familie. Deshalb werden mehr Restaurants oder Bestellservices benötigt. Die Überalterung macht zunehmend barrierefreie Wohnimmobilien und auch öffentliche Gebäude erforderlich. All diese Faktoren werden in einer Smart City berücksichtigt, dafür sind Investitionen nötig." (Ausgabe vom 01.04.2019) (02.04.2019/fc/a/f)





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